Pressearchiv
06.12.2009 - Wertheimer Zeitung
04.12.2009 - Fränkischen Nachrichten
09.11.2009 - Neue Probespieltermine des LJO
09.11.2009 - Von Liebe, Abschied, Trauer und Tod
09.11.2009 - Herzerfrischender Musikgenuss
06.11.2009 - Präzise Akzente, wundervolle Dynamik
06.11.2009 - Ein eindruckvolles Programm geboten
05.11.2009 - Ein Orchester ist wie eine kleine Gesellschaft
05.11.2009 - Ein Sinfonieorchester ist eine kleine Gesellschaft
05.11.2009 - Sänger und Instrumentalisten überzeugen
05.11.2009 - LJO spielt Mahler und Brahms
04.11.2009 - Eine Chance für junge Musiker
Artikel aus dem Wochen Kurier:
Ausgabe Buchen
Ausgabe Eberbach
Ausgabe Heidelberg
Ausgabe Heidelberg-Nord
Ausgabe Ost
Ausgabe Sinsheim
Ausgabe Walldorf
04.11.2009 - Hymnisches Blech, vitale Crescendi
04.11.2009 - Ausnahmequalität und ansteckende Spielfreude
02.11.2009 - LJO-Konzert am 31.10.
31.10.2009 - Jugendorchester läd zum Vorspiel
31.10.2009 - Die Opernwelt kennt er so wie Bits und Bytes
30.10.2009 - Konzertreise nach Ecuador
30.10.2009 - Der Funke lässt keinen mehr los !
29.10.2009 - Querflöte auf 4000 Metern Höhe
29.10.2009 - Jugendorchester mit Mahler-Werk
27.10.2009 - LJO und Georg Gädker
27.10.2009 - So etwas noch nicht erlebt
27.10.2009 - Perfektion und Leidenschaft
26.10.2009 - LJO gastiert in Tuttlingen
26.10.2009 - OrtenauKultur Konzert des LJO
26.10.2009 - Heiße Herbstarbeitsphase hat begonnen
20.10.2009 - Lampertheimer Zeitung: Der Orchesterpapa (Porträt Detlef Hartmann)
14.10.2009 - LJO kommt nach Oberkirch
14.10.2009 - Landesjugendorchester kommt nach Oberkirch
24.09.2009 - El Telégrafo
22.09.2009 - El Universo
20.09.2009 - El Universo
18.09.2009 - LJO spielt vor übervollem Haus
18.09.2009 - Músika sinfónica european
17.09.2009 - El Mercurio
17.09.2009 - El Tiempo
17.09.2009 - El Universo
17.09.2009 - El Diario
17.09.2009 - El Mercurio
16.09.2009 - El Mercurio
Colegio Alemán con Casa Llena
Casa Llena recibe a juvenil Alemana
Gran acogida a Sinfónica Juvenil de Alemania
Concierto en la Casa de la Música, en Quito
Orquesta Sinfónica Juvenil de Alemania
Orquesta Sin´fónica Juvenil de Alemania
Orquesta Sinfónica Juvenil de Alemania recorre el Ecuador
Orquesta Sinfónica Juvenil de Alemania
La Sinfónica Juvenil de Alemania convocó a má de 700 personas
Orquesta Sinfónica Juvenil
14.09.2002 - SO EBBES
13.09.2009 - Publicacion La Hora Manabita
13.09.2009 - Publicacion Diario Manabita
11.09.2009 - Erste sehr erfolgreiche Konzerte
11.09.2009 - El Tiempo
11.09.2009 - Programa demano
10.09.2009 - Talento fresco llegó directo de Alemania
10.09.2009 - El Mercurio
10.09.2009 -Fotos: Orquesta sinfónica de Alemania se presenta en Quito
10.09.2009 - La Sinfónica Juvenil de Alemania agradó
10.09.2009 - Orquesta alemana visita el país
10.09.2009 - Alemania para ti
09.09.2009 - VidaDiaria: Artikel 01.09, 08.09, 09.09
09.09.2009 - El Mercurio
09.09.2009 - El Tiempo
08.09.2009 - La Tarde
05.09.2009 - Auf Kapfenburg für Ecuador geübt
04.09.2009 - Startprobleme für die große Tour
04.09.2009 - Hoy: Sinfóníca Alemana llega a Quito
04.09.2009 - VidaDiaria: Jóvenes Alemanes Deleitan Ecuador
03.09.2009 - Junge Musiker spielen in Ecuador
03.09.2009 - Junge Musiker hängen fest
02.09.2009 - VidaDiaria: Música alemana se escuchará en Quito
01.09.2009 - LJO sitzt in Madrid fest
31.08.2009 - El Mercurio
31.08.2009 - LJO bereitet sich auf Ecuadorreise vor...
31.08.2009 - Wunschtraum in Stuttgart
31.08.2009 - Mendelssohnfest
31.08.2009 - Ein Talent mit viel Routine
29.08.2009 - Talente reisen mit dem LJO
29.08.2009 - LJO reist als Botschafter nach Ecuador
29.08.2009 - Ein populäres Programm
24.08.2009 - Jubiläum der Zahnradbahn in Stuttgart
19.08.2009 - Musizieren für Burkina Faso
19.08.2009 - Leute in Trossingen - Wonsuk Song spielt im LJO
15.08.2009 - Konzerte für ein Schulbauprojekt in Burkina Faso
12.08.2009 - Jugend weckt mit "Romeo und Julia" gefühle!
04.09.2009 - Abenteuer zum Tour-Start
28.07.2009 - Die Liebenden von Schloss Kapfenburg
25.07.2009 - Altes Gemäuer für junge Menschen
25.07.2009 - Eröffnungsfeier auf der Kapfenburg
09.06.2009 - El Comercio
28.04.2009 - Spielfreude, ausgezeichnete Konzerte und fruchtbare Symbiosen
28.04.2009 Steinheim - Luxuriös besetzt und prima aufgelegt
28.04.2009 Steinheim - Liebe und Hass prallen aufeinander
24.04.2009 Göppingen - Proben, spielen, viel lachen
24.04.2009 Geislingen - Musik voll Energie und Spaß
22.04.2009 Remchingen - Gewaltiges Klangvolumen bei der Ouvertüre
22.04.2009 Remchingen - Humor und Tragik
22.04.2009 Hechingen - Abschied mit Pauken und Trompeten
22.04.2009 Hechingen - Großes Orchester für C. Heckmann und M. Hahn
21.04.2009 Bühl - LJO mit besonderem Auftritt
21.04.2009 Bühl - Viel Applaus für einen wohltönenden Klangkörper
21.04.2009 Sindelfingen - Spaß statt Pflichterfüllung
20.04.2009 Biberach - Talente bieten Seiltanz auf ver Bass-Saiten
03.09.2009 - LJO: Liebesmusik und Trauermarsch
20.04.2009 Böblingen - Liebesmusik trifft Trauermarsch
07.04.2009 - LJO kündigt Überraschung an
14.01.2009 - Ersatztermin für Probespiele
10.01.2009 - Ersatztermin für Probespiele
09.12.2008 - BAZ: Neue Probespieltermine...
27.11.2008 - Ein glänzendes Lehrstück über die musikalische Inspiration
26.11.1008 - WZO: Die Begegnung mit der Talentschmiede...
25.11.2008 - Orchester und Solist harmonierten wunderbar
24.11.2008 - Staufen: Intensive Musik, die tief berührt
21.11.2008 - Neue Probespieltermine des LJO
20.11.2008 - CD-besprekingen Releasejaar 2008 Gustav Mahler `Sinfonie N° 5´
20.11.2008 - CD-Besprechung Veröffentlichung Gustav Mahler `Sinfonie N° 5´
freie Übersetzung
18.11.2008 - Probespieltermine
07.11.2008 - LJO in Riedlingen
06.11.2008 - 25. Leonberger Jugendmusikpreis
01.11.2008 - Europäischer Jugend-Orchesterpreis
31.10.2008 - Wertheim-Bestenheid: Orchester spielt an Pulten von König & Meyer
31.10.2008 - Hornist zu sein macht übel spaß
Quelle: Jürgen Holwein (Ressort Unterhaltung)
Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH

29.10.2008 - Weikersheim: Klassiker der Romantik
27.10.2008 - Das Landesjugendorchester wieder auf Tournee
21.10.2008 - Wertheim-Bronnbach: Engagiert, beschwingt und dicht
18.10.2008 - Wertheim: Freudvoller Brückenschlag, Notenständer für das LJO
29.09.2008 - Jugend forscht mit Mahler: CD-Tipp
07.09.2008 - Wertheim, Proben in angenehmer Atmosphäre
06.09.2008 - Kloster Bronnbach, Wyneken: Die jungen Leute sind so fähig
06.09.2008 - Kloster Bronnbach
04.09.2008 - Crailsheim: Junge Musiker gastieren in der Jahnhalle
03.09.2008 - Detlef Hartmann: Die Zeit hat Ihn stark gemacht
03.09.2008 - Detlef Hartmann ist wieder einmal in Wertheim
03.09.2008 - Ensemble aus talentierten Musikern zusammen gestellt
06.08.2008 - Hörgenuss für Klassikfreunde
01.08.2008 - Die Schwere erahnen
01.08.2008 - Offizielle Label CD des LJO
31.07.2008 - Abenteuerspielplatz Sinfonieorchester
29.07.2008 - LJO in Eberbach
29.07.2008 - Eberbach: Mit Kindern, für Kinder; Klassik mal anders
04.06.2008 Ulm: Mit kühnem Schwung und Leidenschaft
04.06.2008 Mössingen: Begeistertes Opern-Flair
29.05.2008 Ochsenhausen: Versucht zu bewahren, was euch hier so motiviert
26.05.2008 Madagaskar: COOPERATION 125 années d
26.05.2008 Madagaskar: La différence entra orchestre et fanfare (französisch)
26.05.2008 Madagaskar: Une amitié vieille de 125 ans (französisch)
26.05.2008 Madagaskar: Cérémonie faste à la Villa Berlin (französisch)
26.05.2008 Ochsenhausen: Durch Marketing zu neuem Image
23.05.2008 Ochsenhausen: Besuch beim Landesjugendorchester Baden-Württemberg
23.05.2008 Stuttgart: Bläserensemble des LJO schreibt auf Madagaskar Kulturgeschichte
21.05.2008 Liebe zur Musik wurde Ihr in die Wiege gelegt
21.05.2008 125 Jahre deutsch-madegassischer Freundschaftsvertrag
21.05.2008 Aus dem Afrikaviertel nach Madagaskar
10.05.2008 Teckbote Madagaskar
08.05.2008 Kämpfer für den Erhalt der Spontaneität
25.04.2008 LJO im Rahmen der "Aktion Afrika"
24.04.2008 Von Ostberlin nach Madagaskar (Südhessen Morgen)
16.04.2008 Feier mit Musik - Landesjugendorchester fliegt nach Madagaskar
Kirchheim. Das seit Gründung im Jahre 1972 von Chefdirigent Christoph Wyneken geleitete Landesjugendorchester Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart, hat in den vergangenen Jahrzehnten schon vor zahlreichen gekrönten und ungekrönten Häuptern gespielt, Zehntausende von Musikfreunden im In- und Ausland begeistert und zahlreiche junge Talente gefördert, die auf Landes- und Bundesebene bei "Jugend musiziert" stets ganz vorne zu finden sind.

Jetzt hat das vielfach ausgezeichnete Ensemble eine Einladung von der Tropeninsel Madagaskar erhalten. Dort wird Mitte Mai die 125. Wiederkehr der Unterzeichnung des ersten deutsch-madagassischen Freundschaftsvertrages mit "Pauken und Trompeten" gefeiert. Ein insgesamt 13-köpfiges Bläserensemble, unter der Leitung von Landesjugend-Orchesterdirektor Detlef Hartmann, wird am Freitag, 9. Mai, die 8 000 Kilometer lange Reise nach Madagaskar antreten, wo etliche Auftritte auf dem Programm stehen.

Mit dabei ist die 22-jährige Musikerin Christine Anna-Elise Dobmeier (Trompete) aus Kirchheim, wo es bekanntlich schon seit einigen Jahren einen sehr aktiven deutsch-madagassischen Verein gibt, über den sich Interessierte unter www.ny-hary.org umfassend informieren können.

Die musikalischen Botschafter aus Baden-Württemberg, die studienbedingt in ganz Deutschland verstreut sind, haben sich intensiv auf diese exotische Tour vorbereitet. Auf der viertgrößten Insel der Welt werden sie auf öffentlichen Plätzen, in einer Schule, auf der größten Wirtschaftsmesse des Landes, bei einem Workshop, einem Empfang der deutschen Botschaft und bei der Eröffnung von Ausstellungen zu hören sein.

Die wenige freie Zeit wird dazu genutzt, am Sonntag, 11. Mai, ein Hilfsprojekt des deutsch-madagassischen Vereins "Ny Hary" aus Kirchheim in Miarinarivo zu besuchen und den dortigen Kindern eines Schülerspeisungs- und Wohnheimprojektes ein Open-Air-Ständchen zu bringen. Ein Abstecher Richtung Ostküste wird für einen hautnahen Kontakt der Musiker mit Lemuren sorgen, die nur auf Madagaskar zu Hause sind.

"Made in Germany" genießt auf der Gewürz­insel Madagaskar im Indischen Ozean einen ausgezeichneten Ruf. Nicht zuletzt deswegen hat Staatspräsident Marc Ravalomanana Mitte April zum wiederholten Male mit einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation Deutschland besucht, um die bestehenden Kontakte auszubauen und weiter zu vertiefen.

Das Landesjugendorchester, das zwei Mal im Jahr mit rund 90 Akteuren zu Arbeitsphasen in Musik­akademien zusammenkommt, wird Anfang November in Colmar mit dem Europäischen Kulturpreis ausgezeichnet, eine Ehrung, die außer dem Gustav-Mahler-Jugendorchester bisher noch kein anderes Ensemble dieser Art entgegennehmen konnte. In Kürze erscheint die erste Label-CD des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg mit Gustav Mahlers 5. Sinfonie, die dann auch international erhältlich sein wird. km
02.04.2008 Anspruchsvolles zwischen Heiterkeit und Dramatik (Backnanger Kreiszeitung)
Bilder-Galerie Konzert Backnang
01.04.2008 Jugend setzt musikalische Duftmarken (Schwäbische Zeitung)
LAUPHEIM - Über 80 junge Musiker - das Landesjugendorchester Baden-Württemberg - und drei hochkarätige Gesangssolisten haben gut 700 Besucher bei ihrem Konzert im Kulturhaus zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Auf dem Programm standen Ausschnitte aus Rossinis Barbier von Sevilla und die zweite Symphonie von Robert Schumann.

An Selbstbewusstsein mangelt es diesem Friseur, dem Barbier von Sevilla, überhaupt nicht. Da steht er nun an der Rampe, der Adam Kim, dieses vokale Kraftpaket mit einer Stimme voller Saft und Kraft, und preist in der berühmten Cavatine des Figaro seine Qualitäten als Frauenversteher an. Der Bariton Adam Kim, 1975 im koreanischen Seoul geboren, überwältigte das Publikum nicht nur mit seiner ausdrucksvollen, füllig timbrierten Stimme, sondern auch mit beeindruckender Bühnenpräsenz. Sparte das Publikum schon nach der straff und lebhaft vorgetragenen Ouvertüre nicht mit Beifall, so jauchzten die Besucher nach Kims glanzvollen Auftritt vor Begeisterung.

Der erste Teil des Konzertprogramms war Gioacchino Rossini und seinem 1816 uraufgeführten "Barbier von Sevilla" gewidmet. Mit der dänischen Sopranistin Lisa Tjalve, dem koreanischen Tenor Dong-Seok Im, und seinem Landsmann Adam Kim präsentierten sich im Kulturhaus drei exzellente Sänger, die auf Italienisch Rossinis amouröse Irrungen und Wirrungen besingen. Was im "Barbier" passiert? Loriot hat das auf einen einfachen Nenner gebracht: "Rossini verwickelte in seiner Oper einen überanstrengten Herren- und Damenfriseur in ein Chaos bürgerlicher Erotik".

Höhe ohne Schärfe

Davon sang Lisa Tjalve mit einem warmen und farbenreichen Sopran. Etwa in der Cavatina der vom Grafen Almaviva umworbenen Rosina. Die elegante, in Kopenhagen geborene Künstlerin verfügt über eine füllige Mittellage, auch in der Höhe ist diese Stimme ohne Schärfe. Dritter im Bunde war Dong-Seok Im als Graf Almaviva. Der Tenor hat kein großes, saalfüllendes Organ - im Duett mit Bariton Kim als Figaro ging sein Part etwas unter - aber seine Stimme ist gut geführt und angenehm timbriert. Ovationen nach dem Terzett Rosina, Graf und Figaro, das den ersten Teil des Konzerts beschloss.

Das Landesjugendorchester unter der zupackend-eleganten Stabführung von Anna-Sophie Brüning setzte schon zu Beginn mit der frisch und straff musizierten Ouvertüre eine musikalische Duftmarke. Die zwölf- bis 18-jährigen Musikerinnen und Musiker sind mit sichtlichem Spaß und erstaunlichem Können bei der Sache. Natürlich klingt etwa das Orchestertutti nicht immer seidenweich und rund, doch ist der Wille zur Präzision stets spürbar. Sensibel begleitete das Riesenensemble die drei Gesangssolisten.
Im zweiten Teil des Konzerts spielte das Landesjugendorchester Robert Schumanns zweite Sinfonie in C-Dur. Den jungen Künstlern unter der Leitung von Anna-Sophie Brüning gelang eine stimmige und differenzierte Interpretation des viersätzigen Werks, das "dem Formdenken Beethovens nahesteht". Minutenlanger Beifall, Bravorufe und viele "Vorhänge" für das Ensemble und seine Dirigentin.
31.03.2008 Technische Perfektion trifft musikalische Leidenschaft (Ludwigsburger Kreiszeitung)
20.03.2008 LJO geht auf Tournee (Südwest aktiv)
Neustart unter Anna-Sophie Brüning

Das Landesjugendorchesters startet neu durch. Unter Anna-Sophie Brüning ist
es ab 28. März mit Werken von Rossini und Schumann auf Tournee.

Region

Das Landesjugendorchester Baden-Württemberg (LJO) setzt sich aus
ausgewählten Spielern und Preisträgern des Wettbewerbs "Jugend Musiziert"
im Alter von 15 bis 22 Jahren zusammen. Im 36. Jahr seines Bestehens ist
es nun zu 70 Prozent neu besetzt; die Leitung hat Anna-Sophie Brüning
(u.a. Komische Oper Berlin) übernommen, zudem wurden professionelle
Gesangssolisten für eine Zusammenarbeit gefunden.

Ab 28. März wird das LJO nun eine Reihe von Konzerten geben. Auf dem
Programm stehen die Opera buffa Il barbiere di Sivglia von Gioacchino
Rossini und die zweite Sinfonie von Robert Schumann. Solisten sind Lisa
Tjalve (Sopran), Dong-Seok Im (Tenor) und Adam Kim (Bariton).

Der Neustart des Landesjugendorchesters wird von einer kompletten
Neuausrichtung des Marketings begleitet. So werden unter anderem die
Homepage und das Programmheft zur Tournee, die am 28. März beginnt, in
neuer Gestalt präsentiert. Auch die Infostände, mit denen das LJO im Foyer
der Konzertorte das Publikum Willkommen heißt, werden neu gestaltet.

Info

Das LJO spielt am Freitag, 28. März, 20 Uhr, in Schloss Großlaupheim bei
Laupheim und am Samstag, 29. März, 19 Uhr, im Bürgersaal in Backnang.
Weitere Termine unter http://www.landesjugendorchesters.de

aus: Südwest aktiv
18.03.2008 Rossini und Schumann (NRWZ online)
Neue Konzerttournee des Landesjugendorchesters

REGION ROTTWEIL, 18. März (pm) - In wenigen Tagen beginnt die nächste Arbeitsphase des Landesjugendorchesters, die viel Neues bringen wird. So wird das Orchester nach der äußerst erfolgreichen Jubiläums- Herbsttournee, bei der sich die Spieler selbst zum 35jährigen Bestehen des Orchesters die Erarbeitung der 5. Sinfonie von Gustav Mahler wünschten, nun zu etwa 70% neu besetzt sein. Außerdem wird das Orchester in diesem Frühjahr von der Dirigentin Anna-Sophie Brüning (u.a. Komische Oper Berlin) geleitet und mit professionellen Gesangssolisten zusammenarbeiten. Dieser Neustart des Landesjugendorchesters wird zu dem begleitet von einer kompletten Neuausrichtung des Marketings, so u.a. in der Neugestaltung der Homepage (www.landesjugendorchester.de), des Programmheftes zur Tournee und einem neuen Präsentationsstand, der im Foyer der Konzertorte das Publikum in neuer Art und Weise Willkommen heißen wird.

Auf dem Programm der Konzerte stehen Werke zweier bedeutender Komponisten des 19. Jahrhunderts, die jedoch aufgrund ihrer persönlichen und kompositorischen Entwicklung gegensätzlicher nicht sein könnten. Gioacchino Rossini galt um 1816, also zur Zeit der Uraufführung seiner Opera buffa Il barbiere di Siviglia, bereits als ein arrivierter Künstler, dessen Opern Uraufführungen an den Theatern von Bologna, Venedig, Mailand und Neapel große Erfolge feierten. Und noch heute besticht gerade sein Barbiere durch seine orchestrale Brillanz, dem sängerisch höchst virtuosen Anspruch und natürlich durch seinen Funken sprühenden Witz, der Arien und Ensembles.

Wer kennt sie nicht und liebt sie immer wieder, die turbulente Komödie um den verliebten Conte di Almaviva, dessen Angebetete Rosina ist. Doch ihr Onkel versteht es, sie von der Außenwelt abzuschirmen, so daß es nur mit List des gewitzten Faktotums Figaro gelingt, die beiden Liebenden zusammenzuführen...

Robert Schumann hoffte zum Zeitpunkt der Fertigstellung seiner 2. Sinfonie eine schwere Depression, verursacht durch verschiedene berufliche Enttäuschungen, endgültig hinter sich gelassen zu haben. In seiner Sinfonie in C-Dur, entstanden im Dezember des Jahres 1845, gelingt es Schumann den Geist Bachs und Beethovens mit neuer romantischer Substanz zu verquicken. Die 2. Sinfonie gehört wohl zu Schumanns ehrgeizigstem Unternehmen auf sinfonischem Gebiet.

Die neuartige, ja geradezu experimentelle Formkonzeption überrascht in diesem Werk ebenso wie die satzübergreifenden motivischen Beziehungen, die sich von der langsamen Einleitung des Kopfsatzes bis zum Finale spannen. Seine Frau Clara rühmte "den kühnen Schwung und tiefe Leidenschaft" der Sinfonie wie sie zuvor in keinem anderen von Roberts Werken zu bemerken war.

Das Landesjugendorchester Baden-Württemberg (LJO) setzt sich aus ausgewählten Spielern und Preisträger des Wettbewerbs "Jugend Musiziert" im Alter von 15 - 22 Jahren zusammen, die aus allen Teilen Baden-Württembergs zusammenkommen um an den zwei mal jährlich stattfindenden Arbeitsphasen teilzunehmen. Durch jugendliche Spielfreude, intensives Erleben gemeinsamen Musizierens ebenso wie mit stilistisch ausgefeilten Interpretationen erspielte sich das LJO schnell einen festen Platz im Konzertleben des Landes Baden-Württemberg und darüber hinaus.

Die Konzerttermine: 28. März, 20.00 Uhr Laupheim 29. März, 19.00 Uhr Backnang 30. März, 17.00 Uhr Möglingen 31. Mai, 19.30 Uhr Mössingen 01.Juni, 19.00 Uhr Ulm

aus: NRWZ online
18.12.2007 Mahlers Fünfte ist spannender als jeder Krimi (Stuttgarter Zeitung)
01.12.2007 "Eine der schönsten Erfahrungen kann das Erlernen eines Instrumentes und das Spiel in einem Orchester sein" (BR Schulfernsehen)
Schulfernsehen online: Der SWR-Film "Erlebnis Jugendsinfonieorchester" zeigt Schülerinnen und Schüler, die sich engagiert auf ein Konzert vorbereiten. Es handelt sich allerdings nicht um "normale" Schüler, sondern um handverlesene, hochbegabte Ausnahmemusiker. Daneben gibt es zahlreiche Jugendliche, in deren Schulen ein regelmäßiger, fundierter Musikunterricht oft nur noch stark eingeschränkt stattfindet...

Wyneken: Es ist mehr als bedauerlich, dass in einem Land wie Deutschland der Musikunterricht in seiner ganzheitlichen Bedeutung an vielen öffentlichen Schulen nicht genügend berücksichtigt wird oder wegen des Mangels an ausgebildeten Lehrkräften ein Schattendasein führt. Hier werden wichtige Chancen vertan, Musik zu erleben oder zu vermitteln. Musik ist ein Lebenselixier, in dem wir Menschen uns über Jahrhunderte in der musikalischen Sprache verständigen und uns eng miteinander verbunden fühlen. Bach, Beethoven und Mahler oder auch die traditionelle Musik ferner Länder verraten uns die wichtigsten Gefühle, Erkenntnisse und Geheimnisse über das Leben, den Tod und das Jenseits.

Schulfernsehen online: Lässt sich durch die Präsentation Ihres elitären Jugendsinfonieorchesters im Schulfernsehen Interesse für klassische Musik wecken?

Wyneken: Der Begriff "klassische Musik" hat viele Missverständnisse ausgelöst. Er hat für Menschen, die unvorbereitet sind, den Geschmack des Elitären und Unnahbaren. Die Liebe zur Musik mit allen ihren Facetten ist ein tiefes Grundbedürfnis des Menschen, das in vielen Kulturen seinen ureigenen Ausdruck findet und die Phänomene des Lebens beschreibt. Die klassische Musik ist nur der Überbegriff für die europäische Musik-Kultur von 250 Jahren. Bei der klassischen Musik geht es ausschließlich um den gigantischen Schatz an Kompositionen genialer Meister, deren Inhalte wir immer noch entdecken und manche Visionen noch nicht erkannt haben.
Apropos elitär: Die jungen Musiker des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg gehören zwar einer Elite an und sind sich dessen bewusst, grenzen sich aber nur in seltenen Fällen überheblich von ihrer Umwelt ab. Im Gegenteil: Auffällig sind die schillernden Merkmale verschiedenartigster Persönlichkeiten, die mit allen natürlichen und typischen Reaktionen eines Jugendlichen ausgestattet sind. Allerdings fühlen sich die jungen Musiker durch das gemeinsame Interesse an der Musik und ihre überdurchschnittlich instrumentalen Fähigkeiten miteinander stark verbunden. Und dieses Gefühl von Verbundenheit ist einer der Gründe für die Motivation zu außergewöhnlichen Leistungen. Unsere begeisterten Spieler haben früh gelernt, sich hohen Anforderungen zu stellen. In unseren Konzerten bauen wir auf lebendige und mitreißende Gestaltung, die unter die Haut geht. Wir versuchen unseren Zuhörern eine musikalische Botschaft zu vermitteln und sie im Innersten zu treffen. Und hierin liegt eine der Möglichkeiten, Faszination auszulösen und Interesse zu wecken, die mehr bewirkt, als saubere Töne artig zu intonieren.
Um vertieftes Interesse an Musik bei Kindern oder jugendlichen Zuhörern zu wecken, braucht es in der Regel mehr als ein Konzert. Zwar können sich die Eindrücke auf jugendliche Zuhörer durch einen Orchesterauftritt mit Musikern gleichen Alters als äußerst wirkungsvoll erweisen, aber die langfristige Begeisterung für eine Sache ist in der Regel auch mit einer langfristigen Beschäftigung verbunden. Aufregende, komplexe und subtile Botschaften und musikalische Zusammenhänge über das Ohr zu erfahren, braucht eine Vorbildung, die im Einflussbereich der Eltern, der Lehrer und der Schulen liegt. Sie kann nicht "en passant" durch ein noch so begeisterndes Konzert ersetzt werden.
Dennoch ist die Begeisterung der Motor, am Ball zu bleiben und den Dingen auf den Grund zu gehen. Begeisterung kann sich ausbreiten wie ein Lauffeuer oder als Funke überspringen. Und oft wird der Funke durch Erlebnisse in der Kindheit, durch eine mitreißende Erfahrung in der Gruppe, mit Eltern, Freunden, Verwandten oder Lehrern entzündet.
Eine der schönsten Erfahrungen kann das Erlernen eines Instrumentes und das Spiel in einem Orchester sein. Ich behaupte, dass jedes Kind von Tönen und Rhythmus fasziniert ist. Man muss ihm nur die Chance geben. Die Erfahrung, sich mit einem Instrument auseinander zu setzen, Widerstände zu überwinden, mit den eigenen Händen und dem Atem Musik zu formen und gemeinsam mit anderen zu musizieren, ist überaus wertvoll.

Schulfernsehen online: Wie sollen Kinder aus sozial schwachen Familien, die in beengten Wohnverhältnissen leben, ein Instrument lernen?

Wyneken: Das ist eine berechtigte Frage. Öffentliche Schulen und Musikschulen sollten sich hier um eine Lösung bemühen. Die freien Kapazitäten von öffentlichen Gebäuden außerhalb des Schulunterrichts sollten mit genutzt werden. In vielen Schulen und im Rahmen des Projektes JeKi ("Jedem Kind ein Instrument"; http://www.jedem-kind-ein-instrument.org/ ) in Bochum wird das bereits praktiziert.

Schulfernsehen online: Viele Menschen glauben, "ernste Musik" sei nur etwas für ein reiferes Publikum. Blickt man in einen Konzertsaal, liegt der Altersdurchschnitt tatsächlich bei etwa 50 Jahren. Von sich aus hören wohl die wenigsten Jugendlichen klassische Musik. Haben Ihre Bemühungen angesichts dieser Umstände überhaupt eine Chance? Oder drastischer gefragt: Warum sollte man sich mit klassischer Musik überhaupt auseinandersetzen, wenn sie am Ende doch nur wenige von sich aus wirklich mögen? Wie antworten Sie auf den Vorwurf, klassische Musik sei lediglich das hoch subventionierte Reservat einer elitären Bildungsschicht?

Wyneken: Im Grunde genommen hat sich an der Tatsache der Subventionierung der Musikszene durch Jahrhunderte hindurch nichts verändert. Aber das gilt auch für Kunstgattungen anderer Sparten. Die Frage ist, ob sich die verantwortlichen Persönlichkeiten aus Politik und Bildung über die Folgen im Klaren sind, wenn wir dem Wert und den Wurzeln unserer Kultur nicht die entsprechende Beachtung schenken und diese widerstandslos der einseitigen Beeinflussung durch die Rock/Popp-Szene, dem Musikmarkt, der Berieselung (auch durch klassische Musik) und den Einschaltquoten der Medien überlassen.
Viele Menschen unserer Gesellschaft identifizieren sich mit kulturellen Werten und betrachten sie als Lebensgrundlage. Dabei hat die deutsche und europäische Musikkultur einen absoluten Wert, der international anerkannt ist und bewundert wird. Klassische Musik ist ein Schatz, den es zu hüten gilt. Und dieser Schatz misst sich weder an dem Altersdurchschnitt eines Publikums, noch an den frustrierenden Mühen mancher Musiklehrer mit der "widerspenstigen" Zielgruppe Jugendlicher.
In dieser Frage gilt es, auf eine sich verändernde Gesellschaft zu reagieren, weiter am Ball zu bleiben und Lösungsmodelle voran zu treiben. Und da gibt es beeindruckende Beispiele: Venezuela, ein Land, in dem 30 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben, ist zu einem Musterbeispiel sozialer Kulturarbeit geworden. Seit 25 Jahren existiert in Venezuela ein Netzwerk von Kinder- und Jugendorchestern. Neben der musikalischen Arbeit wird auch eine soziale Funktion erfüllt, indem Kindern und Jugendlichen, die zum Großteil aus sozial schwachen Familien stammen, eine sinnvolle Alternative der Freizeitgestaltung geboten wird. Unabhängig von sozialer Herkunft und Hautfarbe haben Kinder und Jugendliche hier die Chance, ein Instrument zu erlernen und in einem Orchester mitzuspielen. Der Unterricht ist dabei kostenlos (!), und die Organisation stellt den Teilnehmern die benötigten Instrumente zur Verfügung. Es gibt Orchester für Kinder im Vorschulalter (4-7 Jahre), Kinderorchester (8-14 Jahre) und Jugendorchester (15-25 Jahre). Neben dem individuellen Instrumentalunterricht erhalten die Teilnehmer außerdem Unterricht in Musiktheorie und Rhythmik. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Arbeit im Orchester. Ein zentraler Punkt ist die unmittelbare Orchestereinbindung. Vom ersten Tag an spielen die Kinder in einem Orchester ihrer Altersklasse, um das gemeinsame Musizieren so schnell wie möglich zu erlernen. Die positiven Erfahrungen zeigen, dass der musikalische Lernprozess dadurch beschleunigt und die Motivation der Kinder durch das Zusammenspiel gesteigert wird. In Venezuela leben heute Bevölkerungsgruppen der verschiedensten Traditionen mit ihren kulturellen Besonderheiten zusammen, wobei karibische, spanische, indianische und kreolische Einflüsse die Bausteine eines vielschichtigen und abwechslungsreichen Musiklebens sind. Ein Spitzenorchester aus Venezuela ist weltberühmt und beglückt die Menschen in ihren Konzerten - mit klassischer Musik.
Baden Württemberg hat sich innerhalb von 35 Jahren mit 219 Musikschulen und entsprechend vielen Orchestern und Musikgruppen jeglicher Couleur zu einem vorbildlichen Musikland mit der größten Musikschuldichte und einem begeisterten Publikum entwickelt. Inzwischen ist es nahezu unumstritten, dass die Beschäftigung mit Musik die Ausbildung wichtiger sozialer Kompetenzen unterstützt und die Persönlichkeitsentwicklung fördert. Ein Sinfonieorchester ist mit einer kleinen Gesellschaft vergleichbar, in der jeder Verantwortung übernehmen muss und eine Rolle spielt, beziehungsweise seine "Stimme" abgibt. Teamfähigkeit, Kreativität, Geduld, Disziplin, Konzentrationsvermögen und Verantwortungsbewusstsein können hier erlernt werden.

Schulfernsehen online: Wie glauben Sie, ein junges Publikum für die klassische Musik gewinnen zu können?

Wyneken: Ich träume von groß angelegten nationalen und internationalen Jugend-Festivals zwischen Klassik im weitesten Sinne, traditioneller Musik aus anderen Kulturen, Jazz, Rock, Tanz und Pantomime. Junge Menschen, Spieler und Hörer, sollen die Chance bekommen, sich gegenseitig mit ihren Künsten, unterschiedlichen Begabungen, nationalen Kulturen und Identitäten kennen zu lernen, schätzen zu lernen und hautnah zu erleben. Sie sollen die Chance haben, in die wunderbare Welt des musikalischen Ausdrucks, der Improvisation und der Bewegung einzutauchen, um Fantasie, Kreativität und den Wunsch nach Vielfalt in sich selbst zu entwickeln. Ich bin optimistisch, dass der Musik unserer Generation im wertvollsten Sinne, ein Wandel bevorsteht.

Schulfernsehen online: Wer sollte Vermittlerarbeit leisten, um junge Menschen an klassische Musik heranzuführen?

Wyneken: Eltern, Schulen und Medien sind gefragt, um nachhaltig Werte zu vermitteln, von denen sie selbst überzeugt sind.

Schulfernsehen online: Was muss sich an den Schulen ändern? Genügt es, den Schwerpunkt auf eine Musikerziehung à la Orff zu legen?

Wyneken: Da die Schulreform die Ganztagsschule ansteuert, werden in Zukunft die Freizeitaktivitäten, zu denen auch der individuelle Instrumentalunterricht zählt, in den schulischen Rahmen eingebunden werden müssen. Durch die notwendige Kooperation mit Instrumentallehrern der Musikschulen und Privatlehrern könnten neue Impulse gesetzt werden, die möglicherweise auch Einfluss auf die Mitschüler und den Pflichtunterricht haben. Schülerinnen und Schüler, die bis dahin kein Instrument in der Hand hielten, hätten die Möglichkeit, ein breiteres Bildungsangebot kennen zu lernen. Das Angebot würde sich nicht nur auf den frontalen Musikunterricht beziehen, sondern würde auch im Zusammenhang mit der individuellen Förderung auf dem Instrument und dem Spiel in Instrumentalgruppen einen neuen Horizont eröffnen.
Wichtig ist es, die Talentförderung besonders begabter Kinder durch herausragende Lehrer nicht aus dem Auge zu verlieren, ja zu berücksichtigen und zu unterstützen! Herausragende Begabungen brauchen viel Zeit, um sich täglich 2 bis 3 Stunden und mehr auf ihr Instrument zu konzentrieren. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die jungen Musikerinnen und Musiker nach dem Ende eines Schultages am späten Nachmittag noch in der Lage sind, erfolgreich und konzentriert zu üben, geschweige denn den Instrumentalunterricht (auch noch in einem Nachbarort?) mit wachen Sinnen aufzunehmen. Der Stundenplan der Ganztagsschule sollte großzügig für Freizeit sorgen.

Schulfernsehen online: Wie wichtig sind spezielle Projekte im Musikunterricht?

Wyneken: Projekte fordern und fördern die Spieler in ungeahnter Weise. Durch das Medium inhaltsreicher Musik werden besondere Kräfte in Gang gesetzt und beflügeln die Bereitschaft zur Leistung und die Fähigkeit, intensiv zu lernen. Das Gefühl, emotionsgeladene Musik in einer Gemeinschaft zu teilen und das Ergebnis im Konzert den Besuchern zu Gehör zu bringen, eröffnet - so wie ich es erlebe - zusätzlich Energie und öffnet ungeahnte Tore.

Schulfernsehen online: Ihr Jugendorchester funktioniert nur, wenn die Musiker/innen teamfähig sind. Bläser , Streicher , Schlagzeuger etc. sind aufeinander angewiesen, wenn sie etwas Gemeinsames schaffen wollen. Musik ist demnach ein "soziales Medium", das Menschen zusammenführt...

Wyneken: Durch das Gruppen- und Wir-Gefühl, im Verbund mit dem anspruchsvollen und spannenden Medium Musik, entsteht eine ungezwungene Leistungsbereitschaft. Es gibt mehrere Ebenen, auf denen Orchester und Dirigent miteinander kommunizieren und miteinander "spielen", wobei die nonverbale Ebene, das Hören und das Gefühl menschlicher Nähe einen wichtigen Anteil bilden. Ich halte sehr viel von einer angenehmen Umgebung, in der sich jeder wohl fühlen kann. Die inhaltlichen Angebote, die Wirkung der sinfonischen Musik selbst ermöglichen eine vorbildliche Probendisziplin, in der - mit einem Abenteuer vergleichbar - Spannung und Erwartung entstehen, wie und warum sich Musik durch Erarbeitung, Vertiefung und Perfektionierung der Komposition wandelt, seine Bedeutung zurückhält oder offenbart. Durch ernsten, spielerischen, humorvollen und bildhaften Umgang mit der Musik und den Musikern lässt sich Probendisziplin leicht vermitteln. Gemeinsame Konzertbesuche, Diskussionsrunden, aktive Einbindung in öffentliche Aufführungen, Anregungen zu unkonventionellen Experimenten wie freie Improvisation öffnen den Horizont. Die Musik bietet einen unendlich großen Raum für Träume und die Fantasie. Das Instrumentalspiel macht die Musik zur lebendigen Erfahrung zwischen Körper, Geist und Seele. Ich sehe es als Aufgabe an, Begeisterung und Anregung zu vermitteln, um in die Welt der Töne einzudringen, die uns so viel zu sagen hat und dennoch so viel verborgen hält.

Schulfernsehen online: Sind Wettbewerbe wie "Jugend musiziert" noch zeitgemäß?

Wyneken: "Jugend musiziert" erfreut sich einer ungebrochenen Attraktion und motiviert junge Musikerinnen und Musiker, ihre musikalischen Leistungen in der Öffentlichkeit vor einer Jury zu präsentieren. Musikschulen, Privatlehrer, Hochschullehrer und Interessenverbände unterstützen und fördern den Wettbewerb. Auch für weniger bekannte Instrumente oder neue Stilrichtungen gibt es eine Plattform. Selbstverständlich gibt es Begabungen, die sich nur ungern einem öffentlichen Wettbewerb stellen mögen und Konkurrenzdenken im Musikfach als unpassend empfinden. Das ist verständlich und sehr nachvollziehbar! Alle Wettbewerbe stehen in dem Zwiespalt, scheinbar gegensätzliche Kriterien wie Stilrichtung, individuellen Ausdruck, Zeitgeschmack, persönliche Reife und Perfektion miteinander zu verbinden. Deshalb sind Leistungen gerade bei jungen Musiker/innen, die sich in der persönlichen und musikalischen Entwicklung befinden, nicht immer einfach zu beurteilen.

Schulfernsehen online: Brauchen wir mehr große Events, Star-Rummel etc., um Interesse für klassische Musik zu wecken?

Wyneken: Massenveranstaltungen beeinflussen das Fühlen und das Denken. In einer Zeit, die sich auffallend an dem Einfluss der Medien, Events und Stars orientiert, gerät die klassische Musik ins Hintertreffen. Atze Schröder, Jan Delay&Disko Nr.1, Musikshow der Nationen, Dynamite Deluxe, Miami nights u.v.m. - das sind die Events, an denen sich die Masse des Publikums delektiert. Medien- und Massenveranstaltungen erfreuen sich einer ungeheuren Breitenwirkung. Die Infiltration schreitet weiter voran. Der erfolgreiche Wirtschaftsfaktor eines Musikimperiums reitet auf dem Wellenkamm einer seichten und anspruchslosen Musikdroge.

Schulfernsehen online: Überrollt die Welle einer gesättigten Gesellschaft die klassische Musik?

Wyneken: Das wird die Zukunft zeigen. Derweil baue ich auf den Geist der jungen Generation. Eines Tages wird der Wellenkamm zum Wellental - und umgekehrt. Daran müssen wir arbeiten.
10.11.2007 Peitsche im Walzertakt (Stricker/Schwäbisches Tagblatt)
10.11.2007 Preisträgerinnen spielen schwierige Werke der Romantik (Leonberger Zeitung)
Konzert mit Sabine Kronberger und Annika Ramin-Wright -Leonberger Musikpreis - Technisch brillantes Spiel

LEONBERG. Unglaublich, wie viel Kraft in diesen Jugendlichen steckt: Für den 24. Leonberger Musikpreis bedanken sich die Gewinner mit einem dreistündigen Konzert. Sie tun es mit so viel Tiefe und Leidenschaft, dass es Zuhörer auf angenehme Weise erschöpft.

Von Gabriele Müller

In diesem Jahr sind die 16-jährige Geigerin Sabine Kronberger und die 14-jährige Pianistin Annika Ramin-Wright ausgezeichnet worden. Sie erhalten eine Studienförderung in Höhe von jeweils 5000 Euro und verpflichten sich, bei öffentlichen Konzerten mit dem Landesjugendorchester solistisch aufzutreten. Vor kurzem haben sie in der Leonberger Stadthalle die Violinsonate Nr. 3 in c-Moll von Edvard Grieg gespielt und damit das Publikum und ihren Laudator Reinhard Dechow nachhaltig beeindruckt.

Vor allem im ersten Satz gehen sie mit der ersten Note furchtlos in die Musik, die so rein gar nichts zu tun hat mit Jungmädchenträumerei, sondern die ernst und mächtig ist. Fest und sicher stellen sie die Töne in den Raum: intensiv und genau dosiert. Selbst leisere, lyrische Stellen klingen bemerkenswert unsentimental. Beim zweiten, langsamen Satz ist die in Musik gegossene Zärtlichkeit wie eine Knospe, welche die Schönheit der Blüte zwar erahnen lässt, sie jedoch noch nicht vollständig offenbaren kann. Immer wieder scheint Mollmelancholie auf. Ihr geben die beiden jungen Frauen mit viel Authentizität ein hinreißendes Gesicht.

Technisch sind beide brillant, und das ist umso schöner, als sie ebenso alleine vollkommen in ihrer Musik aufgehen als auch gemeinsam aufs Schönste ein organisches, musikalisches Miteinander zeigen. Reichlich Gelegenheit zur Präsentation ihrer virtuosen Fertigkeiten bieten der dritte Satz Allegro Animato sowie die Zugabe Introduktion und Tarantella von Pablo de Sarasate. Dass sie noch so jung sind, rückt da zeitweise vollkommen in den Hintergrund.

Nachdem Reinhard Dechow vonseiten der Sponsoren Bosch, Wüstenrot und Lewa mit einer humor- und respektvollen Rede die Preise überreicht hat, bedankt sich der Direktor des Landsjugendorchesters, Detlef Hartmann, für die Kontinuität der Förderung, die das hohe Niveau ermögliche - 3000 Euro gehen an den Landesverband der Musikschulen zur Förderung einer Orchesterreise.

Ehe jedoch am Mittwoch die Sinfonie Nr. 5 cis-Moll von Gustav Mahler unter Leitung von Christoph Wyneken erklingt, sehen die Zuschauer einen Film. Mitglieder des Landesjugendorchesters erzählen darin von ihren Erfahrungen mit diesem schwierigen Werk der Spätromantik. Einer fühlt sich, als werde er "von einem Loch in ein anderes geworfen". Ein Mädchen empfindet es wie ein Meer mit Wellen und sagt, dass sie manchmal das Gefühl habe, als ob sie nicht mehr weiterspielen könne. Ein Junge findet es "krass", dass durch die Musik erfahrbar wird, wie der Komponist Gustav Mahler vor hundert Jahren gefühlt hat.

Wie sehr sich die Jugendlichen mit dem Werk auseinandergesetzt haben, wird mit dem Beginn des ersten Satzes deutlich: Mit voller Wucht schleudern sie die Klanggewalt des spätromantischen, sinfonischen Klangkörpers in den Äther, lassen die Töne dann in unsagbarer Trauer schleppen, als trügen sie Bleikugeln an den Füßen; später entfesseln schnarrende Blechbläser giftige Musikfetzen, zwischen denen einige ganz liebliche Momente aufscheinen.

Die Spannung steigt dabei manchmal ins Unerträgliche. Bravourös meistern die Hornisten ihren Part im Scherzo, in dem sie mit sanfter Ruhe aufgewühlte Verzweiflung auflösen. Wunderschön schwebt der vierte Satz fast überirdisch in mildem Licht, verträumt und in sich versunken, ehe wieder das Unheil im Bass zu brodeln beginnt und unendlicher Schmerz hervorbricht. Die Musik stößt in Abgründe und lässt auf Wolken segeln. Im Schlusssatz geht"s zur Jagd mit Hornklang, Vogelz
09.11.2007 5. Mahler-Sinfonie in der Stadthalle (Tuttlinger Zeitung)
Endlich wieder einmal ein Sinfoniekonzert in der Stadthalle! Nur ein Werk stand auf dem Programm des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg unter Christoph Wyneken: die 5. Sinfonie (1901-03) von Gustav Mahler. Die jugendlichen Spieler des Orchesters hatten sich diese leidenschaftliche eineinhalbstündige Musik gewünscht. Darf sich ein Jugendorchester an diese große Musik wagen? Es darf! Mit großer Vehemenz spielten die über 100 Musiker/innen, allein 18 erste und 16 zweite Violinen und 7 Hörner, dieses Riesenwerk.

Mahler wuchs neben einer Kaserne auf und so gehörten Trompetensignale zu seinen frühesten Erinnerungen. Und so beginnt er diese Sinfonie mit einem Trompetensignal, das zugleich zu einem Hauptmotiv des ersten Satzes wird. Plötzlich dann Turbulenzen, wildes Entsetzen, doch wieder volksliedhafte Friedensidylle, auch Trauer noch. Das Trompetensignal führt die Flöte zum Schluss hoch zum Himmel.

Gustav Mahler war immer vom Leben berührt und hin- und hergerissen. Seine Musik ist Lebensschilderung. Der zweite Satz "Mit großer Vehemenz" ist ein wildes Inferno. Doch auch Märchenhaftes ist ihm nicht fremd. Der dritte Satz, ein Scherzo, ist, als schritt ein gewaltiger Riese übers Gebirge, dazwischen wirkte ein Pizzicato der Streicher wie das Trippeln von Zwergen. Den Solohornisten für diesen Satz holte der Dirigent nach vorne, der dann für seine Leistung am Schluss Sonderapplaus bekam.

Der vierte Satz, das atmosphärische Adagietto für Streicher und Harfe, mit dem Thema des Rückert-Liedes "Ich bin der Welt abhanden gekommen", wurde durch Viscontis Film "Tod in Venedig" berühmt und wurde auch hier sehr berührend. musiziert. Der vor Heiterkeit übersprudelnde fünfte Satz endet mit einem gewaltigen Choral.

Eine Hörerin meinte "Wie kann Mahler da noch weiter komponieren, er hat ja hier alles über das Leben gesagt!" Dies alles wurde von den jungen Musikern mit großer Begeisterung lebensnah musiziert, von Christoph Wyneken immer aufs Neue angeheizt, und diese Begeisterung übertrug sich auf die vielen Hörer in der fast vollbesetzten Stadthalle und sie entlud sich in langanhaltendem Beifall.
06.11.2007 Wohlklang von Piano bis Forte (Oberbadische Zeitung)
Wohlklang von Piano bis Forte

Landesjugendorchester mit Mahlers Fünfter im Burghof / Fulminanter Klang
Von Gottfried Driesch Lörrach.

Was für eine Herausforderung, der sich das Landesjugendorchester (LJO) unter dem Gründer und Leiter Christoph Wyneken da gestellt hat! Die 5. Sinfonie von Gustav Mahler gehört zu den Orchesterwerken, an die sich nur die ganz großen Orchester im Land herantrauen. Mit Bravour meisterten die vielen jungen Musiker im Konzert am Sonntag im Burghof diese Aufgabe.

Das Landesjugendorchester wurde 1972 von Christoph Wyneken ins Leben gerufen. Wyneken versammelt darin fortgeschrittene junge Musiker im Alter von 15 bis 22 Jahren, um mit ihnen herausragende Werke der Musikliteratur zu erarbeiten. Mit der 5. Sinfonie von Mahler hat sich der Dirigent eines der anspruchsvollsten Werke der Musikliteratur ausgesucht. Es stellt höchste Anforderungen an die Konzentration, das Durchhaltevermögen und die Gestaltungskraft eines jeden einzelnen Musikers. Das fünfsätzige Werk dauert 70 Minuten und wird ohne Pause gespielt. Das LJO hat diese Sinfonie in zwei Arbeitswochen im August und Ende Oktober erarbeitet. In einer kleinen Tournee werden jetzt sieben Konzerttermine im Land wahrgenommen.

Christoph Wyneken kann aus dem Vollen schöpfen. Rund 100 Musiker füllen dicht gedrängt die nach vorne erweiterte Bühne des Burghofs. Die Besetzung, die der Komponist vorgesehen hat, liest sich imposant: vier Flöten, drei Oboen, vier Klarinetten, sechs Hörner, vier Trompeten, drei Posaunen. Dazu kommen die Streichergruppen, die teilweise mit zwanzig Musikern besetzt waren. Besonders die Streicher waren es, die mit ihrem fulminanten Klang im Burghof das Werk trugen. Wohlklang vom Piano bis zum Forte. Wyneken hatte sich viel Mühe mit der perfekten Einstudierung gegeben. Mit ausgeprägter Dynamik und hervorragenden Übergängen präsentierte er die Sinfonie wie aus einem Guss. Schwelgerisch klang der zweite Satz, wobei der Satztitel Stürmisch bewegt, mit größter Vehemenz sehr plastisch umgesetzt wurde. Im dritten Satz Scherzo. Kräftig, nicht zu schnell setzte das Orchester die tänzerischen Elemente mit der erforderlichen Leichtigkeit um.

Christoph Wyneken hatte stets die volle Kontrolle über den Klangkörper. Mit exakter Zeichengebung ohne übertriebene Bewegungen meisterte er jeden Tempowechsel. Immer wieder baute er die Spannungsbögen neu auf und führte den Klang zu neuen Höhepunkten. So braucht das LJO keinen Vergleich mit manch professionellem Orchester fürchten. Die Zuhörer im gut besetzten Burghof waren begeistert und riefen durch langen Applaus den Dirigenten immer wieder auf die Bühne.
06.11.2007 Grandioses Herbstkonzert des Landesjugendorchesters (Adelsheimer Zeitung)
Die Große Aula des Eckenberg-Gymnasiums in Adelsheim hat in der 40-jährigen Geschichte der Konzertgemeinde schon viele große Konzerte erlebt und das Adelsheimer Publikum ist verwöhnt und zur Kennerschaft gereift. Und dies nicht zuletzt dank der vielen hervorragenden Konzerte des Landesjugendorchesters. Es ist seit Jahren ein fester Begriff für die Freunde anspruchsvoller Konzertmusik. Kein Wunder daher, dass sie am Samstagabend in Scharen kamen, um den Klängen "ihres" Landesjugendorchesters zu lauschen.

Die Pressevorschau hatte auch entsprechende Erwartungen geweckt. Und man war gespannt, ja manche der Konzertabonnenten sahen dieser Aufführung gar mit gemischten Gefühlen entgegen, stand doch nur ein einziges Werk auf dem Programm. Und das stammte auch noch von Gustav Mahler, den viele nicht kannten, dessen Musik ja auch Jahrzehnte lang nicht gespielt worden war und, weil sie "modern" ist und ungewohnt, so manchem nicht geheuer schien.

Diese Skepsis und die anfänglichen Bedenken erwiesen sich bald als unbegründet und wichen gespannter Aufmerksamkeit und wachsendem Interesse. War schon allein die Größe des 103 Musiker umfassenden Klangkörpers überwältigend, so übertraf die Fülle des Klanges alle Erwartungen. Die Zuhörer fühlten sich bald in einem rauschenden und betörenden Meer von Klängen. Die hervorragende Akustik der Aula ließ bald vergessen, dass man sich in einer Sporthalle befand.

Christoph Wyneken und das von ihm geschaffene Landesjugendorchester haben sich in den vergangenen 35 Jahren schon mit vielen großen und schwierigen Werken auseinandergesetzt - und dies mit großer Bravour. Doch die "Symphonie Nr. 5 in cis-Moll" von Gustav Mahler dürfte das bisher schwierigste und anspruchsvollste gewesen sein, an das man sich heranwagte.

Gustav Mahlers ganzes Schaffen trägt, wie wir wissen, bekenntnishafte Züge. Er sah in der Lebenserfahrung - und die seine trägt harte Züge - eine prinzipielle Voraussetzung für sein künstlerisches Schaffen. Er glaubte fest an eine Übereinstimmung von Leben und Musik und bekannte, er habe "noch nie auch nur eine Note geschrieben, die nicht absolut wahr" sei. So finden also Lebenserfahrung und Weltanschauung des Komponisten, ja die gesellschaftliche Wirklichkeit seiner Zeit, der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, ihren unmittelbaren Ausdruck vor allem in seinen großen Kompositionen. Er schildert sein und der ganzen Menschheit Leid in unzähligen Varianten, peitschenden Rhythmen und schrillen Dissonanzen. Auf diese Weise versucht er, seine Umwelt aus ihrer Lethargie aufzurütteln.

Das wird in der aus fünf Sätzen bestehenden, 1904 uraufgeführten, 5. Sinfonie sehr deutlich.

Der 1. mit einem Trompetensolo eingeleitete Satz ist ein schwerer Trauermarsch. Die tragische Spannung des Geschehens wird durch ein Zwischenspiel von Kontrastmusiken, die der Trauer der Schreitenden den Schmerz des sich aufbäumenden Individuums entgegenzuhalten scheinen, verstärkt. Ein einsames Trompetensignal, von der Flöte wiederholt, schließt diesen hochdramatischen Satz.

Im 2. Satz erleben wir eine hochtumultuarische Durchführung des Themas des ersten Satzes. Es dominiert das Chaotische, das Böse. Lediglich ein Bläserchoral weist über die zerklüfteten, sich oft verändernden und neu kombinierten Motive hinaus. Man gewinnt den Eindruck wilder Zerrissenheit. Um so überraschender dann das Ausbrechen eines strahlenden Trompetenchorals, dem allerdings wenig später schon wieder Phasen des Zusammenbruchs und der Depression folgen.

Der Tragik dieser beiden Sätze stellt sich im 3. Satz das Bekenntnis zur Natur und zum einfachen Landleben entgegen: Ländler- und Walzerweisen herrschen vor. In zwei Episoden des solistisch geführten Horns - übrigens hervorragend sauber geblasen! - scheint der Spieler jeweils vor der Wiederkehr der Scherzo-Reprisen seinen eigenen Echos nachzulauschen.

Im kantablen 4. Satz pausieren alle Bläser und überlassen das Geschehen allein der Harfe und den Streichern. Der Satz stellt wohl eine Liebeserklärung an Mahlers Frau Alma, die er in der Entstehungszeit kennenlernte, dar. Als vieldiskutierte Filmmusik zu Viscontis Thomas-Mann-Verfilmung "Der Tod in Venedig" hat er eine gewisse Popularität erlangt.

Im 5. Satz werden Trauer und Resignation überwunden. Er steigert sich zu einer tongewaltigen, grandiosen Schlussapotheose.

Das Wagnis des Orchesters hat sich gelohnt, es zeigte sich dieser gewaltigen Herausforderung durchaus gewachsen, ja es wuchs über sich selbst hinaus unter Christoph Wynekens einfühlsamer, aber, wo es nötig war, auch energischer Stabführung. Die nicht wenigen technisch sehr schwierigen Passagen wurden mit Bravour bewältigt. Hier wurde nicht nur technisch perfekt und ausgefeilt gespielt, man merkte es den Spielern vielmehr an, spürte es förmlich und konnte es mit den Augen verfolgen, dass diese jungen Musiker was sie spielten auch durchlebten, geistig verarbeitet hatten. Derartige musikalische Sensibilität kommt jedoch nicht von ungefähr, sie fliegt einem nicht zu. Hier ist seitens des Dirigenten und der ihn unterstützenden Dozenten während der zwei dem Konzert vorangegangenen Übungs- und Arbeitsphasen hervorragende Arbeit geleistet worden. Ist es ihnen doch gelungen, die Mädchen und Jungen des Ausnahmeorchesters in Mahlers geistiges Ringen einzuführen und sie so zu befähigen, das schwierige Werk so großartig zu interpretieren, dass es auch ein Berufssinfonieorchester kaum besser hätte machen können. Dies spürte das Publikum, welches in atemloser Spannung das fast 1 1/2-stündige Konzert - es wurde ohne Pause gespielt - verfolgte.

Dann aber löste sich die Spannung und die Begeisterung brach sich Bahn, und ein schier nicht enden wollendes Beifallsgewitter mit Bravo-Rufen brach los. Es war ein wahrlich verdienter Beifall für diese exzellente Leistung.
06.11.2007 Bekenntnisse eines Romantikers (Badische Zeitung)
Das Landesjugendorchester spielte im Lörracher Burghof

Die Frage, ob die jungen Musikerinnen und Musiker Gustavs Mahlers symphonisches Riesenwerk wohl "packen" werden, war in ihrer Besorgnis verständlich - und zugleich falsch gestellt, denn wichtiger als ob sie es "packen" , ist die Frage, ob er, Mahler, sie "packt" . Und das war der Fall, wie das Konzert am frühen Sonntagabend im Lörracher Burghof bewies. Diese Musiker haben - dank ihrer "späten Geburt" - die Unbefangenheit, Mahlers symphonische Musik nicht mehr unter dem Verdikt Theodor W. Adornos zu verstehen, sondern als Bekenntnis eines Komponisten, der, wie Martin Geck schreibt, "sich auf den Ozean begibt, der zwischen den festen Kontinenten der Systeme liegt - einmal im Hochgefühl, von den Wogen getragen zu werden, ein anderes Mal wie ein Schiffbrüchiger, sich kaum über Wasser haltend."

Gustav Mahler ist, so verwegen das klingt, der letzte Nachfahre der Romantik, die, wie Friedrich Schlegel notierte, "die Poesie zur Prosa befreit." Mahler zerstört bewusst und erstmals kommentarlos in der 5. Symphonie die Beethovensche Aufhebung des Subjekts im strengen Ordnungsgefüge der objektivierten Form. Noch einmal Geck: "Der Künstler steht nicht mehr länger über dem Werk, er ist ein Teil des Werkes" und entäußert sich darin mit all seinen Leiden, Freuden, Träumen, Enttäuschungen und Widersprüchen. In diesem Verständnis werden die Ländler, Lieder, Märsche und Choräle zu gewollten Ausdrucksformen eines "gezeichneten Ichs." Die jungen Musiker haben den Geist der Musik verstanden.

Die Musiker des Jugendorchesters begreifen intuitiv diese collagierte Musik, das gleichrangige Nebeneinander des Hohen und Niederen, des Sublimen und Banalen, des Verinnerlichten und Veräußerlichten. Mag am Sonntag in ihrem Spiel dieses und jenes zu bekritteln sein, in einem überzeugten sie: Sie haben den Geist dieser Musik verstanden und machen ihn mit ihrem sicheren Können und hellwachen Engagement hörbar. "Es ist durchgeknetet, daß auch nicht ein Körnchen ungemischt und unverwandelt bleibt. Jede Note ist von der vollsten Lebendigkeit und alles dreht sich im Wirbeltanz" sagte Mahler über die "Fünfte" zu Natalie Bauer-Lechner. Dass die Musiker dieses Durchgeknetete spieltechnisch souverän schafften, bewiesen sie von Beginn an, gipfelnd im Ungetüm des Scherzo; bravourös der Solohornist Lars Bausch. Dass sie es auch musikalisch meisterten - beeindruckend homogen der Streicherklang und das Spiel der Harfenistin Nicole Müller im Adagietto - , ist ein Geschenk ihrer Jugendlichkeit.

Was wir Alten gelegentlich beklagen, die jugendliche Unbekümmertheit gegenüber hierarchischen Ordnungssystemen, hier wurde sie zum unschätzbaren Vorzug und machte ihr Spiel hörenswert. Das Thema "Romantik" ist wieder "in" , das beweist der Erfolg von Rüdiger Safranskis Romantik-Buch. Sie scheint den "Nerv" der Zeit und der Jugend zu treffen, und es hörte sich an, als begriffen diese jungen Musiker ganz selbstverständlich, was Mahler in einem Brief vom 26. März 1896 schrieb: "Mein Bedürfnis, mich musikalisch-symphonisch auszusprechen, beginnt erst da, wo die dunklen Empfindungen walten, an der Pforte, die in die andere Welt hineinführt; die Welt, in der die Dinge nicht mehr durch Zeit und Ort auseinanderfallen." Zum Schluss sei Christoph Wyneken der Lorbeer in seinen inzwischen weiß gewordenen, doch immer noch dichten Dirigentenhaarschopf gesteckt. Er schafft es immer noch wie ehedem, junge Musiker zu begeistern und diese Begeisterung in deren Spiel hörbar zu machen. Auch darum war es ein so beeindruckendes Konzert.

Nikolaus Cybinski
03.11.2007 GALA / BENEFIZ-VERANSTALTUNG IM FORUM LUDWIGSBURG MIT HOCHKARÄTIGEN AKTEUREN (Bietigheimer Zeitung)
Exquisites Programm für eine gute Sache

Die Darbietungen mehrerer Künstler bringt der Karlshöhe 35 000 Euro Spendengelder ein

Rundum zufrieden präsentierten sich Veranstalter, Künstler und auch das festlich gewandete Publikum bei der Benefiz-Gala zugunsten der Karlshöhe Ludwigsburg im Forum am Schlosspark. Hier kam jeder in seiner Weise durch die Darbietungen auf seine Kosten.

Für die jungen Nachwuchstalente des Landesjugendorchesters und der John Cranko-Schule gab es einen Auftritt in festlicher Atmosphäre, den Zuschauern wurde mit dem Bariton Michael Volle und den Solisten des Stuttgarter Balletts Unterhaltung auf höchstem Niveau geboten und für den Freundeskreis der Karlshöhe kamen stolze 35 000 Euro zusammen.

Zur Eröffnung des Gala-Programms spielte das Landesjugendorchester zwei Sätze aus Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 5. Hier wie auch in allen weiteren Stücken zeigte sich die hohe Qualität des Orchesters, das seit 30 Jahren von Christoph Wyneken geleitet wird. Das Großaufgebot an Nachwuchsmusikern - allein die Streichergruppe war rund 70 Bogen stark - demonstrierte konzentriertes und nuancenreiches Arbeiten an der anspruchsvollen Konzertliteratur unter dem ausladenden Dirigat ihres Leiters. Mit bewundernswerter Präzision wurden die zahlreichen Soli in den Bläsergruppen gemeistert, während im Tutti den wechselvollen dramatischen Stimmungen mit viel Empathie nachgespürt wurde.

Als Gastdirigent leitete Wolfgang Gönnenwein vier Opernarien, derer sich Michael Volle annahm. Mit seinem warm tönenden Bariton entführte er durch seine lebensnahe Gestaltung der Arien direkt in das Operngeschehen hinein. Mit sichtbarem Wohlbehagen stand Gönnenwein dem jugendlichen Orchester vor, während sein Dirigierstock mehr folgend als führend mal wilde Tänze vollzog, dann wieder anmutig den zarten Klängen der Harfe nachhing.

Zu einem Podiumsgespräch bat Wieland Backes die beiden Schirmherrinnen der Benefiz-Veranstaltung, bevor sich der Abend dem Ballett zuwandte. Als Ehrenmitglied des Beirats des Karlshöhe-Freundeskreises begrüßte er Mathilde von Waldburg-Zeil. Sie unterstützt die Karlshöhe, die von ihren Vorfahren König Karl und Königin Olga vor 130 Jahren gegründet wurde, nicht nur mit ihrem wohlklingenden Namen, sondern auch durch Rat und Tat als Initiatorin der Gala. Ihr zur Seite steht dabei Marie Luise Köhler, die Gattin des Bundespräsidenten. Sie engagiert sich seit 2005 als Schirmherrin für die Karlshöhe und sieht dies als Tribut an ihre Heimatstadt.

Tatkräftige Solidarität

In gewohnter Nonchalance plauderte Backes mit seinen Gästen. So kam man vom Wetter über Adelsgenealogien zur tatkräftigen Solidarität mit den hilfsbedürftigen Menschen, denen dieser Abend gewidmet war. "Wir wollen nur Ihr Bestes nämlich Ihr Geld!", lautete augenzwinkernd Backes Spendenaufruf für die soziale Einrichtung, die sich vorrangig älter werdenden Menschen mit einer geistigen Behinderung widmet.

Mit strahlenden Minen verkündete die Prominenz alsdann den Spendenerlös des Abends. Auch kleine Seitenhiebe konnte sich Wieland Backes sehr zur Belustigung des Publikums nicht verkneifen: "Die Demokraten haben die Macht, der Adel hat Geheimnisse." Höchstleistungen präsentierten anschließend die Solisten des von Backes als Exportschlager anmoderierten Stuttgarter Balletts. Drei Pas de deux aus Ballettchoreografien von John Cranko rührten und begeisterten das Publikum gleichermaßen. Rührend und mitreißend waren ebenfalls die Auftritte der Eleven der John-Cranko-Schule, deren Choreografien durch eine raffinierte Mischung aus Etüdenhaftem und witzigen Brechungen bestachen.

Gänseleberpastete im Schokoladenmantel und mundgerechte Maultaschenhäppchen hielten die Miniköche beim abschließenden Empfang hinter der Bühne bereit für all diejenigen, die nach dem gut zweieinhalbstündigen Programm auf eine kulinarische Stärkung aus waren. Der Speisezettel fasste so bestens den Geist der Benefiz-Gala zusammen: gleichermaßen bodenständig und exquisit.

VON CLARISSA SODER
03.11.2007 Am besten immer nur das Beste wollen (Marbacher Zeitung)
Bravo-Rufe ertönten an diesem Abend mehr als einmal: Sämtliche Mitwirkenden bei der Karlshöhe-Benefizgala begeisterten die fast 1200 Zuschauer mit ihren professionellen Darbietungen. Einziger Wehrmutstropfen: die bei einer Gala üblichen kurzen Programmpunkte waren fast zu schnell vorbei.

"Die Karlshöhe hat gerufen, und Sie sind alle gekommen", begrüßt Nachtcafé-Moderator Wieland Backes die Zuschauer. Und tatsächlich, es sind viele gekommen, fast jeder Platz ist besetzt. So sind es stolze 35 000 Euro, wie Eva Luise Köhler später verkünden wird, die an diesem Abend für die Karlshöhe zusammengekommen sind. Zu verdanken ist dies aber nicht nur den Zuschauern, sondern vor allem den hochkarätigen Künstlern, die allesamt auftreten, ohne eine Gage dafür zu verlangen. Da ist zunächst das Landesjugendorchester unter der Leitung von Christoph Wyneken. Strahlend erklingt das Bläsermotiv zu Beginn der Sinfonie Nr. 5 in Cis-Moll von Gustav Mahler, von der die Musiker in großer Besetzung den ersten und den vierten Satz spielen. Die jungen Künstler produzieren ausnahmslos einen wunderbaren Klang - vom ersten Takt bis zum dramatischen Crescendo am Ende des vierten Satzes.

Souverän zeigen sie sich auch bei der Begleitung des Star-Baritons Michael Volle, diesmal unter der Leitung von Wolfgang Gönnenwein. Michael Volles voluminöse, weiche Stimme würde schon alleine den ganzen Saal bis in den letzten Winkel füllen. Seine Präsenz auf der Bühne zieht auch die Zuschauer in den hintersten Reihen in ihren Bann. Jetzt kommen die Tänzer auf die Bühne. Solo-Ballerina Katja Wünsche vom Stuttgarter Ballett verzaubert das Publikum gleich zweimal: Mit Evan McKie tanzt sie einen Pas de Deux aus Tschaikowskis "Onegin", und mit Jason Reilly präsentiert sie die Balkonszene aus "Romeo und Julia". Allein hier will der Applaus schon nicht enden. Im Anschluss tanzen Linda Wasdoorp und Evan McKie ein Pas de Deux aus Tschaikowskis "Schwanensee" - mit ihrer grazilen, aber zerbrechlich wirkenden Anmut tanzt Linda Wasdoorp den weißen Schwan nahezu perfekt. Und schließlich ist der Nachwuchs dran: Schüler der John-Cranko-Schule zeigen eine Choreographie zu Vivaldis "L´Estro Armonico". Der abschließende "Irische Tanz", präsentiert von den jüngsten Cranko-Schülern, reißt mit seinem fröhlichen Rhythmus die Zuschauer fast vom Sitz. Sie honorieren es: langer Applaus und Bravo-Rufe. Dass die alle so hervorragenden Auftritte nicht enden mögen, mag so mancher Zuschauer im Stillen hoffen - doch unerbittlich schließt sich der Vorhang.
03.11.2007 Am besten immer nur das Beste wollen (Marbacher Zeitung)
Viel Benefiz für die Ludwigsburger Karlshöhe - Ausverkaufte Gala mit vielen Künstlern im Forum

Ludwigsburg. Der Freundeskreis der Karlshöhe hatte gerufen, viele kamen: Die Benefiz-Gala im Forum mit hochkarätigen Künstlern war ausverkauft. Für die Einrichtung, die sich um benachteiligte Menschen kümmert, kamen fast 40 000 Euro Spendengelder zusammen.

Von Petra Mostbacher-Dix

Er nahm kein Blatt vor den Mund. "Wie sie wissen, wollen wir nur Ihr Bestes: Wir wollen Ihr Geld", klärte Wieland Backes zur Begrüßung am Donnerstagabend die Zuschauer im ausverkauften Forum Ludwigsburg lächelnd auf. Dem Nachtcafé-Moderator wurde dies freilich nicht übelgenommen, immerhin ging es um einen guten Zweck. Backes moderierte die Benefiz-Gala zugunsten der Karlshöhe Ludwigsburg. Geladen hatte dazu der Freundeskreis der Institution des Diakonischen Werks Württemberg, die sich um benachteiligte Menschen kümmert. Zurzeit werden auf der Karlshöhe rund 600 Menschen zwischen drei und 101 Jahren betreut - Kinder und Jugendliche, älter werdende Männer und Frauen, behinderte Menschen und ehemals wohnungslose Menschen.

Um zu helfen, ließen sich auch die Frau des Bundespräsidenten, Eva Luise Köhler, und ihre Königliche Hoheit Mathilde Erbgräfin von Waldburg-Zeil gerne vor den Spendenkarren spannen. Köhler ist Schirmherrin der Karlshöhe, die Erbgräfin - eine Tochter aus dem Hause Württemberg - übernahm mit ihr nicht nur die Schirmherrschaft des Abends, sondern war Initiatorin der Benefiz-Gala. Im Gespräch mit Wieland Backes vermeldeten beide denn auch sichtlich stolz, dass rund 35 000 Euro für die Karlshöhe zusammengekommen waren. Frieder Grau, der Direktor der Karlshöhe, sprach gestern gar von bis zu 40 000 Euro. "Für so einen Zweck helfe ich von Herzen gerne", sagte die Erbgräfin von Waldburg-Zeil. "Die Menschen auf der Karlsruhe sind glücklich, die Atmosphäre ist herzlich."

Das bestätigte auch Eva Luise Köhler. Viele hätten dort eine Heimat gefunden, sagte sie. Die gebürtige Ludwigsburgerin erzählte schmunzelnd, wie sie als Schülerin die Institution von innen kennengelernt habe. "Wir konnten mithelfen. Ich habe einen Samstagvormittag lang dort Kartoffeln geschält, sie können mir glauben, danach konnte ich schälen", sagte sie.

Besonders glücklich waren die Schirmherrinnen, dass für die Gala außergewöhnliche Künstler gewonnen wurden, die trotz Terminstress ehrenamtlich auf der Bühne standen. Die Kulturmanagerin und Organisatorin Brigitte Stephan hatte denn auch ein sehenswertes Kaleidoskop aus Konzert, Oper und Ballett zusammengestellt. So eröffnete das Landesjugendorchester Baden-Württemberg den Abend unter den Taktschwüngen ihres Leiters Christoph Wyneken mit einer mitreißenden Interpretation des ersten und vierten Satzes der Sinfonie Nr. 5 von Gustav Mahler. Danach verzauberte der Bariton Michael Volle, der just seinen Einstand bei den Bayreuther Festspielen gab, mit dem Preislied des Wolfram von Eschenbach aus Richard Wagners Tannhäuser, zwei Arien aus Giuseppe Verdis Don Carlos sowie einer Szene aus Peter Tschaikowskys Onegin.

Ebenfalls einen Pas de deux aus John Crankos berühmtem Handlungsballett Onegin tanzten ausdrucksstark die Erste Solistin des Stuttgarter Balletts Katja Wünsche und der Solist Evan McKie. Mit ihrem Kollegen, dem Ersten Solisten Jason Reilly, begeisterte sie in der legendären Balkonszene aus "Romeo und Julia", während McKie und seine Partnerin Linda Waasdorp im Liebes-Pas-de- deux aus Schwanensee brillierten. Auch die Akademiestudenten und die Schüler der John-Cranko-Schule waren mit von der Partie: Gewitzt gaben die Teenager Crankos "L"Estro Armonico", während die Kleinen beim großen Finale mit Verve im "Irischen Tanz" über die Bühne hüpften. Wie sagte eine Besucherin hingerissen? "Allein dafür hat sich der Abend gelohnt."

Gelohnt hat sich der Abend auch für die Karlshöhe. Die Benefizgala war bisher die größte Spendensammelaktion in dieser Form. Der Erlös dient zur Finanzierung eines Anbaus zur Tagesbetreuung von Senioren mit geistiger Behinderung. Das Projekt ist mit 1,2 Millionen Euro veranschlagt, davon muss die Karlshöhe 60 Prozent aufbringen. Mit dem Bau soll im Frühjahr begonnen werden. Dieser Anbau ist für die ehemaligen Beschäftigten der Karlshöher Werkstätten gedacht. "Wenn sie in den Ruhestand gehen, fallen sie oft in ein Loch, weil es keine Betreuung mehr für sie gibt", erklärt Frieder Grau.
31.10.2007 Junge Elite spielt groß auf (Badische Zeitung)
14.05.2007 Technische Meisterschaft und beglückende Spielfreude (Vaihinger Anzeiger)
17.04.2007 Jung, dynamisch und mit Begeisterung für Benefiz (Frank Ebert/Patricia Sigerist, Fellbacher Zeitung)
09.11.2006 Virtuose junge Meister begeistern 1500 Zuhörer (Eva Herschmann, Fellbacher Zeitung)
08.11.2006 Das Publikum feiert die jungen Musiker (Südkurier)
10.05.2006 Vitale Matinee mit Jugendorchester (Christiane Voigt, Badische Neueste Nachrichten)
Badische Neueste Nachrchten / 10.Mai 2006


Zu den Europäischen Kulturtagen zählte auch eine recht gut besuchte Matinee im Konzerthaus mit dem Landesjugendorchester Baden-Württemberg. Dazu hatte der Dirigent Christoph Wyneken seine großenteils von der hiesigen Musikhochschule kommenden Spielerinnen und Spieler in fester Hand. Wie könnte es anders sein - das Programm enthielt ausschließlich russische Musik. Bereits begeisternd in hoher Vitalität und Frische war die Ouvertüre zu Michail Glinkas Oper "Ruslan und Ludmilla" angegangen und durchgeführt.
Der aus der Ukraine stammende 18-jährige Alexander Jussow, Studierender der Klasse Joseph Rissin, hatte den Solopart in Tschaikowskys "Valse Scherzo" für Violine und Orchester op. 34 übernommen. Sein großes technisches Können stellte er dabei ganz in den Dienst dieser schwärmerischen Musik in bestem Kontakt zu seinen Mitstreitern. Gezügeltes Temperament, wie Besonnenheit und geigerische Raffinessen zeichneten seine Interpretation der Konzertfantasie "Romeo und Julia" aus; beide Werke wurden vom Publikum höchst freudig aufgenommen.
"Die Nacht auf dem kahlen Berge" von Modest Mussorgski ist ein fantasiereiches Orchesterstück, ein wilder, schauriger, teils unheimlicher Hexentanz. Höchst präzise wurde diese Musik intensiv in allen Farben ausgeleuchtet und gegen Schluss kontrastvoll sanft beendet, wobei einzelne Holzbläser besonders klangschön hervortraten.
André Schoch aus der Klasse Reinhold Friedrich bestritt als fabelhaft ausgebildeter Trompeter das Konzert mit Orchester des 1920 geborenen Alexander Arutunian. In wunderschönem Legato oder spitzem Staccato gab er bei fein abgestimmter Dynamik dem virtuosen ersten Teil Glanz und Strahlkraft, um seinen Part im zweiten mit "gestopftem" Instrument tief verinnerlicht zu gestalten. Im letzten, wieder lebhaften Teil, entlockte André Schoch seiner Trompete, namentlich in der Kadenz, Klangschönheit wie technische Kapriolen, wobei ihm das Orchester ein höchst angepasster Partner war. Nach begeistertem Applaus wurde die Ouvertüre "Romeo und Julia" von Peter Tschaikowsky geboten. Die spannungsgeladene, bravouröse, in jugendlichem Feuer musizierte Wiedergabe löste kaum endenden Jubel aus, dem die Wiederholung der Glinka-Ouvertüre als Zugabe folgte.

Christiane Voigt
21.07.2004 Die Türkei in Ludwigsburg (Wolfgang Teubner, Stuttgarter Nachrichten)
Pressemitteilung vom 21.07.2004

Lustvolles Landesjugendorchester



Beim Radiohören auf der Autobahn passiert es schon mal, dass sich plötzlich ein anderer Sender dazwischendrängt. Diesen Eindruck hatte man bei den "Vier Jahreszeiten" von Vivaldi, die beim Konzert des Landesjugendorchesters (LJO) Baden-Württemberg im Ludwigsburger Forum am Schlosspark durch die türkischen Instrumente Ney, Ud und Darbukka in Vor- und Zwischenspielen ergänzt wurden. Das war eine gänzlich unorthodoxe Version des zum Ohrwurm und Klassik-Hit mutierten Konzertreigens. Es war jedoch nur eine Farbe - eine wirkliche Bereicherung war es nicht: Die beiden Musikwelten sind nicht wirklich kompatibel. Vor allem nutzten sich die Effekte um des Effekts willen sehr schnell ab. Die vier Solisten Julia Kirn, Susanne Rohe, Yingchen Wang und Alexander Jussow musizierten mit einer kleinen Streicherauswahl des Orchesters unter Christoph Wyneken lebendig und genau.

Tschaikowskys Vierte nach der Pause in der für das LJO üblichen Großformation gab sich dann viel geschlossener. Schon die Erregtheit des ersten Allegros wurde bis zur höchsten Stufe geführt, aus Lyrik wurde Dramatik, das Motto des Werkganzen wurde mit aller Macht intoniert. Aber auch in den Folgesätzen war Christoph Wyneken sehr um das Detail und zugleich um die innere Kontinuität bemüht.

Das Rhythmische wurde immer aufgehellt durch musikalischen Scharfsinn. Das wurde von den Jugendlichen zupackend und nervig gespannt gespielt, mit einem für dieses Alter beträchtlichen Ausdrucksradius. Das gezupfte Pizzicato der Streicher im Scherzo, die nicht unerheblichen Bläsersoli, die Sechzehntelläufe im Finale: Das alles gelang mit virtuoser Lust.

Auf der Tournee im April nach der Osterarbeitsphase hatte man noch eine Suite des türkischen Komponisten Ahmed Adnan Saygun dabei, die am Sonntagabend im Forum leider entfiel. Orientalischer "Ersatz" war dafür der "Ägyptische Marsch" von Johann Strauß Sohn als Zugabe.

[ WOLFGANG TEUBNER - Stuttgarter Nachrichten, Ludwigsburg, 21.07.2004]
20.07.2004 Orientalische Barockklänge jugendfrisch gespielt (Helmut Müller, Bietigheimer Zeitung)
SCHLOSSFESTSPIELE / Landesjugendorchester im Forum



Seit 32 Jahren treffen sich im "Landesjugendorchester Baden-Württemberg" zu zwei jährlichen Arbeitsphasen die jeweils herausragenden jungen Musikerinnen und Musiker aus dem Land, um unter Leitung des mittlerweile 62-jährigen Musikerziehers und welterfahrenen Dirigenten Christoph Wyneken ihr Einzelkönnen in ein Orchesterspiel einzubringen und dabei weitere Spiel- und Literaturerfahrung zu gewinnen. Heute haben die meisten der rund 100 Instrumentalisten ihre Fähigkeiten bereits bei "Jugend musiziert" bewiesen, andere wurden nach einem Probespiel in das Elite-Jugendorchester aufgenommen.

Keine Exoten

Dabei sind diese durch ihre musikalische Grundhaltung ausgewiesenen Klassik-Fans keine Exoten in der heutigen lockeren Jugend-Musikszene. Sie sind nur vielseitiger gebildet, wobei sie erfahren haben, welch kostbare Kulturgüter in der ernsthaften Musik der Vergangenheit und Gegenwart verborgen sind, ohne dass man die lockere Entwicklung und Vielseitigkeit der Musik unseres Alltags verwirft.

Christoph Wyneken pflegt das musikalische Erbe zwar eher unverfälscht, um es nicht zu zerstören, aber er experimentiert auch, um Altes mit Neuartigem zu verbinden. Als erstes Werk seiner Tournee (Ludwigsburg war am Sonntag bereits die sechste Station im Land) bot er eine Aufführung von Vivaldis vier "Jahreszeiten" - Konzerten, die von den Streichern mit je einem anderen Solisten gespielt wurden. Zunächst als Frühlingsstimmung, die von der Violinsolistin Julia Kirn mit zartem Strich, aber auch durch blühende Orchesterfarben erzielt wurde. Dann erzeugte Susanne Rohe, die auch als Konzertmeisterin des Gesamt-Sinfonieorchesters wirkte, durch Tremolo und Vibrato glühende Sommerhitze, während das Orchester Blitze und Donner in den Saal schoss. Herbstklänge bei Fest, Tanz und auch Jagd wurden vom in Karlsruhe ansässigen, gebürtigen chinesischen Geiger Yingchen Wang sogar mit Tanzbewegungen garniert, aber auch klangvoll gespielt. Klirrende Winterkälte drückte der Stuttgarter Violinist Alexander Jussow mit der Geige aus.

Das "Plus" der Aufführung aber wurde vom türkischen Trio Murat Coskun (Percussion), Nefi Akkaya (Ney-Schilfrohrflöte) und Gürkan Balkan (Knickhalslaute) eingebracht. Sie brachten Vor-, Zwischen- und Nachspiele zu den Vivaldiklängen, bei denen diese durchschimmerten und der Musik dadurch orientalisches Kolorit gaben. Ein gelungenes Experiment der Verbindung von Orient und Okzident, ohne dass die jeweilige musikalische Substanz der beiden Kulturen verloren ging. Tosender Beifall.

Im zweiten Programmteil spielte das große Sinfonieorchester technisch professionell und überraschend substanziell sowie fein differenziert die 4. Sinfonie f-moll (op. 36) von Tschaikowsky, ein viersätziges Riesenwerk von höchstem technischem und musikalischem Anspruch. Fanfarenmotive, schwermütige Lyrik, kapriziöse Arabesken, Pizzikato- Tänze, Schicksalskämpfe und andere Momente der schwierigen Lebensphase des Komponisten während der Entstehung der Sinfonie (Depression, Selbstmordversuch, unüberlegte Pseudo-Heirat, Freundschaft zu Frau von Meck) mussten durch die Musik verdeutlicht werden. Obwohl keine Programm-Musik, ist diese Sinfonie ohne außermusikalische Überlegungen kaum deutbar. Ohne Übertreibung: Das Landesjugendorchester spielte die Sinfonie in Ludwigsburg zwar rasant-jugendlich, aber technisch und interpretatorisch meisterhaft. Es ist eine "Musik-Schmiede" für den Nachwuchs in den Opern- und Konzerthäusern und eine kulturelle Bereicherung für Baden-Württemberg, wie am Sonntag durch den Festspiel-Auftritt in Ludwigsburg. Zugabe orientalisch: Der "Ägyptische Marsch" von Johann Strauß, mit Summ-Chor.

[HELMUT MÜLLER - Bietigheimer Zeitung, Ludwigsburg, 20.07.2004]
20.07.2004 Viel sagendens Motto: Fiktive Begegnung zwischen Orient und Okzident (AW, Vaihinger Kreiszeitung)
Pressemitteilung vom 20.07.2004

Ungewöhnliche Klangerfahrungen mit Vivaldis "Vier Jahreszeiten" - Junge Musiker boten unter der Leitung von Christoph Wyneken mitreißende Leistung bei Tschaikowsky-Sinfonie



Seit zweiunddreißig Jahren besteht nun schon das Landesjugendorchester Baden-Württemberg. Eine besonders enge Verbindung gibt es seit mehreren Jahren zwischen zwölf baden-württembergischen Musikschulen und dieser Institution. Im nicht voll besetzten Forum am Schlosspark demonstrierten die jungen Musiker am Sonntag unter der Leitung von Christoph Wyneken ihre spieltechnische Gewandtheit unter dem viel sagenden Motto "Eine fiktive Begegnung zwischen Orient und Okzident".

Antonio Vivaldis "Die vier Jahreszeiten" op. 8 waren zunächst in türkischem Gewand zu hören, wobei man ganz ungewöhnliche Klangerfahrungen machen konnte. Das Trio Murat Coskun mit Murat Coskun (Perkussion/Darbukka). Nefi Akkaya (Ney) und Gürkan Balkan (Ud) hüllte Vivaldis Komposition in fremdländische Harmonien und irisierende Klangflächen ein, die sich immer weiter verdichteten. Die vier Geigensolisten Julia Kirn, Susanne Rohe, Yingchen Wang und Alexander Jussow gaben den vier Jahreszeiten "Frühling", "Sommer", "Herbst" und "Winter" ein ganz eigenes Gewand. Festliche Klangpracht und klare Al-fresco-Wirkungen ließen nicht lange auf sich warten. Alle vier Solisten waren Preisträger bei "Jugend musiziert" Die edel-einfache Tonsprache verband sich mit der vollendeten formalen Ausgeglichenheit des Hochbarocks. Aufgrund der ständigen rhythmischen Veränderungen kam es außerdem zu einer deutlichen Verstärkung des Empfindungsausdrucks, die die Dynamik des Gesamtablaufs beeinflusste. Gelegentlich gab es sogar fließende Übergänge zwischen Barock, Klassik, Romantik und Moderne. Die modalen und rhythmischen Strukturen der osmanischen Kunstmusik verbanden sich dabei mit den polyphonen harmonischen Strukturen der europäischen Musik. Staccato-Effekte und Tremolo-Passagen gingen nahtlos ineinander über. Die Schilfrohrflöte und die Knickhalslaute beschworen. dabei lyrische Kantilenen mit facettenreicher Emphase. Bei der von Vivaldi beschworenen Hirtenszene kam es so zu reizvollen Umfärbungen in orientalische Klangfarben. Auch der Gesang der Vögel, der bellende Hund oder Naturbeschreibungen wie das Rascheln des Laubes zeigten überraschende Kontraste zwischen westlichen, diatonischen und fein differenzierten östlichen Drittel- und Zweidritteltönen.

Nach der Pause bot das Landesjugendorchester Baden-Württemberg unter der inspirierenden Leitung von Christoph Wyneken bei der Wiedergabe von Peter Tschaikowskys Sinfonie Nr. 4 in f-Moll op. 36 eine mitreißende Leistung. .Eine Beichte der Seele. hat Tschaikowsky dieses Werk genannt, als sich die Tragödie seiner Ehe und gleichzeitig die Bekanntschaft mit seiner Mäzenin Frau von Meck im Jahre 1877 anbahnte. Frau von Meck ist diese Sinfonie auch gewidmet. Das Landesjugendorchester brachte den bewundernswerten Reichtum an melodischen, pathetischen und dramatischen Eingebungen dieser Musik zum Leuchten. Schon bei der majestätischen Bläser-Einleitung offenbarten sich die zahlreichen Raffinessen der Instrumentation, bei der Tschaikowsky alle Register zog. Wie in zauberhaft-magischer Ferne erklang das erste Allegro-Thema. Dem Gefühl der Niedergeschlagenheit stellte sich die zweite Themengruppe mit leicht dahingleitenden Läufen der Holzbläser entgegen. Eine gut herausgearbeitete zarte Streichermelodie blieb dabei ganz besonders im Gedächtnis. Die liedhafte Anlage des zweiten Satzes kam dann ausgesprochen poetisch zum Vorschein, wobei die Oboe eine melancholische Melodie beschwor. Der F-Dur-Kontrast des Mittelteils steigerte sich in Tempo und Lautstärke ganz erheblich, Holzbläserfiguren gingen nahtlos ineinander über.

Das Scherzo überzeugte aufgrund der klanglich ausgesprochen transparenten Pizzicato-Passagen. Auf diese wilde Jagd der gezupften Töne ließ das bestens aufeinander abgestimmte Landesjugendorchester Baden-Württemberg den rasanten Mittelteil mit dem von Bläsern und Pauken bestrittenen Trio folgen. Es war ein Hörgenuss, mit welcher Intensität und Präzision die einzelnen Klangflächen dabei zusammenwuchsen. Irgendwo in der Ferne schien sich dabei tatsächlich eine Militärparade zu bewegen. Der Arabesken-Charakter kam jedenfalls sehr gut zum Vorschein, wenngleich die Steigerung des Ausdrucks bei der Wiedergabe auch noch an Intensität gewinnen könnte.

Der turbulente Stretta-Charakter des Finales wurde ausgezeichnet erfasst. Christoph Wyneken gelang es dabei, die letzten spieltechnischen Reserven aus dem Orchester herauszuholen. Auf der Überaus furiosen Einleitungstakte folgte über einem Hörner-Ostinato eine markante russische Volksmelodie in den Holzbläsern. Nach mehreren fulminanten Steigerungen meldete sich mit dämonischer Größe das Schicksalsthema des Anfangs.

Aufgrund der Ovationen und des Schlussjubels gab es noch zwei Mal dieselbe Zugabe: Den mit wienerischer Noblesse und Eleganz dargebotenen "Ägyptischen Marsch" von Johann Strauß.

[AW - Vaihinger Kreiszeitung, Ludwigsburg, 20.07.2004]
20.07.2004 Das Landesjugendorchester zwischen Orient und Okzident / Gäste hauen auf die Pauke (Peter Teufel, Ludwigsburger Kreiszeitung)
Pressemitteilung vom 20.07.2004

Gemeinsames Konzert mit dem türkischen Trio Murat Coskun

Das Landesjugendorchester Baden - Württemberg gastierte am Sonntag mit dem türkischen Trio Murat Coskun im Theatersaal des Forums. Im ersten Teil des Abends spielten sie zusammen Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten". Das Publikum war gespannt, welche neuen Impulse die traditionellen türkischen Instrumente einem der bekanntesten abendländischen Musikstücke geben können.

SWR- Weltmusik- Preisträger Murat Coskun mit seinen Percussionsinstrumenten Darbukka und Nef (Rahmentrommeln) und seine beiden Kollegen Gürkan Balkan mit der Ud (Knickhalslaute) und Nefi Akkaya mit der Ney (Schilfrohrflöte) begannen das Konzert allein mit einer Hommage an Ost und West, dem "Türkischen Marsch" von Mo zart, und leiteten dann über in das Frühlingsthema von Vivaldi, welches vom Orchester übernommen wurde.

In der Folgezeit entspann sich ein interessanter Dialog zwischen Orchester und Trio, wobei das Trio teilweise imitierte und teilweise in die nächsten Sätze und Jahreszeiten überleitete.

Neben diesen drei Künstlern traten noch vier junge Geiger als Solisten auf: Julia Kirn im Frühling, Susanne Rohe im Sommer, Yingchen Wang im Herbst mit einer zusätzlichen Tanzeinlage zu den Klängen des Trios sowie Alexander Jussow im Winter.

Nach der Pause hatte dann das Landesjugendorchester seinen großen Auftritt mit der Symphonie Nr. 4 in f-Moll von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky. Schon in der Einleitung konnten die Bläser mit dem Hauptmotiv der Symphonie glänzen, jener verhängnisvollen Schicksalsgewalt, die das Streben nach Glück verhindert und welche immer wiederkehrt. Danach mysteriös und geheimnisvoll die Streicher im Moderato con Anima. Der zweite Satz voller Melancholie und zarten Melodien in den Holzbläsern. Im dritten Satz durften die Streicher ihre Bögen weglegen und demonstrieren, dass sie auch das Pizzicato perfekt beherrschen. Der Schlusssatz dann ein rauschendes Fest, das Allegro con Fuoco wörtlich genommen und mit viel Feuer und jugendlichem Elan gespielt, so dass die Zuhörer restlos begeistert waren.

Hier hat der Dirigent Christoph Wyneken einen wirklich großartigen Klangkörper geformt, der nicht nur im Jugendbereich seinesgleichen sucht. Übrigens: Wer das Konzert verpasst hat, kann sich den Mitschnitt am 16. Oktober um 22.00 Uhr auf SWR 2 anhören.
[ PETER TEUFEL - Ludwigsnburger Kreiszeitung, Ludwigsburg, 20.07.2004]

Gäste hauen auf die Pauke
Einführung in das Konzert der Festspiele

Der Freundeskreis der Jugendmusikschule (JMS) hatte vor Beginn des Konzertes eine Einführung veranstaltet.

Ute Kabisch, Lehrerin an der JMS zeigte anhand von Tonbeispielen - Vivaldi von der CD, Das Trio live - Gemeinsamkeiten, aber auch Gegensätze der beiden verschiedenen Kulturen (Deutschland/Türkei) auf.

Besonders für die Kinder sehr interessant und lehrreich gestaltet, zeigte Kabisch die Möglichkeiten der Umsetzung von Vivaldis Programmmusik mit den verschiedenen Instrumenten auf. Eindrucksvoll die klirrende Kälte des Winters sowie das Vogelgezwitscher im Sommer. Hierbei durften die Kinder gemeinsam mit Murat Coskun auf von ihm mitgebrachten Pfeifen und Geräuschinstrumenten Vogelstimmen imitieren.

Auch die für Menschen hierzulande exotischen türkischen Instrumente wurden vorgestellt. Coskun stellte die schier unglaubliche Vielfalt der türkischen Percussionsinstrumente vor, Gürkan Balkan seine Ud, eine Knickhalslaute, sowie Nefi Akkaya die Ney, eine Schilfrohrflöte. Außerdem erläuterten sie die Schwierigkeiten im Zusammenspiel mit einem westlichen Symphonieorchester, vor allem in Hinblick auf die Tonalität. Da die türkische Musik ganz andere Tonarten, so genannte Makam, kennt, die zudem auch noch mit Vierteltönen arbeiten, mussten sie drei Ney und zwei Ud mitbringen, um für die harmonischen Gegebenheiten Vivaldis gewappnet zu sein.

Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Trommelworkshop für die Kinder (und eine Handvoll Erwachsener) auf dem Rasen vor dem Foyer, der allen Beteiligten sichtlich Spaß und Lust auf mehr machte.

[ PETER TEUFEL - Ludwigsnburger Kreiszeitung, Ludwigsburg, 20.07.2004]
23.04.2004 Orient traf Okzident - Landesjugendorchester pr&aumlsentierte Ungew&oumlhnliches (Gerda Neunhoeffer, Kultur in der Region)
Pressemitteilung vom 23.04.2004

Landesjugendorchester präsentierte Ungewöhnliches



Voller Elan und Spielfreude präsentierte sich das Landesjugendorchester am vergangenen Mittwoch in der Donaueschinger Donauhalle. Der künstlerische Leiter Christoph Wyneken hatte ein anspruchsvolles und ungewöhnliches Programm mit den Jugendlichen vorbereitet, das bei den vielen Zuhörern großen Anklang fand.

Orientalisch begann das Orchester mit der Suite op.14 von Ahmed Adnan Saygun (1907-1991). Über rhythmischen Wiederholungen von Pauke, Trommel und dem Pizzicato der Streicher entfalteten sich einschmeichelnde Melodien. Schwermütiger noch klangen sie im zweiten Satz der kurzen einprägsamen Komposition.

Danach kamen die "Vier .Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi (1675-1740) in einer hochinteressanten und überzeugenden Interpretation zur Aufführung. "Eine fiktive Begegnung zwischen Orient und Okzident", so der Untertitel, traf das Experiment genau. Zum traditionellen Streichorchester mit Continuo gesellten sich drei hervorragende türkische Musiker mit speziellen Instrumenten. Murat Coskun mit Percussion, Nefi Akkaya mit Schilfrohrflöten (Ney) und Gürkan Balkan mit Knickhalslauten (Ud) zauberten orientalische Klänge, die bisweilen Vivaldis Themen vor - oder nachspielten, Übergänge zwischen den Sätzen schufen und die Stimmungen der vier Jahreszeiten vertieften. Manchem Zuhörer mag es fremdartig gewesen sein - aber das machte gerade den bezaubernden Reiz.

Es war ein Experiment, das durch frisches Musizieren, hohes Können und sichtbare Spielfreude rundum überzeugte. Gleich vier junge Geiger konnten ihr Können beweisen. Julia Kirn bestimmte den Frühling mit klarem Ton, besonders klangschön war das Largo pianissimo. Das Orchester spielte souverän mit hoher Klangwirkung. Im "Sommer" zeigte Susanne Rohe blitzsaubere Läufe und großen Ton. Lieblich das Adagio, vehement brausend das Presto, in dem durch die Trommeln das dargestellte Gewitter prächtig intensiviert wurde. Den "Herbst" gestaltete Yingchen Wang, er meisterte die vielen Doppelgriffe souverän und begeisterte die vielen jungen Zuhörer durch eine kleine Tanzeinlage beim klangschönen Zwischenspiel der türkischen Musiker.

Der "Winter" schließlich war der spielerische Höhepunkt. Alexander Jussow traf die Stimmungen punktgenau, sein Violinspiel war von tiefem Gefühl und höchster Klangschönheit geprägt. Tosender Beifall belohnte alle Musiker, die Solisten wurden von Orchester und Publikum stürmisch gefeiert.

In großer Besetzung erklang nach der Pause die vierte Sinfonie von Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893). Leidenschaftlich, romantisch, volltönend wurde der erste Satz in den einzelnen Orchestergruppen begonnen. Christoph Wyneken leitete seine Musiker mit klaren rhythmisch eindeutigen Gesten. Er wandte sich jedem Einzelnen zu, in hohem Einvernehmen und sichtbarer Freude am eigenen und gemeinsamen Können wurden die schwierigsten Passagen klangvoll gestaltet. Die Holzbläser brillierten in ihren vielen Soli, die Pauken erklangen ebenso dramatisch und differenziert wie die Blechbläser und Streicher. Die Pizzicati im Scherzo waren gestochen scharf, und im Allegro con fuoco zeigte sich das ganze Ensemble nochmals in hoher Präzision bis zum fulminanten Schluss. Nach brausendem Applaus gab es als Zugabe - orientalisch natürlich! - den ägyptischen Marsch von Johann Strauß.&aumlser.
[ GERDA NEUNHOEFFER - Kultur in der Region, Donaueschingen, 23.04.2004]
23.04.2004 Klingende Kommunikation - Kulturtage Orchesterkonzert (RG, Die Rheinpfalz)
Pressemitteilung vom 23.04.2004


Mit einer Besonderheit, einer musikalischen Begegnung zwischen Orient und Okzident wartete das Landesjugendorchester (LJO) am Montag im Karlsruher Konzerthaus im Rahmen der Europäischen Kulturtage zum Thema "Istanbul" auf. Vivaldis "Vier Jahrzeiten" waren der Gegenstand dieser klingenden Kommunikation zwischen dem LJO unter Leitung von Christoph Wyneken sowie den eindrucksvoll virtuos spielenden Solisten aus eigenen Reihen Julia Kirn, Susanne Rohe, Yingchen Wang und Alexander Jussow auf der einen Seite und Nefi Akkaya (Ud), Gürkan Balkan (Ney) sowie SWR-Weltmusikpreisträger Murat Coskun, Perkussion, auf der anderen. Vor- und Zwischenspiele sowie gelegentliches Einstimmen des türkischen Trios in Vivaldis Musik sorgten für aparte Dialoge in Tönen und eine interessante Reflexion westlicher Kunstmusik im orientalischen Idiom. Beiden Sphären wurde nichts genommen, in der Begegnung aber gab es viel Neues zu entdecken und Altbekanntes neu zu hören.

Begonnen hatte der Abend mit der Suite op. 14 des türkischen Komponisten Ahmed Adnan Saygun, die in Bartokscher Manier die heimatliche Volksmusik reflektiert und rhythmisch pointiert gespielt wurde. Im zweiten Teil ging es dann sinfonisch "in die Vollen" bei der Sinfonie Nr. 4 f-moll von Tschaikowsky. Unter Wynekens souveräner Leitung spielten die Mitglieder des LJO Baden-Württemberg mit solch zwingender Intensität und derart mitreißendem Elan, dass das Werk eine höchst spannungsreich-erregende Wiedergabe fand.

Als köstliche Zugabe im orientalischen Gewand beschloss der "Ägyptische Marsch" von Johann Strauß Sohn den animierenden Konzertabend.
[RG - Die Rheinpfalz, Karlsruhe, 23.04.2004]
22.04.2004 Applaus belohnt die Musiker - Landesjugendorchester Baden-W&uumlrttenberg begeistert Publikum in der Donauhalle (Wolfgang Limberger, Schwarzw&aumllder Bote)
Pressemitteilung vom 22.04.2004


Donaueschingen. Dass sich Zuschauer bereits vor der Pause nach der musikalischen Präsentation von Vivaldis "Vier Jahreszeiten" zu begeistertem Applaus für die jungen Künstler auf der Bühne erheben, gibt es selten in Donaueschingen.

Mehr als 80 Musiker des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg unter der Leitung ihres Chefdirigenten Christoph Wyneken musizierten sich mit der einleitenden Suite des türkischen Komponisten Saygun und in kleinerer Besetzung mit Antonio Vivaldis Präsentation der vier Jahreszeiten im türkischen Gewand in die Gunst des Publikums. welches minutenlangen Beifall für die Darbietung spendete.

Die "fiktive Begegnung zwischen Orient und Okzident", so der Untertitel des Stücks, welches zu den meistgespielten Werken von Vivaldi gehört, gelang durch äußerst präzises Spiel des Orchesters. Vier junge Solisten hatten die Gelegenheit, ihr Talent unter Beweis zu stellen. So glänzte Julia Kirn (Violine) im ersten Teil "Der Frühling", den die jungen Musiker in erfrischender Manier präsentierten.

Die Einwürfe der drei türkischen Musiker, die mit Instrumenten wie der Ud und der Ney das Orchester begleiteten oder Takte wiederholten, gerieten zu einer eindrucksvollen Demonstration orientalischer Musik. Auch die weiteren jungen Solisten auf der Violine, Susanne Rohe, Yingchen Wang und Alexander Jussow überzeugten die Zuhörer mit ihren ausgezeichneten Soloparts in den drei weiteren Sätzen.

Nach der Pause folgte die Interpretation von Peter Tschaikowskys Sinfonie Nr. 4.36 in vier Teilen. Das Gesamtorchester, bestehend aus etwa 100 Musikern, hatte auf der Bühne Platz genommen. Satter Hörnerklang läutete musikalisch das "Andante sostenuto" ein. Sehr gut wurden die Spannungsbögen aufgebaut und sorgten für eine gewisse Dramatik. die durch kleinere Läufe der Holzbläser unterbrochen wurden.

Spielfreude und sehr subtiles Spiel brachten dem Publikum hohen Hörgenuss in den drei weiteren Teilen, dem "andantino in modo di cancone". Belebend war auch der dritte Teil, das "Scherzo: Pizzicato ostinato". Es schloss furios mit rasend schnellen Läufen, einem packenden Finalteil und einem nicht enden wollender Applaus der restlos begeisterten Zuhörer.
[WOLFGANG LIMBERGER - Schwarzwälder Bote, Donaueschingen, 22.04.2004]
21.04.2004 Vivaldi trifft Schilfrohrfl&oumlte - Landesjugendorchester spielte im Konzerthaus Karlsruhe (LU, Badische Neueste Nachrichten)
Pressemitteilung vom 21.04.2004


Was lange w&aumlhrt, wird endlich gut. Um auch die (wenigen) Zuhörer in den Genuss der "Vier Jahreszeiten in t&uumlrkischem Gewand" kommen zu lassen, die dachten, das Konzert des Landesjugendorchesters beginne um 20 statt um 19 Uhr, mussten die (vielen) Besucher warten, die p&uumlnktlich ins Karlsruher Konzerthaus gekommen waren. Quasi als Appetith&uumlppchen während der Wartezeit zog das Orchester die Auff&uumlhrung der Suite op. 14 des t&uumlrkischen Komponisten Ahmed Adnan Saygun vor. Saygun hatte in den zwanziger Jahren in Paris studiert, und so gelang ihm in der Suite op. 14 eine interessante Verbindung von dem Instrumentarium und den Spieltechniken der abendl&aumlndischen Klassik mit exotisch-orientalischen Rhythmen, Melodien und Harmonien. Als Dialog zweier unterschiedlicher Kulturen (das Konzert fand im Rahmen der Europ&aumlischen Kulturtage statt) wurden "Die vier Jahreszeiten" von Vivaldi mit Einw&uumlrfen eines t&uumlrkischen Musikertrios angek&uumlndigt. Ein gewagtes Unterfangen, denn um gemeinsame musikalische Wurzeln zu finden, muss man schon bis ins Mittelalter zur&uumlckgehen. Immerhin eignen sich die abwechslungsreichen Stimmungsbilder der barocken "Jahreszeiten" gut f&uumlr Unterbrechungen, in denen die t&uumlrkischen Musiker zu Wort kamen.


Da traditionelle t&uumlrkische Musik auf Trommeln, Schilfrohrfl&oumlte und Knickhalslaute etwas v&oumlllig anderes ist als italienische Streicherkl&aumlnge,ergaben sich sehr kontrastreiche Dialoge. Schlagzeuger Murat Coskun, Fl&oumltist Nefi Akkaya und Lautenist G&uumlrkan Balkan, allesamt Meister auf ihrem Instrument, griffen aber auch direkt Zitate aus Vivaldis "Jahreszeiten" auf, die dann eine ganz eigene Klangfarbe erhielten. Manchmal begleiteten sie das Orchester und die Solisten diskret auf Trommel und Laute, was den ausgew&aumlhlten Passagen zus&aumltzlich rhythmische Pr&aumlgnanz verlieh.


Die jungen Solisten aus den Reihen des Landesjugendorchesters gingen mit der Herausforderung, gelegentlich aus Vivaldi auszusteigen und den t&uumlrkischen Zwischenspielen zu lauschen, unterschiedlich um. Der chinesische Geiger Yingchen Wang &uumlbte sich fr&oumlhlich im Bauchtanz, zur Freude des Publikums, Alexander Jussow dagegen konzentrierte sich eisern auf seinen eigenen Part. Ihm gelang im "Winter" die technisch versierteste, souver&aumln virtuose Wiedergabe des Soloparts. Julia Kirn spielte im "Fr&uumlhling" klangsch&oumln, wenngleich etwas sch&uumlchtern, Susanne Rohe gab den "Sommer" mit Elan und Temperament, Yingchen Wang wirkte im "Herbst" ganz locker und ließ sich bereitwillig auf musikalische Dialoge mit dem t&uumlrkischen Trio ein.
Dirigent Christoph Wyneken sorgte mit dem Orchester für geschmeidige Phrasierung, dynamische Kontraste und flotte Tempi.


Abendl&aumlndische Sinfonik pur stand mit Tschaikowskys Sinfonie Nr. 4 auf dem Programm, voller Verve und Engagement interpretiert. Im ersten Satz unterstrichen die jungen Musikerinnen und Musiker das W&uumlten des Schicksals in markant akzentuiertem Fortissimo, sehr kantabel spielten sie das Andantino, flink huschte das Scherzo im nuanciert gezupften Pizzicato der Streicher vor&uumlber, furios gaben sie den Finalsatz, der in eine rasante Stretta m&uumlndete. Hervorragend schlugen sich die Holz- und Blechbl&aumlser.
[LU - Badische Neueste Nachrichten, 21.04.2004]
20.04.2004 Jungen Musikern beim Brückenbauen zugeschaut - Das Landesjugendorchester mit drei türkischen Musikern in der Mitte auf der Konzertbühne des Bürgerzentrums Waiblingen. (Ulrich Gerlinger, Waiblinger Kreiszeitung)
Pressemitteilung vom 20.04.2004


Wie aus einem interessanten Sinfoniekonzert ein sehr beeindruckendes werden kann, das demonstrierte jetzt das Landesjugendorchester, indem es ein Trio türkischer Musiker in seine Mitte nahm beim Abo-Konzert im Waiblinger Bürgerzentrum. Der Dialog zwischen Orient und Okzident - ein Experiment, das so noch nie im Bürgerzentrum erklungen ist, aber als rundum gelungen bezeichnet werden kann. Das Landesjugendorchester hat eine hohe Fluktuation, die einzige Konstante war und ist Christoph Wyneken, anerkannter Chef der Jugendlichen und kompetenter Dirigent auf allen Kontinenten. Was machen Schüler und Studenten mit den vielen Ferien? Für die Preisträger von "Jugend musiziert" keine Frage: Sie treffen sich auf der Landesakademie Ochsenhausen und üben. Das LJO, ein Instrument der Talentsicherung, wie es besser nicht sein könnte! Gleich doppelt wurde zum Brückenschlag zwischen Orient und Okzident angesetzt. Zuerst zwei Sätze aus der Suite von Adnan Saygun ( 1907-1991 ), dem bedeutendsten zeitgenössischen türkischen Komponisten. Gleich wie dem Reformer Kemal Atatürk lag es ihm am Herzen, eine Kultursynthese der beiden Kulturkreise zu schaffen. Durch sein Studium in Paris von der europäischen Spätromantik und dem französischen Impressionismus beeinflusst, ist es ihm gelungen, eine eigene und einzigartige Musiksprache zu finden, farbig und dissonant. Dass das LJO mit diesem Einstiegswerk seine liebe Not hatte, war nicht zu überhören. Bei türkischer Musik, da spukt einem so allerhand im Hinterkopf. Und seien es nur Reste von einer Bauchtanzvorführung beim Urlaub in Antalya. Meist lässt einen das gehörte Instrumentarium recht verständnislos zurück.


Im Bürgerzentrum hatte sich Murat Coskun mit seinen diversen Schlaginstrumenten postiert, neben ihm Nefi Akkaya mit seiner Ney (Schilfrohrflöte) und Gürkan Balkan mit der Ud, der Knickhalslaute. Instrumente, die weit in die Geschichte des Weltreiches zurückreichen, gleichzeitig auch für die Entwicklung der europäischen Instrumente von eminenter Bedeutung sind Christoph Wyneken baute das Trio zu einem musikalischen Gegenpol des romantisch-barocken Repertoires auf. Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten", beliebt und vielfach bewährt, mit orientalischen Klangfarben angereichert? Ein weiterer Kunstgriff. Vivaldis op. 8 besteht aus vier Violinkonzerten, normalerweise mit einem Solisten besetzt. Im BZ waren es derer vier. So erhielten gleich vier Jugendliche die Chance, sich eine Jahreszeit des Vivaldi-Zyklus zu erarbeiten, ohne gleich an dem ganzen Brocken zu scheitern.


Und welches Orchester hat gleich vier gleichwertige Solisten in seinen Reihen? Julia Kirn (Frühling), Susanne Rohe (Sommer), Yingchen Wang (Herbst) und Alexander Jussow (Winter) hinterließen einen kompetenten, sympathischen Eindruck. Das türkische Trio übernahm Vivaldis Motive, verfremdete sie mit türkischen Rhythmen und Kadenzen, mal nur ein Echo der barocken Klänge, dann wieder ganz weit weg. Auch das war beabsichtigt. Brückenbau heißt auch, den Blick auf die Gegensätze zu richten. Dass das gewagte Experiment nicht immer gelungen ist, wurde ebenfalls hörbar. Obwohl gleich drei Schilfrohrflöten im Einsatz waren, mussten im Vorfeld leider immer wieder einzelne Passagen gestrichen werden, meist durch Unverträglichkeit der Tonarten bedingt. Auch die beiden Lauten konnten nicht das ganze Umfeld abdecken. Schade auch, dass es keine Übersetzung gab für die Verse des türkischen Mystikers Yunus Emre, der mit der Metapher des fließenden Wassers die stetige Suche des Menschen nach Neuem abbildet.


Der große Programmblock nach der Pause wurde zur Stunde der Bläser. Die Fanfare zu Beginn von Tschaikowskys Symphonie Nr. 4 in f-Moll war der fulminante Auftakt zu einer Bläsermusik mit gefälligen Streicherzusätzen. Nicht dass Wyneken dies zu gelassen hätte. Aber der hörbare Schwerpunkt, jene wilde Leidenschaftlichkeit, jene Verkündung der Schicksalsgewalten, liegt bei dem extrem diffizilen Werk nun einmal in den Händen der Blech- und Holzbläser. Im zweiten Satz ließen sich die sehnsüchtigen Klängen des Melancholikers Tschaikowsky durchaus nachempfinden, bei der gezupften Arabeske des Scherzos schien Bewunderung angeraten, und schließlich ließen die gewaltig ausladenden Klänge des Finales einen atemlos zurück.
Das Landesjugendorchester, ein musikalischer Hochleister, der unter der charismatischen Leitung von Christoph Wyneken unschlagbar ist.
[Ulrich Gerlinger, Waiblinger Kreiszeitung, 20.04.2004]
14.11.2003 Aus dem Morgenland - Landesjugendorchester unter Leitung von Christoph Wyneken im Stuttgarter Hegelsaal (Esslinger Zeitung)
Pressemitteilung vom 14.11.2003


Stuttgart - Wer hat mehr zu erzählen: die schöne Scheherazade ihrem grausamen Sultan oder die Instrumentalisten des Landesjugendorchesters beim Tourneeschluss im Hegelsaal der Stuttgarter Liederhalle? Chefdirigent Christoph Wyneken beantwortete die Frage im Handstreich, indem er seine blutjunge Hundertschaft auf Nikolai Rimsky-Korsakovs Sinfonische Suite "Scheherazade" los ließ.
Meeresrauschen mit Vibrato

Das klang dann wirklich nach "1001 Nacht", nach Meeresrauschen mit intensivem Streichervibrato, nach Beschwörung mit erstaunlich guten Holz- und Blechbläsern, nach sympathischer Einfachheit in der dynamischen Anlage und nach großen Hoffnungen in den professionellen Soli der Konzertmeisterin Sarah Wieck. Das Landesjugendorchester hielt das Thema Morgenland durch Musik und Alter auf doppelte Weise besetzt.

Christoph Wyneken, seit mehr als drei Jahrzehnten künstlerischer Leiter des Landesjugendorchesters, baute an diesem Abend weiter an seinem Lebenswerk. Einfach hat er es nicht, denn wie ein Knabenchor ist das Ensemble der baden-württembergischen Musikschulen von stetem Kommen und Gehen betroffen. Neue Frühbegabungen werden aus den Wettbewerben "Jugend musiziert" gefiltert und ab 13 Jahren zu den beiden jährlichen Arbeitsphasen und anschließenden Konzerttourneen des Orchesters eingeladen. Nach zwei oder drei Jahren endet diese Ausbildungsphase wieder, so dass die Fluktuation jährlich bei 30 Prozent liegt.

Trotzdem brauchten die Hörer im sehr gut besuchten Hegelsaal nicht mit alles verzeihenden Mienen wie bei Schülervorspielen im Parkett zu sitzen. Auch beim fünften Tournee-Abend hintereinander gab es qualifizierte Musik ohne Ermüdungserscheinungen. Eingangs saßen acht Cellisten zur Nummer 5 der "Bachianas Brasileiras" von Heitor Villa-Lobos im Halbkreis. Sie begleiteten Annette Rabus, die auf dem Bildungsweg des Privatunterrichts ihren nach Umfang und Ausdrucksvermögen sehr beweglichen Sopran geschult hat und nun an der Weggabelung steht, Kauffrau oder Sängerin zu werden.
Virtuoses Feuer

Für die Musik als Hauptberuf längst entschieden hat sich dagegen die 18-jährige Koreanerin Sae-Nal Kim, die ihr Studium an der Karlsruher Musikhochschule aufgenommen hat. Sie traut sich bereits den Solopart von Sergej Rachmaninoffs zweitem Klavierkonzert zu und bewältigte ihn durchaus bravourös. Im Kopfsatz funktionierte zwar die Gewaltenteilung zwischen Orchester und Flügel noch nicht so recht, aber das dunkle Pathos des Adagios und das virtuose Feuer des Finales traf die junge Interpretin durchaus kennerisch. Jubelszenen den ganzen Abend über.
[Erwin Schwarz, Esslinger Zeitung, 14.11.2003]
12.11.2003 Begeistertes Publikum spendete stehend Beifall - Landesjugendorchester gastierte bei Konzertgemeinde Adelsheim (Fränkische Nachrichten)
Kritik vom 12.11.2003


Adelsheim. Mit dem Landesjugendorchester Baden-Württemberg hat die Konzertgemeinde Adelsheim einen der großen musikalischen Leistungsträger des Landes für das Herbstkonzert gewonnen. Seit zwei Jahrzehnten gelingt es der rührigen Konzertgemeinde, das Orchester jährlich zu gewinnen, und so ist eine große Fangemeinde entstanden, die auch am Samstag wieder ein besonderes Konzert erlebte.

Schon eine Stunde vor Beginn zogen die Anhänger des Konzerts in Scharen den Eckenberg hinauf. So füllten 300 Besucher die große Aula des Eckenberggymnasiums. Man war gespannt, ob und wie das Orchester die gewaltigen Werke, die auf dem Programm standen, bewältigen würde. Um es gleich vorweg zu nehmen, die jungen Musiker meisterten diese schwierige Aufgabe mit Bravour. Was das Orchester in dem über zwei Stunden dauernden Konzert physisch wie mental leistete, riss die Zuhörer zu wahren Begeisterungsstürmen hin.

Drei große Werke aus zwei völlig verschiedenen Kulturkreisen standen auf dem Programm, das auch zur geistigen Auseinandersetzung herausforderte. Eröffnet wurde das Konzert mit "Bachianas Brasileiras Nr. 5" des brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos (1887 bis 1959), der zu den bedeutendsten Südamerikas zählt. Es ist ein Werk für acht Celli und Sopran. Mit ihm will Villa-Lobos Brücken schlagen zwischen den reichen folkloristischen Traditionen Südamerikas und den Stilmitteln der europäischen Kunstmusik. Er träumte von einer kraftvollen Synthese beider Kulturen.

Die Mitte der 30er Jahre entstandenen "Bachianas" machten Villa-Lobos weltberühmt. Es liegt schon ein besonderer Reiz in dieser Komposition wegen der Einbeziehung der menschlichen Stimme in die Instrumentation des Anfangsteils. Reizvoll war das Stück auch für die 20-jährige Sopranistin Annette Rabus. Mit ihrer ungemein voluminösen Stimme füllte sie den hohen Raum des Konzertsaales mühe­los. Diese schöne, atemtechnisch hervorragend geschulte Stimme zu hören, war ein Genuss. Annette Rabus, die mehrfach mit dem 1. Bundespreis im Wettbewerb "Jugend musiziert" ausgezeichnet worden ist, wurde ob dieser Leistung stehend Beifall gespendet.

An die glanzvolle Instrumentation Tschaikowskys anknüpfend, schuf Sergei Rachmanivov (1873 bis 1943) seine große Kompositionen. Mit dem 1900/01 in Moskau entstandenen "Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 in c-Moll op. 18" befreite sich der russische Komponist aus einer dreijährigen schöpfe­rischen Krise.

Das Konzert ist sein bekanntestes und meistgespieltes Konzert und stellt an den Solisten höchste Anforderungen, denen sich die erst 18 Jahre alte, 1985 in Seoul geborene Sae-Nal Kim in hohem Maße gewachsen zeigte. Das hörte und spürte man bereits in den einleitenden mächtig anschwellen­den, einem Glockengeläut gleichenden Akkorden. In dem folgenden mächtig aufwogenden Streicher-klang setzte sie mit ihren Arpeggien deutliche Akzente.

In dem ruhigen Mittelsatz mit seiner unendlichen Melodie, in dem jedoch stufenförmig eine Beschleu­ni­gung erfolgt, zeigte sie in der geradezu eruptiven Kadenz ihre technische Meisterschaft. Das brillante Finale schließlich gab Kim reichlich Gelegenheit, ihre Virtuosität exzellent zu demonstrieren. Sie verfügt über eine ungemein variable Anschlagskultur und lebt förmlich in dem von ihr zu inter­pretierenden Werk, was hohe musikalische Sensibilität beweist. Sae Nal Kim hat ihre vielen musika­lischen Auszeichnungen zu Recht erhalten und ist trotz ihrer jungen Jahre schon eine Meisterin. Die Herzen der Zuhörer flogen ihr zu, und der stürmische Beifall schien nicht enden zu wollen.

Den Abschluss des wunderbaren Konzerts bildete "Scheherazade, Symphonische Suite op. 35" von Nikolai Rimsky-Korsakov (1844 bis 1908), der wohl einflussreichsten Gestalt im russischen Musik­leben der Zeit. Die "Scheherazade" ist sein wirkungsvollstes und erfolgreichstes Orchesterwerk, ungemein klangvoll und farbig.

Sie ist die Umsetzung einzelner Bilder der Märchen aus "Tausend und eine Nacht" in Musik. Eine Melo­die der Solovioline mit Harfenbegleitung leitet den 1. Satz wie alle folgenden ein. Die Solovioline übernimmt also die Rolle der Erzählerin. Die einzelnen Geschichten sind untereinander verknüpft durch die beiden Themen des Sultans und der Scheherazade. Das eine trumpft mächtig auf im tiefen Instrumentarium, das andere zart und lieblich in hurtigen Triolenfiguren der Solo-Violine über Arpeggien der Harfe.

Dem Orchester wurde dabei reichlich Gelegenheit gegeben, den Reichtum der Farbigkeit des spät­roman­tischen großen Orchesters zu entfalten, von Christoph Wyneken sicher geführt. Die kurzen Solo-Partien, vor allem der Bläser, wurden bravourös gemeistert. Hervorzuheben ist die makellose Leistung der Violinistin Sarah Wieck, die über eine ausgefeilte Technik verfügt, mittels derer sie mühe- und fehlerlos bis in die höchsten Lagen gelangte.

In den Herbstferien hatte Leiter Christoph Wyneken mit den jungen Musikern, die ja doch alle noch Schüler sind, das Konzert erarbeitet. Das Konzert war eine reife Leistung, mitreißend in der Art der Darbietung. Viele Zuhörer empfanden es als musikalischen Höhepunkt im kulturellen Leben Adels­heims. Der rauschende, größtenteils stehend gespendete Schlussbeifall des Publikums wollte schier kein Ende nehmen. Orchester und Dirigent waren überwältigt ob dieses "Dankeschöns" und bedank­ten sich mit einer Passage aus "Star Wars" - womit sie gleichzeitig zeigten, dass sie durchaus auch "anders" können. gjp

[© Fränkische Nachrichten - 12.11.2003]
11.11.2003 Als wäre es die natürlichste Sache der Welt (Schwarzwälder Bote)
Pressemitteilung vom 11.11.2003

Landesjugendorchester brilliert in Stadthalle mit jugendlichem Elan und großem Können

Tuttlingen - Das Konzert des Landesjugendorchesters in der Stadthalle begeisterte die Zuhörer, da mit jugendlichem Elan und hohem Können musiziert wurde. Dirigent Christoph Wyneken verstand es, durch seine Begeisterung und reiche Erfahrung, die Jugendlichen zu großer Leistung zu führen. Er gibt auch jungen, begabten Solisten die Möglichkeit öffentlicher Auftritte, wie der 20-jährigen Sopranistin Annette Rabus und der 18-jährigen Pianistin Sae-Nal Kim in diesem Konzert.

Schon der Auftakt war imponierend. In "Bachianas Brasileiras Nr. 5" von Villa-Lobos für acht Cellisten und Sopran spielten die jungen Cellisten mit jugendlichem Schwung und die Rabus sang die Texte von Manuel Bandeira voller Intensität und Weite des Empfindens.

Die voll vitaler Kraft steckende Koreanerin Kim spielte Rachmaninovs Klavierkonzert c-moll mit einer Selbstverständlichkeit und Eleganz, als wäre dies die natürlichste Sache der Welt. Schade nur, dass der Deckel des Flügels entfernt war. Wohl konnte der Dirigent den Klang hinter sich besser spüren, aber eben dieser Klang verlor sich zum großen Teil an der Bühnendecke.

Den Klangreichtum dieses großen Orchesters erlebte man in "Scheherazade" von Rimsky-Korsakov. 62 Streicher, 26 Bläser, sechs Schlagzeuger und Harfe schilderten die Geschichte bildhaft. Der grausame Sultan, der all seine Frauen nach der ersten Nacht köpfen lies, wurde durch die tiefen Bläser und Pauken martialisch dargestellt und als Kontrast die liebliche Scheherazade wunderbar durch Solo-Violine (Sarah Wieck) und Harfe. Diese erzählt die Nächte hindurch dem Sultan spannende Geschichten, bis er bekehrt war. Diese Geschichte von Sindbad dem Seefahrer, dem Prinzen Kalender, dem Fest in Bagdad wusste Rimsky-Korsakov interessant zu schildern und Christoph Wyneken entfachte durch sein temperamentvolles Dirigat das Feuer der Begeisterung im Orchester.

Für sechs daraus war es ein Heimspiel, für drei Flötistinnen, zwei Hornisten und einer Klarinettistin der Tuttlinger Musikschule. Die Begeisterung der Zuhörer entlud sich in langanhaltendem Applaus.

[11.11.2003, Siegfried Burger - Schwarzwälder Bote]
29.08.2003 Wunderkinderkarrieren? - 7 Musiker aus der Region haben gemeinsam in diesem Jahr alle Preise bei Jugend musiziert abgeräumt (Badische Zeitung)
Pressemitteilung vom 29.08.03


Termine. Morgen gehe es nicht, da habe er den ganzen Nachmittag Unterricht, übermorgen müsse er schon früh von Freiburg losfahren nach Weikersheim. Proben mit dem Trio. Da könne er also auch nicht zum Interview kommen. So Sebastian Lastein, 18 Jahre, Klarinettist. Einen Terminkalender wie ein Profi, denke ich mir, und korrigiere mich: Sebastian Lastein ist ein Profi.

Wer seit seinem 12. Lebensjahr Wettbewerbe wie Jugend Musiziert gewinnt, auf regionaler wie überregionaler Ebene, der ist automatisch auch als Schüler schon ein Profi. In einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen, stand die entsprechende Ausbildung nie in Frage. Es ging lediglich um die Wahl des Instruments. Ein Klarinette spielender Onkel gab den Ausschlag. Heute hat Sebastian Unterricht bei Wolfhard Pencz, Soloklarinettist des SWR-Orchesters.

Kaum anders verhält es sich mit der in Kirchzarten lebenden Myvanwy Ella Penny, ebenfalls 18 Jahre, Geigerin mit Schwäche für die Bratsche. Mit sechs Jahren drückte ihr der Vater, selbst Jazz-Kontrabassist, eine Geige in die Hand, und dann machten sie zusammen mit dem inzwischen gestorbenen Akkordeonisten Klaus Bruder (unvergessen seine Arbeit mit dem Titi Winterstein Quintett) Straßenmusik. Zigeunerjazz in der Freiburger Fußgängerzone. Das kleine Mädchen mit dem walisischen Namen Myvanwy spielte die Melodien mit.

Als Übung gegen das Lampenfieber betrachtet sie ihre ersten Auftritte heute bescheiden. "Dafür war es ganz gut, dass ich schon so früh angefangen habe, einfach so auf die Straße zu stehen und zu spielen." Mit elf Jahren wurde sie Stipendiatin der Freiburger Pflüger-Stiftung. Seither sind Wolfgang Marschner und Ariane Mathäus ihre Lehrer. In der Stiftung begann sie auch, hin und wieder Bratsche zu spielen. Zuerst nur, weil Bratschen überall fehlen, inzwischen aber auch, weil sie den Klang dieses Instruments zu schätzen gelernt hat.

Wie Sebastian Lastein ist auch Myvanwy Ella Penny längst ein Profi. Damit tun sich Lehrer und Mitschüler manchmal schwer - selbst an einer Schule, die ab der neunten Klasse einen eigenen Musikzug anbietet. "Die waren nicht so begeistert, weil ich ziemlich oft weg war - Landeswettbewerb, Bundeswettbewerb." Nur der Kontakt zu den Freunden sei inzwischen prima: "In der zwölften Klasse ist schon mehr Verständnis da als früher." Und ist es nicht so, dass Frau Musica die Menschen verbindet? So entstehen Freundschaften, und vielleicht gründet man ein Ensemble. Auch Sebastian hat diese Erfahrung gemacht: "Wenn sich eine Gruppe Gleichaltriger mit gleichem Hobby trifft, macht das einfach Spaß." Man lernt sich beim Regionalwettbewerb von Jugend Musiziert kennen und trifft sich bei der nächsten Etappe wieder. Oder man spielt gemeinsam im Landesjugendorchester und findet sich ein Jahr später im Bundesjugendorchester an benachbarten Pulten sitzend.

Es entstehen Freundschaften, man besucht sich gegenseitig und vielleicht gründet man sogar ein eigenes Ensemble - so wie Sebastian Lastein, der seit zwei Jahren zusammen mit dem Hornisten Christoph Eß und dem Fagottisten Moritz Pietzsch im Trio spielt. Über Wettbewerbe haben sich auch Sebastian Lastein und Myvanwy Ella Penny kennen gelernt. Und so entstand das Septett mit Lasteins Trio, Penny als Bratschistin und anderen Musikern aus Baden-Württemberg, das dieses Jahr bei Jugend Musiziert sämtliche Preise abräumte. Zuerst gewann es den Regionalwettbewerb in Tübingen, dann den Landeswettbewerb, den Bundeswettbewerb und schließlich den mit 3000 Euro dotierten "Klassik-Preis" der Stadt Münster.

Für diesen zusätzlichen Wettbewerb, der ausschließlich ersten Bundespreisträgern vorbehalten ist, hatten sich noch dreizehn weitere Ensembles qualifiziert, doch das Septett konnte mit einer Interpretation von Beethovens Opus 20 überzeugen. Anders als bei Jugend Musiziert geht es bei dem Klassik-Preis darum, ein Werk vollständig vorzutragen. Das stellt höhere Ansprüche an die Kondition der Musiker und an die interpretatorische Gestaltung, die über die - im Falle von Beethovens Septett - drei Viertelstunden hinweg die Spannung halten muss.

All das klingt ein wenig nach Wunderkind-Karrieren. Mussten die Eltern ihren Sebastian und ihre Myvanwy früher zum Üben drängen? Ganz ohne Anstöße, erzählen beide, ist es nicht gegangen. Myvanwy Ella Penny formuliert es unumwunden: "Dass ein Kind mit elf Jahren freiwillig übt, kann ich mir einfach nicht vorstellen." Doch gezwungen gefühlt haben sich beide nicht, und wenn sich nach der Anfangsphase die ersten Erfolge einstellen, dann, so Sebastian Lastein, gehe mit dem Üben alles ganz von alleine. Inzwischen wissen beide, dass sie dabeibleiben und das Instrument zu ihrem Beruf machen werden. Dann werden sie ganz offiziell Profis sein.

[Elisabeth Schwind, Badische Zeitung vom Freitag, 29. August 2003]
02.05.2003 Jubel in der Aula (Südwest-Presse )
Pressemitteilung vom 02.05.03

Beifallsstürme für Siegert und das Landesjugendorchester

Die Bühne war sehr voll. Der Zuschauerraum auch. Einfacher Grund: Das Landesjugendorchester unter der Leitung von Till Drömann gab ein Gastspiel in der Mössinger Quenstadt-Aula und als Solist spielte Franz-Markus Siegert. Für den mehrfachen Preisträger von "Jugend musiziert" und ehemaligen Ofterdinger war es quasi ein Heimspiel. Am Mittwochabend empfahl er sich als erwachsen gewordener brillanter Geiger mit einem Ton, der bereits viel Persönlichkeit besitzt.

Die erste Zugabe schon vor der Pause - das war bei diesen Voraussetzungen eigentlich nicht anders denkbar. Tschaikowskys Violinkonzert D-Dur (op. 35) stand gleich am Anfang und riss das Publikum von der ersten Note an mit. Der gestochene klare, fein differenzierte Klang des vielköpfigen Orchesters bot dem Solisten einen idealen Rahmen. Der wiederum meisterte die berüchtigten technischen Schwierigkeiten fast mühelos, die das Stück anfangs als unspielbar gelten ließen. Und mehr noch: Spinnwebzart träumte die Melodie im Pianissimo voller Gemüt, an anderer Stelle prizzelten die Töne wie Tausenfüßlerbeine über die Saiten. Dann wieder packte die enorme Kraft und Unerschrockenheit seines Spiels. Durchweg gelang ihm das Kunststück, sein Instrument mit lebendiger Stimme erzählen zu lassen. Welchen Grad von Perfektion seine Technik mittlerweile erreicht hat, bewies er bei der durch heftigen Applaus eingeforderten Zugabe erneut: der fünften Caprice von Paganini.

Nach der Pause stand mit "Entkommen" eine Auftragskomposition des Landesjugend­orchester von Fredrik Zeller auf dem Programm, deren Bezug zur danach gespielten neunten Sinfonie von Schostakowitsch Dirigent Till Drömann dem Publikum vorneweg wie in einem Gesprächskonzert erklärte. Für die lauschenden Ohren war es ein sauber strukturiert gespielter Spaziergang über ein akustisches Geröllfeld, der vorbeiführte an Feldern mit gleichmäßig verteilten Findlingen, großen Monolithen, wild verstreuten Brocken und mächtigen Steinschlägen.

Zum Schluss dann Schostakowitschs neunte Sinfonie, deren ironischen Ton das Orchester hervorragend traf. Respektlos nahmen sie die ehrwürdige Marschmusik auf die Schippe, ganz ernsthaft und präzise modelliert - ohne den kleinsten Verlust an Lebendigkeit. Stets blieb dabei die Bedrohlichkeit des Stalinismus im Untergrund spürbar. Auch hier nahm der Beifall der Zuhörenden keine Ende. Gleich zweimal hintereinander gab es den Tango Revolutionario von Astor Piazzolla als Zugabe.

[Südwest-Presse vom 02.05.2003]
28.04.2003 Junge "Kulturbotschafter" wie Profis (BNN -Bruchsaler Rundschau)
Pressemitteilung vom 28.04.03

Das Landesjugendorchester begeisterte in Bruchsal

Seit 30 Jahren besteht das Landesjugendorchester Baden-Württemberg und muss wahrlich keinen Vergleich mit seinesgleichen scheuen. Das Auftaktkonzert seiner Frühjahrstournee fand am Samstagabend im Bürgerhaus Bruchsal statt, und so hatte man die Gelegenheit, eine echte Uraufführung zu erleben. Die Komposition "Entkommen" von Fredrik Zeller (geb. 1965) wurde eigens für dieses Konzertprogramm in Auftrag gegeben. Es sollte zu den beiden anderen gespielten Werken, dem Violinkonzert von Tschaikowsky und der 9. Sinfonie von Schostakowitsch, in Kontext stehen.

Der aus Heidelberg stammende Dirigent Till Drömann stellte die Absicht von "Entkommen" in einer informativen Einführung vor. Für Schostakowitsch, den das Sowjet-Regime kulturell und politisch instrumentalisieren wollte, erschien sein Land wie ein Gefängnis, aus dem es kein Entkommen gab. Diese utopischen Fluchtversuche, ein stetes scheinbares Entkommen aus der Krise, machte Fredrik Zeller zum Programm seines Werkes, wobei er die mathematische Funktion f(x) = 4x(1 - x) zugrunde legte, die im Intervall zwischen 0 und 1 kein Entkommen zulässt. Für die ambitionierten jungen Orchestermusiker stellten die komplexen Rhythmen des Werks eine Herausforderung dar, die sie mit Bravour meisterten. Drömann war es, der mit klarer Gestik und prägnanten Impulsen strukturellen Zusammenhang gewährleistete.

Begonnen hatte die eindrucksvolle Demonstration sinfonische Pracht mit dem einzigen Violinkonzert von Tschaikowsky, dessen an Unspielbarkeit grenzende Virtuosität einen Solisten vom Format des unsterblichen Paganini verlangt. Mit dem in Dresden geborenen Wiener Meisterstudenten Franz-Markus Siegert hatte man in der Tat eine Reinkarnation des "Teufelsgeigers" ausfindig gemacht, dessen technische Akkuratesse und sprühende Musikalität das Publikum in seinen Bann zog. Bei subtilen Flageoletts, Trillern und schwierigen Doppelgriffen offenbarte er seine Meisterschaft. Das Orchester begleitete sehr einfühlsam; während man bei samtig-weichen Klängen ein breiteres Obertonspektrum und insbesondere ein mehr inspiriertes Klangempfinden bei den Holzbläsern gewünscht hätte, war das Eis spätestens mit dem von Tschaikowsky im ersten Satz lange hinausgezögerten fesselnden Brausen des Orchestertuttis gebrochen. Nach der etwas statisch wirkenden Canzonetta brach sodann des russische Temperament durch und beflügelte Solist und Orchester zu ausgelassener Spielfreude. Dem Verlangen nach einer Zugabe entsprach Siegert mit einem solistischen Suitensatz von Bach .

Stalin erwartete mit der 1945 komponierten 9.Symphonie von Schostakowitsch eine musikalische Huldigung des gewonnenen "vaterländischen Krieges". Während die heraldische Tonart Es-Dur Parallelen zu Beethovens ursprünglich Napoleon Bonaparte gewidmeter "Eroica" zulässt, sprechen die klagenden Soli der Klarinette im zweiten Satz und schließlich der heiter-groteske Gestus des Solofagotts im vierten Satz eine andere Sprache. Spätestens hier fielen die Vorurteile hinsichtlich des Holzbläserregisters. Beide Solisten bestachen durch eine künstlerische Reife, die ihresgleichen sucht. Mit Verve und Esprit zeichnete der Dirigent Till Drömann Schostakowitschs Fratzen und musikalische Ironie nach und schien jetzt in Überhöhung technischer Oberflächlichkeit zum wirklichen Interpreten geworden zu sein.

Das begeisterte Publikum bedankte sich durch furiose Beifallsstürme beim Landesjugendorchester , welches nicht nur als "Kulturbotschafter" Baden-Württembergs verdient hätte, im Rampenlicht großer internationaler Konzertsäle zu stehen.

BNN -Bruchsaler Rundschau - Markus Zepp am 28.04.03
01.12.2002 Seit drei Jahrzehnten jung geblieben (neue musikzeitung)
Landesjugendorchester Baden-Württemberg feiert sein 30-jähriges Jubiläum

Mit sechs umjubelten Konzerten feierte das Landesjugendorchester Baden-Württemberg in diesen Tagen sein 30-jähriges Jubiläum. Nicht nur die über 2.500 Zuschauer bekamen diese Feierlaune zu hören, auch Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur, viele Ehemalige und Freunde des Ensembles sowie natürlich die Hundertschaft des Orchesters auf der Bühne ließen sich von diesem Ereignis anstecken und begeistern.

30 Jahre Landesjugendorchester heißt aber nicht nur tausende beglückte Zuhörer, hunderte hochmotivierte junge Musiker und dutzende ausgezeichnete Dirigenten, Dozenten und Organisatoren, sondern heißt auch 30 Jahre harte Arbeit. Eine ernst genommene Nachwuchsförderung beinhaltet sowohl die intensive musikalische Ausbildung der jungen Musikerinnen und Musiker im Rahmen des Orchesterspiels, eine immer wieder neu zu entflammende Motivation und Begeisterung für Musik und ihre Interpreten, die pädagogische und auch psychologische Betreuung der einzelnen Menschen, als auch eine Begleitung ihres Werdegangs während der Zeit im Landesjugendorchester und darüber hinaus. Für eine solche "Rundum"-Ausbildung machen sich die Hauptakteure des Orchesters immer wieder stark - allen voran der seit der Gründung dem Ensemble vorstehende ständige musikalische Leiter Christoph Wyneken. Sein großes, auch ehrenamtliches Engagement wurde bei dem Festkonzert in der Stuttgarter Liederhalle am 06.11.02 von Herrn Staatssekretär Helmut Rau zu Recht mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Um diese intensive und nachhaltige Arbeit leisten zu können, bedarf es einer tragfähigen Basis. Mit dem Landesverband der Musikschulen Baden-Württembergs e.V. wurden dem Orchester schon kurz nach seiner Gründung Rahmenbedingungen geboten, in denen sich der Klangkörper künstlerisch entfalten konnte. Durch nie nachlassendes persönliches Engagement insbesondere des heutigen Geschäftsführers Reiner Mussler ist es gelungen, dem Orchester eine große Freiheit und starke ideelle und finanzielle Partner zu ermöglichen. Die Kultus- und Staatsministerien des Landes Baden-Württemberg und die SparkassenFinanzgruppe des Landes stehen hier an erster Stelle.

Dass diese Basis ein gut bestelltes Feld ist, zeigte die Ernte. In den sechs Jubiläumskonzerten von Lörrach bis Stuttgart wurde mit einer Hundertschaft von fantastischen jungen Musikern als Hauptwerk die 4. Sinfonie von Gustav Mahler zelebriert. Dieses nicht ganz leichte Werk gelang mit seiner Mischung aus kindlicher Naivität und todesahnender Himmelsmusik auch durch die brilliante Sopran-Solistin Silke Schwarz (22) in besonders eindrucksvoller Weise. Begeisterung und Jubel erzeugte der inzwischen international gefragte Cello-Solist Claudio Bohórquez (26) mit den beiden Tschaikowsky-Werken "Rokoko-Variationen" und "Pezzo Capriccioso". Eine virtuose Meisterschaft paart sich bei dem jungen Solisten, der schon früher mit dem Landesjugendorchester zusammen konzertiert hat, mit einem tiefen Verständnis der musikalischen Zusammenhänge.

Eine schöne Idee Wynekens war es, ihn erneut auf das Solistenpodest zu holen - zeigt es doch, was im Idealfall aus den jungen Musikern und Solisten des Landesjugendorchesters werden kann.

Auch die internationale Arbeit hat das Landesjugendorchester in seinem Jubiläumsjahr nicht vernachlässigt. Waren bei den jetzigen Konzerten alte junge Bekannte aus polnischen Musikschulen mit im Orchester, so war dies der Lohn für die enge Zusammenarbeit baden-württembergischer und polnischer Musikschulen. Erster Höhepunkt dieser Kooperation war die Konzert- und Begegnungsreise des Orchesters nach Krzyzowa, Bielsko-Biala, Katowice und Krakow im Frühjahr diesen Jahres. Eine baldige Wiederholung ist nicht ausgeschlossen. Ein großes Ziel ist es, ein noch zu gründendes süd-polnisches Pendant des Landesjugendorchesters einmal in Baden-Württemberg zu begrüßen.

Sönke Lentz, neue musikzeitung 12/02

15.11.2002 Mahler zum Jubilaeum (Rhein-Neckar-Zeitung)
Rhein-Necker-Zeitung 15.11.02
Landesjugendorchester Baden-Wuerttemberg mit Solisten in Wiesloch

Seit nunmehr 30 Jahren gehoert das bis heute von seinem Mitbegruender Christoph Wyneken geleitete Landesjugendorchester Baden-Wuerttemberg zu den kulturellen Aushaengeschildern dieses Bundeslandes - ein ebenso begeisterungs- wie leistungsfaehiger Klangkoerper, der sich immer wieder als musikalische Talentschmiede erwiesen hat.

Dass die einzigartig konstante Aufbauarbeit des 1941 in Berlin geborenen Dirigenten auch nach drei Jahrzehnten unvermindert reiche Fruechte traegt, wurde beim Abschlusskonzert der aktuellen Jubilaeumstournee im Wieslocher Palatin eindrucksvoll offenbar. Den programmatischen Schwerpunkt bildete dabei mit Gustav Mahlers vierter Sinfonie eines der kompositorisch komplexesten und interpretatorisch diffizilsten Großwerke der gesamten spaetromantischen Orchesterliteratur.

Die kuenstlerische Herausforderung dieses Viersaetzers liegt zweifelsohne in seiner besonders subtilen Verbindung von oft kammermusikalischer Auffaecherung, kindlich-naiv anmutender Liedidyllik, illusionslos- bissiger Ironie und -nicht zuletzt -dionysisch ausbrechender Vitalitaet. Christoph Wyneken und das in allen Instrumentengruppe superb disponierte Orchester praesentierten eine im besten Sinne kraftvoll-juvenile Lesart des Werkes, die freilich auch den breit stroemenden Lyrismen des zentralen Adagios bezwingende Ausdruckswaerme und Klangintensitaet angedeihen ließ. Erfrischend leicht und klar gelang das von Silke Schwarz natuerlich leuchtendem Sopransolo gekroente Liedfinale.

Den ebenfalls hoerenswerten "Vorspann" zu dieser umjubelten Mahler-Glanzleistung lieferten neben der vergnüglich laermenden "Festlichen Ouvertuere" op. 96 von Schostakowitsch die beliebten "Rokoko Variationen" op. 33 und das selten gespielte "Pezzo capriccioso" op.62 von Tschaikowsky - die beiden einzigen Originalkompositionen des russischen Meisters für Cello und Orchester Der von seinen jungen Musikerkollegen famos delikat begleitete Pablo-Casals-Preistraeger Claudio Bohóquez (geb. 1976) überzeugte nicht nur als ebenso eleganter wie brillanter Bravourvirtuose in Sachen Tschaikowsky, sondern auch und gerade als ungewoehnlich reifer Interpret zweier kaum klanggeschineidiger zu bietenden Bach-Zugaben. Ein Star von morgen.
14.11.2002 Ein Komet zog durch den Staufersaal (Wieslocher Woche)
Wieslocher Woche 14.11.02

Musikalische Urfreude mit dem Landesjugendorchester und dem Solisten Claudio Bohórquez

(kob). Den der musikalischen Jugend vorbehaltenen Abend der Konzertreihe mochte niemand gerne versäumen, zumal ein Festkonzert mit Jubiläumsprogramm anstand. Die festliche Ouvertüre A-Dur, op. 96 von Dimitri Schostakowitsch, 1954 entstanden, mit der die jungen Musiker sozusagen ins Haus platzten, war so recht nach unserem Geschmack! Das Stück kommt so schnell, fröhlich und stürmisch-übermütig daher, dass Musiker und Zuhörer in gleicher Weise von dem Gefühl überwältigt waren, einen Riesen-Appetithappen erwischt zu haben. Hier schon konnten die Riegen der Streicher, der Bläser und der Percussion zeigen, was in ihnen steckte. Das war ebenso präzise wie ausgefeilt, war blitzsaubere Einsatzbereitschaft und astreine Intonation, getragen von einem mitreißenden Schwung. Die wenigen herrlichen Konzertminuten mit Schostakowitschs festlicher Ouvertüre mündeten in stürmischen Applaus. Aber die ungeahnte Steigerung des großen Abends stand noch an. Eine Kometenerscheinung faszinierte den Saal in Gestalt des Cellosolisten C1audio Bohórquez.

Er schien von einem anderen, sehr heiteren Stern zu kommen, auf welchem eine Meister-schaft ohne verbissene Bogenarbeit und harte Griffbrettakrobatik einfach so zufliegt. Wie anders konnte ihm bei Peter Tschaikowkys Variationen I-VII über ein Rokokothema ein so zarter, unbeschwerter Klang gelingen, schwebend leicht auf einem unter allen Aspekten lichten Instrument. Die Piano-Repetitionen des Themas glitten schwerelos dahin, ungetrübt und unverhaucht, als liefere sie das Violoncello selbst gratis und frei Haus. Auch in den ernsten, stimmungsgeladenen Partien blieb diese über alles triumphierende Leichtigkeit und bestimmte noch die stürmisch-virtuosen Passagen mit Doppelgriffen und Glissandi. Das alles war eingebettet in das Gefüge einer vorzüglich umhüllenden und mit Flöten und Holzbläsern viele Glanzlichter aufsetzenden Orchesterbegleitung.
Da war wechselseitige Inspiration spürbar. Mit dem Pezzo Cappriccioso h-moll, op 62 des gleichen Komponisten verließ Claudio Bohórquez die Rokoko Thematik, nicht aber seinen phantastischen Spielstil und durchstreifte mit dem Orchester schöne von den Hörnern vergoldete sangliche Partien bis hin zu einem temperamentgeladenen Fugato-Spiel, unter dessen überwältigendem Eindruck man innerlich nach Worten suchte "ein Paganini des Violoncellos" meinte vorsichtig das eigene innere Echo. "Ein Bohórquez des Violoncellos" muss es treffender lauten, angesichts der ganz spezifischen Qualität des Cellospiels dieses jungen Meisters. In nahezu grenzenloser Begeisterung feierte die Zuhörerschaft die Begegnung mit ihm in endlosem stürmischem Beifall. Die zweite seiner Zugaben aus Bachs sechster Solosuite widmete der Cello-Solist "diesem wunderbaren Orchester" d. h. dem Landesjugendorchester, mit dem er nun eine Weile habe zusammenarbeiten dürfen. Er erntete damit lebhafteste Zustimmung des Publikums

Bei Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 4 G-dur, op. 7 sind schon die Satzbezeichnungen aussagekräftig: "Bedächtig. Nicht eilen. In gemächlicher Bewegung. Ohne Hast -ruhevoll." Dahinter steht eine blühende, leuchtende Musik, so weitausladend, wechselhaft und farbig wie der Tageslauf eines Spaziergangs in den Alpen oder eines Italienschlichen Lebensbildes, das einem vor Augen tritt. Das Landesjugendorchester brachte mit seinem speziellen geradezu berückenden Klangspektrum dabei die unzähligen Farbpunkte eines pointillistischen Gemäldes herrlich zum Leuchten und nahm die tänzerischen Impulse behende auf.
Christof Wyneken, der das Wunderwerk des Konzertabends einstudiert hatte, dirigierte in
heiterer engagierter Gelassenheit, wie jemand, der weiß, dass er einen Goldschatz verwaltet. So konnte man mit dem wunderschönen Sopran-Solo der Solistin Silke Schwarz am Ende des vierten Satzes beseligt innerlich mitsingen. "Wir genießen die himmlischen Freuden..."
14.11.2002 Teddybaer und heiliger Ernst (Stuttgarter Zeitung)
Das Landesjugendorchester feiert seinen 30. mit einem Konzert im Beethovensaal
Stuttgarter Zeitung, November 2002, 14.11.2002

Hochstimmung im Beethovensaal: Mit prallem Selbstbewusstsein und schmetternden Fanfaren feierte das Landesjugendorchester Baden-Württemberg seinen 30. Geburtstag. Drei Festredner aus Politik, Kultur und Wirtschaft, im Verhältnis zu den Musikern im väterlichen oder gar großväterlichen Alter, rühmten in mehr oder weniger wohlgesetzten Worten Engagement und Leistung des Klangkörpers. Und der Dirigent Christoph Wyneken, von Anfang an der Chef vom Ganzen und seitdem zwar ergraut, aber alles andere als im Amte erschlafft, bekam das Bundesverdienstkreuz ans Revers geheftet.

Alles schön und gut - aber letztlich gilt es auch hier und vor allem der Musik. Dmitri Schostakowitschs Festliche Ouvertüre ist eine brillante Mischung aus Pomp und Leichtigkeit - und war damit ein überaus passender Auftakt. Denn die Musiker und Musikerinnen, zwischen 15 und 22 Jahre alt, scheinen zwar um den heiligen Ernst zu wissen, den man Frau Musica schuldet, ihre Kunst aber gleichzeitig mit lockerem Schwung anzugehen.

Auch für Peter Tschaikowskys "Gesamtwerk für Cello und Orchester", wie die zwei nicht gerade zentralen Stücke aus dem Oeuvre des russischen Komponisten etwas vollmundig angekündigt wurden, traf das Orchester den rechten Ton. Gemeinsam mit dem Jungstar Claudio Bohórquez, der mit 26 nicht viel älter ist als die "Senioren" im Landesjugendorchester, lichteten Musiker und Dirigent das dezente Gewebe Tschaikowskys in den "Rokoko-Variationen" auf und gaben dem "Pezzo Capriccioso" den rechten Schuss Melancholie mit.

Nach der Pause - und damit schon ein bisschen spät für die ganz jungen Besucher - gab es mit Gustav Mahlers 4. Sinfonie ein Stück, das allein schon durch die fast einstündige Spieldauer, aber auch durch allerlei solistische Anforderungen keine einfache Angelegenheit ist. Wyneken ging auch hier mit ansteckendem Schwung zu Werke und arbeitete sowohl das Musikantische an Mahlers Komposition als auch die tiefe Zerrissenheit seiner Musik heraus. Deren Mischung aus kindlicher Naivität und hintergründiger Drohgebärde wurde besonders im letzten Satz deutlich, den die junge Sängerin Silke Schwarz mit zartem Sopran bereicherte.

Das ungemein vitale Spiel des Landesjugendorchesters und die brillante Bewältigung aller virtuosen Hürden sind ein eindrucksvolles Zeugnis für die musikalische Jugendarbeit im Lande. Das löste nicht nur Jubel des munteren Publikums aus, sondern ist auch Grund zur Vorfreude auf die stärkere Präsenz, die das Landesjugendorchester in Stuttgart anstrebt.

Da schaute sogar der Teddybär, der das Konzert als Maskottchen am Schlagwerk begleitet hatte, so richtig glücklich drein.

09.11.2002 Zwischentöne gesucht (Stuttgarter Nachrichten)
Das Landesjugendorchester in der Liederhalle. - Musik in Anführungszeichen: Das sind die Werke von Dmitri Schostakowitsch manchmal und die von Gustav Mahler fast immer. Als jetzt das Landesjugendorchester, eine knappe Hundertschaft musikalisch hoch begabter Jugendlicher, In den Beethovensaal der Liederhalle kam, um dort musizierend den 30. Geburtstag des Orchesters zu feiern, spielte man Schostakowitsch und Mahler. Allerdings ist die festliche Ouvertüre op 96 des Russen ein eher affirmatives Stück - ein Werk, das in A-Dur jubelt.

Das passte immerhin zum Anlass. Dem künstlerischen Leiter des Landesjugendorchesters, Chrlstoph Wyneken, wurde im Rahmen des Festkonzertes das Bundesverdienstkreuz verliehen. Mahlers vierte Sinfonie kam anschließend sehr präzise und sehr kantig daher, spieltechnisch bereitete sie offenbar keine größeren Probleme, und zumal die Bläserstimmen waren so sauber geführt, wie es selbst bei Profiorchestern nicht alltäglich ist. Auch die Brüche und Extreme hatte Chrlstoph Wyneken prägnant herausgearbeitet. Doch: Ganz überzeugend wirkte das Ergebnis nicht. Jene Zwischentöne, die der Gratwanderung zwischen Schein und Sein bei Mahler immer wieder Brisanz verleihen, vermisste man ebenso wie eine gewisse gedanklich-emotionale Tiefenschärfe

In Tschaikowskys Rokoko-Variationen entpuppte sich der Sollst Claudio Bohórquez nicht nur als überaus fingerflinker Cellist, sondern als sehr kompletter Musiker. Stets in Kontakt zum leichtfüßig und elegant begleitenden Orchester, verlieh er jeder Variation eine eigene Farbe und einen individuellen Charakter

Stuttgarter Nachrichten 09.11.02
09.11.2002 Kindliche Naivität und Drohgebärde (Stuttgarter Zeitung)
Stuttgarter Zeitung 09.11.02

Kindliche Naivität und Drohgebärde

Landesjugendorchester feiert seinen Dreißigsten mit einem Konzert im Beethovensaal

Hochstimmung im Beethovensaal: mit prallem Selbstbewusstsein und schmetternden Fanfaren feierte das Landesjugendorchester Baden-Württemberg seinen dreißigsten Geburtstag. Drei Festredner aus Politik, Kultur und Wirtschaft, im Verhältnis zu den Musikern im väterlichen oder gar großväterlichen Alter, rühmten in mehr oder weniger wohlgesetzten Worten Engagement und Leistung des Klangkörpers. Und der Dirigent Christoph Wyneken, von Anfang an der Chef vom Ganzen und seitdem zwar ergraut, aber alles andere als im Amte erschlafft, bekam das Bundesverdielnstkreuz ans Revers geheftet.

Alles schön und gut aber letztlich gilt\'s auch hier und vor allem der Musik. Dmitri Schostakowitschs festliche Ouvertüre ist eine brillante Mischung aus Pomp und Leichtigkeit und war damit ein überaus passender Auftakt. Denn die Musiker und Musikerinnen, zwischen 15 und 22 Jahre alt, scheinen zwar um den Ernst zu wissen, den man Frau Musica schuldet, ihre Kunst aber gleichzeitig mit lockerem Schwung anzugehen. Auch für Peter Tschaikowskys "Gesamtwerk für Cello und Orchester", wie die zwei nicht gerade zentralen Stücke aus dem Oeuvre des russischen Komponisten etwasvollmundig angekündigt wurden, traf das Orchester den rechten Ton. Gemeinsam mit dem Jungstar Claudio Bohórquez, der mit 26 nicht viel älter ist als die "Senioren" im Landesjugendorchester, lichteten Musiker und Dirigent das dezente Gewebe Tschaikowskys in den "Rokoko Variationen" auf und gaben dem "Pezzo Capriccioso" den rechten Schuss Melancholie mit.

Nach der Pause und damit schon ein bisschen spät für die ganz jungen Besucher gab es mit Gustav Mahlers vierte Sinfonie ein Stück, das allein schon durch die fast einstündige Spieldauer, aber auch durch allerlei solistische Anforderungen keine einfache Angelegenheit ist. Wyneken ging auch hier mit ansteckendem Schwung zu Werke und arbeitete sowohl das Musikalische an Mahlers Komposition als auch die tiefe Zerrissenheit seiner Musik heraus. Deren Mischung aus kindlicher Naivität und hintergründiger Drohgebärde wurde besonders im letzten Satz deutlich, den die junge Sängerin Silke Schwarz mit zartem Sopran bereicherte

Das vitale Spiel des Landesjugendorchesters und die brillante Bewältigung aller virtuosen Hürden sind ein eindrucksvolles Zeugnis für die musikalische Jugendarbeit im Lande. Das löste nicht nur den Jubel des Publikums aus, sondern ist auch Grund zur Vorfreude auf die stärkere Präsenz, die das Orchester in Stuttgart anstrebt.

09.11.2002 Den unverwechselbaren Ton den LJO mitgeprägt (Badische Zeitung)
Bundesverdienstkreuz für Staufener Orchesterchef Christoph Wyneken / Anerkennung für Dörderung des Musikernachwuchses



STAUFEN/STUTTGART (mad). Christoph Wyneken aus Staufen, Dirigent und künstlerischer Leiter des Landesjugendorchesters (LJO) Baden-Württemberg, ist mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt worden. Die Auszeichnung überbrachte Staatssekrtär Helmut Rau (MdL) im Rahmen des Jubiläumskonzertes zum 30-jährigen Bestehen des LJO im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle.

Rau betonte in seiner Laudatio, dass Christoph Wyneken als Mitbegründer ganz wesentlich zum Erfolg des Landesjugendorchesters beigetragen habe. Regelmäßig kämen etwa ein Viertel aller Bundespreisträger "Jugend musiziert" aus Baden-Württemberg. Dies spiegele sich zweifelsohne in dem ausgezeichneten Orchester wieder, das den Vergleich mit der professionellen Leitung vieler Berufsorchester nicht zu scheuen brauche. Das LJO sei nach den Worten des Staatssekretärs zu einem "hervorragenden kulturellen Botschafter unseres Landes" geworden. Dies hätte sich erneut bei der Tournee durch Südpolen im Frühjahr bestätigt. Christoph Wyneken präge seit drei Jahrzehnten den "unverwechselbaren Ton des Orchesters", lobte Rau die Persönlichkeit des Chefdirigenten.

Christoph Wyneken, der mit seiner Familie in Wettelbrunn lebt, wurde 1941 in Berlin geboren. Er studierte Violine und Dirigieren an den Hochschulen in Berlin, Detmold und Austin/Texas. Seine Orchesterlaufbahn als Geiger absolvierte er beim Radio-Sinfonieorchester Berlin, bei den Berliner Philharmonikern und als 1. Konzertmeister des NDR in Hannover. Hinzu kamen zahlreiche Kammermusikkonzerte als Mitglied des Berliner Streichtrios und des Waldstein-Klaviertrios. Nach weiteren Stationen als Dirigent im In- und Ausland verlagerte er seinen Schwerpunkt ins Unterrichtsfach und lehrt heute an der Musikhochschule Freiburg sowie als Gastprofessor an der Musikhochschule Musachino in Tokio/Japan. In Staufen war Wyneken Begründer der "Stubenhauskonzerte". Sein nächster Auftritt mit dem LJO findet am 1. Dezember, 18 Uhr, im Konzerthaus in Freiburg im Rahmen eines UNESCO-Benefizkonzertes zum Welt-Aids-Tag statt.

Badische Zeitung, 09.11.02
07.11.2002 Technische Reife und hohe Musikalität überzeugten (Rhein-Neckar-Zeitung)
Solist Claudio Bohorquez bestach in Werken von Tschaikowsky und Bach durch virtuose Meisterschaft und tiefes Werkverständnis

Rhein-Neckar-Zeitung, 07.11.02

Adelsheim. Großartig, ganz großartig! Anders kann man das, was am Samstagabend in der großen Aula des Eckenberg-Gymnasiums geboten wurde, nicht bezeichnen. Großartig der Besuch, denn wann hat man das schon bei einem Sinfoniekonzert in Adelsheim erlebt. über 300 Besucher? Großartig das Programm und geradezu bravourös die Leistung des Landesjugendorchesters! Dieses junge Orchester Überrascht immer wieder aufs neue, fasziniert die Zuhörer mit seiner Vitalität und Spielfreude und überzeugt durch seine technische Reife und hohe Musikalität.

Wenn man weiß, welch starker Fluktuation das Orchester unterworfen ist - die durchschnittliche Verweildauer der 13 bis 20-Jährigen beträgt zirka zwei Jahre - kann nur den Hut ziehen vor derartiger Leistung und Homogenität. Hut ab aber vor allem vor dem Dirigenten Christoph Wyneken, der es in den 30 Jahren, seit denen das Landesjugendorchester Baden-Württemberg besteht, stets verstanden hat, seine Schützlinge zu begeistern für die klassische Musik, sie anzuspornen und zu solch exzellenter Leistung zu führen, wie sie die dankbaren Zuhörer am Samstagabend erleben durften.

Das Programm des Abends, eine Reverenz gegenüber dem Land, welches gegenwärtig seinen 50. Geburtstag feiert, hatte es in sich und stellte hohe Ansprüche an die Leistungskraft aller Beteiligten. Es begann mit Dmitri Schostakowitschs 1954 entstandener "Festlicher Ouvertüre A-Dur ,op. 96", einem Optimismus ausstrahlendem Werk. Das Entstehungsjahr ist das Jahr nach Stalins plötzlichem Tod. Die "Ouvertüre" atmet den Geist der "Tauwetterperiode", einer typischen Übergangszeit mit all ihren Hoffnungen, einer Zeit des Aufatmens nach der langen stalinistischen Ära der Unterdrückung und Abstrafung jeglichen subjektiven Gestaltungswillens Auch Schostakowitsch wurde bekanntlich mehrfach das Opfer von Maßregelungen durch die KP der Sowjetunion und ihrer Kulturbürokratie,. 1954 scheint dieser Druck, unter dem er fast 20 Jahre gestanden hatte, vom Komponisten gewichen zu sein, und die Freude darüber leuchtet durch das ganze Opus 96

Das Landesjugendorchester gestaltete dieses Werk mit sichtlicher Freude. Kräftig und schwungvoll setzte es mit allen Instrumenten ein, gefolgt vom Wechsel schöner Soli der einzelnen Bläsergruppen mit den Tuttis der Streicher, unterbrochen von aufpeitschenden Beckenschlägen. Danach ein Wechsel ins Piano mit Streicherpizzicati, langsame Steigerung von Tonstärke und Tempo, schließlich ein mitreißendes "Finale fortissimo et presto" -ein Vorgeschmack auf das nun Folgende. Peter Tschaikowskys "Variationen über ein Rokoko-Thema op. 33", auf die und den interpretierenden Solisten Claudio Bohórquez die Eingeweihten schon seit Wochen mit Spannung gewartet hatten. Vor Jahren hatte Bohórquez sie schon ins einem ersten Konzert in Adelsheim begeistert. Ihre Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden -ganz im Gegenteil!

Dieses Miniatur-Cellokonzert, geschrieben in Form eines Variationszyklus, hatte Tschaikowsky einem engen Freund gewidmet. Nach wenigen einleitenden Taktendes Orchesters, die das Thema bereits motivisch vorwegnehmen, wird dieses vom Solisten vorgestellt und in sieben abwechslungsreichen und technisch anspruchsvollen Variationen durchgeführt, die durch vermittelnde und untereinander eng verwandte Orchesterzwischenspiele verbunden sind. Die ersten beiden Varianten bringen das an Mozart anklingend Thema mit lebhaften Figurationen des Solisten, Die dritte Variatiation trägt lyrische Züge, die vierte imitiert; einen galanten Tanz; In der fünften übernimmt die Flöte das Thema, vom Cello graziös begleitet, in der sechsten wird das Thema als Romanze vorgetragen. Die siebte schließlich beendet das reizende Stück in einem wirbelnden "Allegro vivo". Den "Rokoko-Variationen" folgte das "Pezzo Capriccioso h-Moll, op. 62", eine weitere Cellokomposition Tschaikowskys, ein virtuosenhaftes Werk für Cello-Solo mit kleiner Orchesterbegleitung, in dem Bohórquez erneut sein Können entfalten konnte. Der danach aufbrandende und nicht enden wollende Beifall des enthusiasmierten Publikums veranlassten den jungen Künstler ungewöhnlich in einem solchen Konzert - zu einer prachtvollen Zugabe, einer Sarabende von J. S. Bach.

Eindrucksvoll demonstrierte der 26-jährige Claudio Bohórquez, welche künstlerische Reife, welche virtuose Meisterschaft und technische Perfektion, aber auch welch tiefes musikalisches Werkverständnis er inzwischen erreicht hat. Mit ungemeiner Begeisterung spielte er, elegant und flexibel in der Bogenführung, enorm variabel in der Tonstärke, ganz eins mit seinem Instrument, einem Cello des berühmten Pablo Casals. Man sah es ihm förmlich an, welche Freude es ihm bereitete zu spielen und andere mit seinem Spiel zu verzaubern. Mühelos bewältigte er die verfänglichsten technischen Schwierigkeiten, an denen es den "Variationen" nicht mangelt

Unter Wynekens behutsamer Führung hielt sich das Orchester sehr zurück, ganz der Intention des Komponisten entsprechend, um das Soloinstrument brillieren zulassen. Lediglich ein Streichquintett und die Holzbläser traten stärker hervor. Den Holzbläsern gebührt für ihre Leistungen an dieser Stelle ein dickes Lob!

Nach einer Pause folgte im zweiten Teil Gustav Mahlers "Sinfonie Nr. 4 G-Dur, op7", eine so genannte Finale-Sinfonie, in welcher das Finale das Ziel bildet, in diesem Fall das himmlische Leben. Die Sinfonie führt also aus dem irdischen zum himmlischen Leben. Bedächtig und ohne Hast, in ruhigem Tempo verlaufen die ersten drei Sätze. Der erste heiter gelöst mit einem graziösen, kantablen Thema, der zweite erinnert daran, dass über allem Menschenglück das Leid liegt. lm dritten Satz herrscht zunächst eine abgeklärte, ruhige Stimmung, sein Klang erhält "paradiesischen Glanz", der aber wie eine Vision verlischt. Erst gegen Ende des Satzes gelangt das Gesamtkonzept in seine entscheidende Phase. Das Finale-Thema wird behaglich sich wiegend, von der Klarinette angestimmt eine reife Leistung! " Wir genießen die himmlischen Freuden, drum tun wir das Irdische meiden", verkündet der Solo-Sopran Nach jeder Strophe dieses Gedichts aus "Des Knaben Wunderhorn" fällt das Orchester mit grellen Beckenschlägen dazwischen das himmlische Leben stellt sich lediglich als Fortsetzung des sinnlos-irdischen Weltenlaufes heraus. Den Ausklang bildet eine Kammermusik von Harfe, Baßklarinette und Violoncello; im Pianissimo verklingend, ist sie wie eine Reminiszenz an die ferne Welt des Märchens.

Hier wurde den jungen Musikern Einiges abverlangt, allen voran den Holzbläsern, und hier wiederum den Hörnern, deren saubere Bewältigung aller Schwierigkeiten höchste Anerkennung verdient.

Die Sopranistin Silke Burth verfügt übereine sehr schöne lyrische Stimme, in der Höhe strahlend hell und rein, für ihr Alter(22 Jahre) schon erstaunlich kräftig. Allerdings fehlt es ihr -verständlicherweise - in den tieferen Lagen noch an Fülle, die abersicher noch kommt. Jedenfalls dürfte sie am Anfang einer verheißungsvollen Karriere stehen.

Das Konzert am 2. November war eine der besten Leistungen, die es bisher abgeliefert hat. Christoph Wyneken dirigierte wie gewohnt, souverän, mit ruhiger Hand, das Orchester folgte jeder Bewegung, auch seiner Lippen, auf das Genaueste. Besser konnte das Verständnis zwischen Dirigent und Musikern gar nicht sein Das Publikum erkannte diese außerordentliche Leistung, war hingerissen vom mitreißenden, faszinierenden Spiel und spendete am Ende langen und stürmischen Beifall. gap
07.11.2002 "Musizieren vermittelt auch andere Werte" (Stuttgarter Nachrichten)
Kurzinterview mit Christoph Wyneken

Derzeit wird laut über die Misere der musikalischen Bildung in Deutschland lamentiert. Spüren Sie dass im Orchester?

Bei den jungen Leuten gibt es oft eine Divergenz zwischen den manuellen Fähigkeiten, die mit den Jahren immer besser geworden sind, und der musikalischen Seite. Begabte Jugendliche, bei denen beides zusammengeht, sind selten geworden.

Wie steht das Landesjugendorchester (LJO) da im Vergleich zu Jugendorchestern anderer Bundesländer?

Man sagt, wir seien nach dem Bundesjugendorchester das am besten besetzte Jugendorchester. Das mag daran liegen, dass wir das Bundesland mit den meisten Musikschulen sind. Ein weiterer Grund ist aber auch, dass in den fünf Hochschulen des Landes flächendeckend Vorklassen angeboten werden.

Was ist das Ziel Ihrer Arbeit im LJO: die Erziehung der jungen Leute zu Orchestermusikern?

Nicht ausschließlich - dafür sind die Stellen in Profi-Orchestern mittlerweile viel zu knapp. Aber gemeinsames Musizieren vermittelt ja nicht nur mehr technisches Können, sondern auch andere Werte - zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit, Durchsetzungskraft und Verantwortungsgefühl.



Stuttgarter Zeitung, 07.11.2002
26.03.2002 Aus dem Nichts heraus entsteht Musik (Rhein-Neckar-Zeitung)
Rhein-Neckar-Zeitung 26.03.02

Aus den Schwärmen kommt der Orchestermanager überhaupt nicht heraus. "Junge Leute", allesamt hochkarätige Instrumentalisten, "kommen da für zwei Wochen zusammen, und aus dem Nichts heraus entsteht schon am ersten Probentag Musik, die sich schrittweise zum Konzertniveau steigert". So umschreibt Sönke Lentz, studierter Kulturwissenschaftler mit Schwerpunkt Musik und Management, den "spannenden Prozess" in jeder Arbeitsphase, bevor dann "der Funke rüberspringt" und das bis zu 90 Köpfen große Landesjugendorchester Baden-Württemberg (LJO) "Emotionalität, Elan und Feuer" vermittelt.

30 Jahre besteht nun dieses Ensemble, das damals der international reputierte Christoph Wyneken zusammen mit Lehrern der städtischen Musikschule Lahr aus der Taufe hob. Bis zum heutigen Tag verfolgt der gebürtige Berliner eines seiner wichtigsten Anliegen, nämlich hoch begabte junge Musiker auszubilden und zu fördern. Da die ausgewählten Spieler im Alter von 15 bis 22 Jahren allesamt auch regelmäßig die Preise beim Wettbewerb "Jugend musiziert" einheimsen, versteht sich von selbst, dass das Orchester bundesweit höchste Anerkennung genießt. Ein aktuelles Beispiel: die musikalische Umrahmung des Neujahrsempfangs der Landesregierung in Mannheim.

Seit knapp zwei Jahren führt Sönke Lentz das Büro des LJO in Heidelberg in der Von-der-Tann-Straße 9. Des "schönen kulturellen Pflasters" wegen siedelte sich der ursprünglich aus Harnburg stammende 28-Jährige am Neckar an und organisiert von hier aus die Konzerte, betreut die Arbeitsphasen (meist in Weikersheim im Taubertal oder in Ochsenhausen bei Biberbach) und verwaltet die Fi­nanzen. Auf runde 250 000 Euro beläuft sich das jährliche Budget, zu gleichen Teilen vom Land, den Orchestermitgliedern nebst Förderverein, einem Sponsoren-Pool und der Sparkassen-Finanzgruppe getragen.

"Sponsoren sind jeder Zeit willkommen", lacht Lentz, früher selbst einmal Mitglied in Landesorchestern und selbstredend noch äußerst fit in Klavier und Kontrabass. Nicht billig gestalten sich nämlich die verschiedenen Unterfangen wie in den Osterferien eine groß angelegte Konzert­ und Begegnungsreise nach Südpolen. Die Probenarbeit gemeinsam mit jungen polnischen Musikern beginnt in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Kreisau südlich von Breslau. Das dabei erarbeitete sinfonische Konzertprograrnm führen die Schützlinge von Christoph Wyneken in Katowice, Bielsko-Biala und Krakau auf, später in Weimar zusammen mit dem LJO Thüringen.

Aus dem ganzen Ländle stammen die LJOler. Frühzeitige Orchesterfahrung, Kennenlernen großer Werke der Orchesterliteratur und die pädagogischen Einheit von Erarbeitung und anschließender Erprobung auf dem Konzertpodium lautet für sie das Konzept. Und die Perspektive? Meist ein Weg bis zu den höchsten Weihen, etwa bei den Berliner, Münchner oder Wiener Philharmonikern oder als Dozenten an namhaften Musikschulen. Dementsprechend pflastern Preise, Stipendiate und Meisterkurse schon von Kindesbeinen an die Vita solcher Eleven.

So gab Stefan Tarara, für die Polentournee als Solist verpflichtet, schon als Vierjähriger sein erstes Geigenkonzert und gehört seit anno 1994 zu den festen Größen bei "Jugend musiziert".

14 Lenze zählt der herzerfrischend parlie­rende Altstädter erst. Der Ziegelhäuser Martin Rohe, vier Jahre älter, seit 1998 im LJO und gar gestandener Konzertmeister, blickt genauso wie die jüngere Schwester Susanne auf eine fulminante Geigenkarriere zurück.

Zur starken nordbadischen Fraktion gehören zudem Meike-Lu Schneider, Jonathan Gammert (Heiligkreuzsteinach) David Ott (Leimen) und Henriette Becker (Schriesheim).

Dementsprechend liegt ihnen noch ein ganz besonderer Wunsch auf dem Herzen: Für 2003 eine Einladung zum " Heidelberger Frühling" oder zu einem anderen Konzert in der Region, denn "irgendwie scheinen da die Schwaben offener zu sein".

Thomas Seiler
15.01.2002 Junge Talente begeistern ihre Zuhörer (Badische Zeitung)
Badische Zeitung, 15.01.02

STAUFEN. Großer Publikumsandrang herrschte beim Neujahrskonzert der Stadt Staufen in der Aula des Faust-Gymnasiums. Bürgermeister Michael Benitz hatte die glückliche Idee, das Landesjugendorchester unter der Leitung von Christoph Wyneken für diesen Anlass zu engagieren. Und obwohl die Einladung an das Orchester erst ganz kurzfristig ergangen war, klappte am späten Samstagnachmittag alles wie am Schnürchen, und das Publikum war voll den fulminanten Darbietungen sehr begeistert.

Den Auftakt bietet einen Leckerbissen der romantischen Musik: Smetanas Orchesterstück "Die Moldau". Die Interpretation greift sämtliche tondichterischen Elemente mit Nachdruck auf: Landschaftliche Eindrücke und mythologische Geheimnisse, Glanz, Ruhm und Tragik der Geschichte, mondbeglänzte Nixentänze und rauschende Stromschnellen - das baut immer neue Bilder auf. Es läuft einem kalt den Rücken herunter, wenn die dramatische Aufhellung von E-Moll in C-Dur erfolgt. Man hört es deutlich, dass hier junge Preisträger spielen, Talente, die sich durch unverbrauchte Freude am Spiel ebenso auszeichnen wie durch hervorragendes technisches Können.

Als zweites Stück stehen die "Zigeunerweisen" von Pablo de Sarasate auf dem Programm. Solist ist der fünfzehnjährige Stefan Tarara - ein Name, den man sich merken muss. Tarara zeigt sich in seinem Spiel als Teufelsgeiger -und das nicht etwa im klischeehaften Sinne. Seine Technik ist für einen Musiker seines Alters unglaublich präzise und den höchsten Anforderungen gewachsen. Wehklagende, langgezogene Klänge, Pizzicatos, Tremolos - er beherrscht sie, geht nahezu tollkühn aufs Ganze. Die wehmütigen Zigeunerklänge sind ebenso überzeugend gestaltet wie die fröhlichen. Dreimal ruft der überschwängliche Beifall den jungen Künstler zurück auf die Bühne. Eduard Strauss\' lustiger Walzer "Bahn frei" bringt einen Hauch von Operettenlaune in das Konzert. Beschwingt, turbulent und mit musikantischem Witz wird dieser Klassiker des Genres dargebracht; auch Eisenbahnermütze und Trillerpfeife fehlen nicht. Es ist wirklich an jedes Detail gedacht.

Der argentinische Tango "Ole Guapa" von Arie Malando - ein Evergreen, der auch die junge Generation begeistert - bietet nicht nur einen Ohrenschmaus, sondern zusätzlich auch etwas für\'s Auge: Ein Tangopaar zeigt zu den wohl bekannten Klängen seine pfiffige Tanzkunst mit gewollt erotischem Anklang. Doch das Landesjugendorchester hat noch weitere Karten im Ärmel.

Mit großem "Getöse" stürmt die rasante Polka "Unter Donner und Blitz" von Johann Strauss junior daher, das furiose Tempo, welches Wyneken anschlagen lässt, bringt die Füße der Zuhörer zum Wippen. Das ist so schön, dass man sich fast schon beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker glaubt. Viel zu schnell ist dieses Konzert zu Ende. Mit den wunderschönen Klangbildern von Johannes Brahms\' "Ungarischer Tanz Nr. 5" stimmt das Landesjugendorchester das Finale an. Gerade hier zeigt sich noch einmal das perfekte Zusammenspiel aller Instrumentengruppen und der dichte Orchesterzusammenhang. Nicht zu vergessen die kleinen, aber wichtigen Einzelleistungen. Donnernder Applaus belohnt diese exzellenten Darbietungen.

Eine Zugabe ist leider nicht möglich, da die jungen Musikerinnen und Musiker ihren Zug pünktlich erreichen müssen. Bleibt zu hoffen, dass der Wunsch von Bürgermeister Benitz in Erfüllung geht und das Landesjugendorchester auch in Zukunft die Neujahrskonzerte von Staufen, der "Kulturmetropole der Region", gestalten wird.

Bianca Flier
10.11.2001 Dirigent und Musiker überzeugten Publikum (Fränkische Nachrichten)
Exzellente Demonstration musikalischen Könnens junger Menschen / Interpretation faszinierend

Adelsheim. Seit vielen Jahren schon hat das Landesjugendorchester Baden-Württemberg mit seinen Konzerten Marksteine im Konzertleben der Stadt Adelsheim gesetzt. Immer wieder aufs Neue sind diese Konzerte großartige Erlebnisse, exzellente Demonstrationen musikalischen Könnens junger Menschen. Das Konzert am Samstag in der großen Aula des Eckenberg-Gymnasiums war wieder eine musikalische Sternstunde, eine Meisterleistung von Dirigent und Orchester.

Hier stimmte einfach alles: ein sehr diszipliniert auftretendes junges Ensemble begeistert, in bester Musizierlaune, souverän geleitet von einem Ruhe ausstrahlenden Dirigenten. Selten erlebte man eine derartige Harmonie zwischen Dirigent und Orchester. Mit dem Programm hatte man sich alles andere als eine leichte Aufgabe gestellt. Es war ein Gang durch die verschiedenen musikalischen Stilrichtungen der Romantik, des Impressionismus und Expressionismus, von der nationalen Färbung gar nicht zu sprechen. Ein Gang mit einer großen Spannweite und dementsprechenden Anforderungen an die Musiker im Alter zwischen 13 und 21 Jahren. Und eine Herausforderung für den Dirigenten Nicolas Pasquet dazu, der an diesem Abend zum dritten Mal das Landesjugendorchester in Adelsheim leitete.

Das Konzert begann mit Bedrich Smetanas "Die Moldau" aus dem sechsteiligen Zyklus "Mein Vaterland". Der Komponist schildert in diesem Werk den Lauf der Moldau, angefangen mit den beiden kleinen Quellen, der "Kühlen" und der "Warmen Moldau", über die Vereinigung dieser beiden Bächlein zu einem Strom, der durch Wälder und Fluren sowie durch Landschaften fließt. Im nächtlichen Mondscheinlicht tanzen die Wassernixen ihren Reigen.



Dann wirbelt der Strom in den St. Johann-Stromschnellen, fließt weiter im breitem Zug nach Prag und entschwindet schließlich in die Ferne - der Elbe zu. Es ist ein Werk feinster Tonmalerei. Bereits hier deutete sich an, was der Abend noch bringen würde. Mit hoher musikalischer Sensitivität setzte das Orchester ein: Muntere Flötenläufe, lyrisch zart, begleitet von Streicherpizzicati, malen das Plätschern der Quelle, das immer stärker anschwillt mit dem Einsetzen der Tutti und den Akzente setzenden Hörnerklängen, bis die schmelzenden Geigen, untermalt von den acht Kontrabässen, das Moldau Thema anstimmen. Der Fluß passiert nun eine Waldjagd (Hörnerfanfaren) und gelangt zu den derb-fröhlichen Polkaklängen einer Kirmesfeier.

Der Tanz verebbt, und im Mondschein tanzen die Nixen, geheimnisvoll von hohen Streicherakkorden umhüllt. Wieder klingt das Moldau-Thema an -plötzlich schrille Dissonanzen und spitze Einwürfe der Piccoloflöte, welche die St. Johann-Strom-schnellen ankündigen, deren Tosen und Wüten durch ein wahres Blechfurioso, Beckenschläge und aufschrillende Geigen wirkungsvoll ausgemalt wird. Majestätisch erklingt danach das Vyserad-Thema des ersten Teils von "Mein Vaterland" an, als der Strom am Burgfelsen vorbei gen Prag strömt.

Eine faszinierende Interpretation, von Pasquet souverän und Begeisterung entfachend dirigiert. Es folgte nun mit dem "Konzert für Horn und Orchester B-Dur op.91 II des russischen Komponisten Reinhold Gliere ein Glanzlicht dieses großartigen und Emotionen weckenden Konzerts. Gliere schrieb es auf Anregung des mit ihm befreundeten langjährigen Solohornisten des Moskauer Bolschoi-Theaters, Valeri Polekh, der sogar eine Kadenz dazu beisteuerte. Wie sich sehr bald herausstellte, ist dieses Konzert ein echter Prüfstein für das Können des Solisten. Gleich zu Beginn des ersten Satzes intoniert das Orchester das strahlend heitere Hauptthema, von den Geigen leidenschaftlich vorgetragen, die dabei von den Bläsern lautstark unterstützt werden.

Der dann folgende lyrische Gedanke wird vom 17-jährigen Solisten Christoph Eß, dreifacher Bundespreisträger des Wettbewerbs "Jugend musiziert", sauber, mit makellosem Ansatz in langen Melodiebögen gespielt. Dem eher nachdenklichen und gefühlsbetonten Andante mit schwierigen Läufen für den Solisten folgt ein virtuoses, von russischer Volksmusik inspiriertes Finale. Nach der Pause folgte Kurt Weills Ouvertüre zu "Der Silbersee", einem Märchen, zu welchem Georg Kaiser den Text beisteuerte.

Die Legende vom "Silbersee" besagt, dass der See auch im Sommer zufrieren kann, um Hilfsbedürftige zu retten. Hier zeigten insbesondere die Trompeter ausgezeichnete Leistung. Mit Claude Debussys "la Mer" erreichte das facettenreiche, großartige Konzert seinen absoluten Höhepunkt, aber auch die schwierigste Aufgabe.

Durch die Einführung der "Naturskala" in die moderne Orchestermusik wird bei Debussy die Natur zur Harfe und Orgel des Windes, das Thematische tritt stark hinter das Spiel von Motiven, deren Variierung und Entwicklung, hinter Farbe und Klang zurück. Es geht weniger um Impressionen des Sichtbaren, vielmehr um seelische Schwingungen, die sich in der typisch französischen Kunst des Andeutens statt des breitwandigen Ausmalens musikalisch niederschlagen. Nichts an dieser bis ins Feinste durchgearbeiteten Partitur ist skizzenhaft, so ist bei aller Ablehnung der Durchführungstechnik der traditionellen Symphonie dieselbe in diesem Werk doch evident. Im ersten Satz bestimmt ein wellenartiges triolisches Thema die sich machtvoll steigernde Entwicklung.

Vier leise Schläge des Tamtam markieren die Zäsur, auf welche die nächste vom vollen Streicherchor ausgehende und in einer lyrischen Variante des triolischen Themas ausklingende Entwicklung folgt. Der Satz endet mit einem coda-ähnlichen, sich aufgipfelnden Bläserchoral. Der Mittelsatz mit Scherzocharakter lässt jeden Begriff von geschlossener Form hinter sich. Er besteht aus einem unendlichen Fluten von motivischen Gebilden, die Musik gleicht dem Spiel der Wellen mit dem Auf und Ab von Klangereignissen. Faszinierend dieses Changieren der Farben, ihr Ineinandergreifen und Auseinanderstreben, das Spiel der Harfenglissandi und der Holzbläserverzierungen, welche die Unendlichkeit elementaren Kommens und Vergehens suggerieren. Der dritte Satz ist geprägt von dramatischer Spannung, welche aus dem Dualismus der Wind und Wellenmotive erwächst.

Bestimmend für den Fortgang des Satzes ist ein weitgespanntes, eingängiges A-Dur-Thema, dazwischen tönt das Fanfarenmotiv des ersten Satzes. In der Mitte des Satzes meldet sich hauchfein ein Bläserchoral, der sich allmählich zu einem wirkungsvollen Gipfel steigert. Eine turbulente Coda beendet das Werk mit einem Paukenschlag.

Nach diesem Meisterwerk war es kein Wunder, dass die Zuhörer begeisterten Beifall, in den sich laute Bravorufe mischten, spendeten.

gjp, Fränkische Nachrichten 10./11. November 2001

08.11.2001 Der Jubel kannte am Ende keine Grenzen (Rems-Zeitung)
Summa cum laude für Landesjugendorchester
Die besten Nachwuchsmusiker der Republik in Schwäbisch Gmünd

Auch im vorletzten Konzert der Herbstsaison des Landesjugendorchesters am Dienstag im Congress Centrum Stadtgarten in Gmünd war nichts zu spüren von Abnutzung oder Müdigkeit. Mit einer Frische sondergleichen wurde musiziert. Wer .die Projekte des LJO. Seit Jahren verfolgt ist immer wieder erstaunt ob einer ansteckenden Professionalität, in wenigen Wochen unter der Leitung von Dirigent und Fachdozenten zielstrebig erarbeitet.

Das Motto" Wasser" korrelierte mit der großen Besetzung (zwei Harfen, volles Blech und Schlagwerk): Smetanas "Moldau", Weills "Silbersee"-Ouvertüre, "La Mer" von Debussy und - als solistische Glanzleistung das Hornkonzert von Reinhold Glière - jedes Werk eine überaus anspruchsvolle Herausforderung, die sich nicht im Kampf um die schwierigen Passagen entlud, sondern im Gegenteil in solcher Selbstverständlichkeit, ja Leichtigkeit daherkam, dass man dahinter ein Team von .dauerhaft arbeitenden Musikern wähnte.

Der Kontinuität, einer Orchesterpädagogik des ständigen Leiters Christoph Wyneken stand der aus Uruguay stammende Dirigent Nikolás Pasquet in nichts nach. Der Professor an der Weimarer .Musikhochschule verkörpert den Idealtypus eines Dirigenten: präziseste Schlagtechnik ohne allürenhaft narzisstische Eitelkeit, dabei eine mitreißend gewinnende Gestik bezaubernder Ästhetik. Und genau darin lag das charmante Flair, des ganzen Abends. Pasquet ließ den Nachwuchsmusikern genügend Freiheit der Entfaltung ohne pingeliges Gänge1n, dafür aber mit unwiderstehl1cher Führung durch Phrasendetails bis zu den Höhepunkten, die ,saßen\'. Und so begann die "Moldau" ganz zart: dezentes Holz, sublime Streicher, bei Debussy bis fast ins Nichts zurückgenommen. Das Auf und Ab der Bewegungswellen war von zwingender Natürlichkeit; das Zielforte nie grob, sondern federnd, kraftvoll.

Dirigent und Orchester schienen um jede Nuance von Charme gleichsam augendzwinkernd zu wetteifern. Der "Ton" wurde wie selbstverständlich getroffen, etwa beim Qellendua1ismus oder der Bauernhochzeits-Folklore.

Christoph Eß, der 17 Jahre junge Hornsolist aus Tübingen überbot sich förmlich beim besagten Konzert des Russen Glière.Natürlich waren das vaterländische Pathos in der Tradition Tschaikowskijs oder die spatromantischen Assoziationen eines Richard Strauss eine Steilvorlage für den jungen Künstler, aber was er daraus machte! Das Horn ist ja das sensibelste und darum vom Ansatz her "zerbrechlichste" der Blechblasinstrumente. Beckmesser lässt bei jedem Kiekser hämisch grüßen. Und dann eine jugendliche Souveränität, sattelfest in allen Belangen: blendendes Legato, bestechender Anstatt bei gewaltigem Tonumfang, Echos durch Stopfen, Virtuosität der Läufe, eine Kadenz voller Risiko - alles ohne Protzen, dafür umso mehr "gesungen". Kein Wunder, dass das Orchester per Vorschusslorbeeren seinen Solisten hochleben ließ. Und Pasquet begleitete, als hätten es noch mehr Tempi- und Taktwechsel sein dürfen. Wein, viel zu selten zu hören, zeigte in seiner Ouvertüre zu "Silbersee" seine ganze Meisterschaft: ein ungemein dichtes, ja komprimiertes Stück, wie geschaffen für spritzige junge Leute, den jene abgeschmackte Routine zu Recht ein Gräuel ist. Schließlich der geballte Impressionismus von "La Mer", dem in der Interpretation durch das LJO nichts Abstraktes anhaftete. Auch hier wieder gekonnte Gegensätze (Wind und Meer, Wellen untereinander).

Der Konzertmeister des zweiten Programmteils und der erste Trompeter kontrastierten mit ihren Soloeinlagen perfekt das Tutti. Es bedarf keiner ausführlichen Würdigung des Schmelzens aller Streicher bis in höchste Lagen, des wunderbaren Strömens der Holzbläserklänge sowie der Akzente von Blech-, und Schlagzeugbatterie. Und wer es immer noch nicht vollzogen hatte: Der berühmte Tango von Malando unterstrich als Zugabe, wenn die Geigen ihre Kantilenen schmelzen lassen und ein geradezu knackiges Schlagzeug dezent, aber dezidiert das rhythmische Gerippe "tanzt". Der Jubel kannte keine Grenzen: summa cum laude!

Peter Skobowsky, Rems-Zeitung, 08.11.01

07.11.2001 Wassermusiken - diesmal nicht von Händel (Kreiszeitung Böblingen)
Kreiszeitung Böblingen, 07.11.01

Böblingen - Mit einem Großaufgebot an jungen und engagierten Musikern kam das LJO in die gut besuchte Kongresshalle. Unter der aufregend gestrafften Leitung von Nicolás Pasquet gelang ein virtuoses und dennoch stark emotional geprägtes Musizieren. Der 17-jährige Hornist Christoph Ess aus Tübingen begeisterte als Solist.

War es Zufall oder ein durchdachtes Programmkonzept? Drei Werke dieses Abends gaben sich als großbesetzte, sinfonische "Wassermusiken" zu erkennen, Zu Beginn die stimmungsvolle "Moldau" von Smetana. Live-Erlebnis für die zahlreich erschienene und für dieses Werk sicher besonders vorbereitete Schuljugend. Dann aber die kurze und effektvolle ganz auf das Theater abgestimmte Ouvertüre zu "Der Silbersee" von

Kurt Weill. Der Text dieses "Wintermärchens" stammte noch nicht von Brecht, sondern von dem Berliner Dramatiker Georg Kaiser. Zum Schluss dann das bekannteste Orchesterwerk Debussys, die dreisätzige sinfonische Dichtung "La Mer", ein Klangbild von großer Sensibilität und doch suggestiver Kraft. Die 95 Musiker zwischen 15 und.22 Jahren; fünf von ihnen stammen aus \'dem Kreis, haben ihre Parts in den Herbstferien mit acht professionellen Orchesterpraktikern einstudiert. Prof. Pasquet hat aus dem Riesenpotenzial dann ein spannendes künstlerisches Konzept entwickelt.

Er ist ein punktgenau schlagender, penibel formender, ausbalancierender Klagregisseur. Was den jungen Leuten an Routine fehlt, wird durch ein Übermaß an Begeisterungsfähigkeit ersetzt und die Ergebnisse sind phänomenal. Man spürte, dass hier nicht nur mit hervorragender instrumentaler Technik die Noten sauber gespielt wurden, hier haben musikalische und pädagogische Prozesse stattgefunden, die ein verstandenes und erfülltes Klangbewusstsein ermöglichten.

Was man bei der Moldau noch als allgemeines sinfonisches Orchesterverständnis subsumieren könnte, das reichte bei Debussy nicht mehr aus. Hier war es aber gelungen, der komplizierten Partitur einen ATEM ZU GEBEN UND SIE MIT Leben zu erfüllen. Pasquet und seiner Schar gelang es, Grenzen zu überschreiten und mit Intelligenz eine besondere Klanglichkeit zu erzeugen.

Alles im Fluss gehalten wurde auch bei dem Solowerk des Abends, bei dem vor 50 Jahren entstandenen Hornkonzert in B-Dur von Reinhold Moritzowitsch Glière. Die strömenden Klangfluten sind harmonisch schlicht gehalten, es gibt aber lange, schön geschwungene, gefühlvolle Kantilenen. Die Behandlung des Horns ist dabei glänzend und der junge Solist machte in mehrerer Hinsicht eine entsprechende Figur. Man spürte, dass er auftrittsgewohnt ist, die Nervosität konnte ihm keine Streiche spielen. Von kleinen Unebenheiten abgesehen, die sich im durchaus professionellen Rahmen hielten, meisterte er seinen Part in einer gesunden Verbindung von Gelassenheit und fesselnder Stringenz.

Christoph Ess ist ein Hornist, der mit spannender Linienführung operiert, in die technische Sicherheit waren auch Nachsinnen, Musikalität und Haltung eingeblendet. Ein Ausnahmemusiker, der seinen Weg gehen wird, wenn er ihn denn gehen will. Für ihn Beifall ohne Ende, Applaus und Blumen auch für den Dirigenten, dazu eine Bühne voll strahlender Jugend, die sich bewusst war, etwas Besonderes geleistet zu haben. Als Zugabe ein Wunschkonzert-Tango in umwerfender Szenerie. Aus aufnahmetechnischen Gründen spielte man ihn gleich noch mal.

Heute Abend um 19 Uhr wird das Konzert in der Leonberger Stadthalle wiederholt und dort wird auch zum 18. Mal der Leonberger



Wolfgang Teubner
07.11.2001 In allerbester Musizierlaune (Rhein-Neckar-Zeitung)
Landesjugendorchester brillierte am Samstag in Adelsheim - Verschiedene Stile und hohe Anforderungen

Adelsheim. (gjp) Seit vielen Jahren schon hat das Landesjugendorchester Baden-Württemberg mit seinen Konzerten Marksteine im Konzertleben der Stadt Adelsheim gesetzt. Immer wieder aufs Neue sind diese Konzerte großartige Erlebnisse und exzellente Demonstrationen musikalischen Könnens junger Menschen.

Das Konzert am Samstagabend in der großen Aula des Eckenberg-Gymnasiums war wieder eine musikalische Sternstunde, eine Meisterleistung von Dirigent und Orchester, die die seit Jahren treue Anhängerschaft, aber auch die neuen Konzertbesucher, die es zum ersten Mal hörten, hellauf begeisterte. Hier stimmte einfach alles: ein diszipliniert auftretendes junges Ensemble, in allerbester Musizierlaune, souverän geleitet von einem Ruhe ausstrahlenden Dirigenten, der das Ensemble zu Höchstleistung trieb.

Mit dem Programm hatte man sich alles andere als eine leichte Aufgabe gestellt. Es war ein Gang, keinesfalls ein Spaziergang, durch die verschiedenen musikalischen Stilrichtungen der Romantik, des Impressionismus und des Expressionismus. Ein Gang mit einer großen Spannweite und dementsprechenden Anforderungen an die Spieler im Alter zwischen 13 und 21 Jahren. Und eine Herausforderung für den Dirigenten Nicolas Pasquet dazu, der an diesem Abend zum dritten Mal das Landesjugendorchester in Adelsheim leitete.

Das Konzert begann mit Bedrich Smetanas "Die Moldau" aus dem Zyklus "Mein Vaterland". Der Komponist schildert in diesem Werk den Lauf der Moldau. Bereits hier deutete sich an, was der Abend noch bringen würde. Mit hoher musikalischer Sensitivität setzte das Orchester ein: Muntere Flötenläufe, lyrisch zart, begleitet von Streicherpizzicati, malen das Plätschern der Quelle, das immer stärker anschwillt mit dem Einsetzen der Tutti und den Akzente setzenden Hörnerklängen, bis die schmelzenden Geigen, untermalt von den acht Kontrabässen, das Moldau Thema anstimmen. Eine faszinierende Interpretation, von Pasquet souverän und Begeisterung entfachend dirigiert. Es folgte nun mit dem "Konzert für Horn und Orchester B-Dur op. 91" des russischen Komponisten Reinhold Gliere ein Glanzlicht dieses großartigen und Emotionen weckenden Konzerts. Gleich zu Beginn des ersten Satzes intonierte das Orchester das strahlend heitere Hauptthema, von den Geigen leidenschaftlich vorgetragen, die dabei von den Bläsern lautstark unterstützt wurden. Der dann folgende lyrische Gedanke wurde vom 17-jährigen Solisten Christoph Eß (Tübingen), dreifacher 1. Bundespreisträger des Wettbewerbs "Jugend musiziert" , sauber, mit makellosem Ansatz in langen Melodiebögen, vom Orchester einfühlsam und wunderschön untermalt, technisch perfekt entwickelt.

Nach der Pause folgte Kurt Weills Ouvertüre zu "Der Silbersee". Die Legende vom "Silbersee" besagt, dass der See auch im Sommer zufrieren kann, um Hilfsbedürftige zu retten. Dies spiegelt sich in der Musik der Ouvertüre wider, welche sofort nach den ersten Takten aufhorchen lässt durch ihre leidenschaftliche Bewegtheit und das schrille Aufschreien der Blechinstrumente, welches von dumpfen Trommelwirbeln begleitet wird. Hier zeigten insbesondere die Trompeter eine ausgezeichnete Leistung.

Mit Claude Debussys "La Mer" erreichte das facettenreiche, großartige Konzert seinen absoluten Höhepunkt, aber auch die schwierigste Aufgabe. Im ersten Satz bestimmt ein wellenartiges triolisches Thema die sich machtvoll steigende Entwicklung. Vier leise Schläge des Tamtam markieren die Zäsur, auf welche die nächste vom vollen Streicherchor ausgehende und in einer lyrischen Variante des triologischen Themas ausklingende Entwicklung folgt. Der Satz endet mit einem coda-ähnlichen, sich aufgipfelnden Bläserchoral. Der Mittelsatz mit Scherzocharakter lässt jeden Begriff von geschlossener Form hinter sich. Er besteht aus einem unendlichen Fluten von motivischen Gebilden, die Musik gleicht dem Spiel der Wellen mit dem Auf und Ab von Klangereignissen. Der dritte Satz ist geprägt von dramatischer Spannung, welche aus dem Dualismus der Wind und Wellenmotive erwächst. Eine turbulente Coda beendet Debussys bedeutendstes Orchesterwerk mit einem Paukenschlag.

Nach diesem Meisterwerk war es kein Wunder, dass die Zuhörer minutenlang begeisterten Beifall, in den sich laute Bravorufe mischten, spendeten. Dirigent und Orchester bedankten sich mit einer begeisternden Zugabe, dem schwungvoll und feurig vorgetragenen argentinischen Tango "Ole guapa".
02.11.2001 Mit dem Böblinger Timo de Leo am Geigenpult (Kreiszeitung Böblingen)
Das Landesjugend-Sinfonieorchester kommt in die Kongresshalle

Böblingen(ukö) -Alle Klassikfreunde können sich am 5. November, 20 Uhr, im Europasaal der CCB Kongresshalle auf ein reizvolles Programm freuen, das das Landesjugend-Sinfonieorchester unter der Leitung von Nicolas Pasquet spielen wird.

Mitspielen wird auch der Böblinger und AEG-Schiller Timo de Leo an der Violine. Im Jahr 2000 erhielt er den 3. Bundespreis in die Duowertung Violine/Klavier und hat zudem bereits einen der begehrten Plätze im Bundesjugendorchester ergattert. (...)

Programm-Auftakt des Abends wird Bedrich Smetanas "Die Moldau" sein. In diesem beliebten Werk wird der Lauf des Flusses von der Quelle bis zum breiten Strom musikalisch dargeboten. Anschließend wird das Hornkonzert von Reinhold Gliere mit dem Solisten Christoph Eß musiziert. Eß wurde 1984 in Tübingen geboren und besucht dort zur Zeit die 12. Klasse des Wildermuth-Gymnasiums. Schon mit sieben Jahren begann er an der Tübinger Musikschule mit dem Hornunterricht bei Peter Hoefs. Beim Wettbewerb "Jugend musiziert" gewann er mehrere 1. Bundespreise in Solo und Duowertung. Es folgten Förderpreise u.a. der Walther-Kaminsky-Stiftung und der Vera-Ritter-Stiftung, außerdem Rundfunk und CD-Aufnahmen sowie ein Fernsehauftritt in der Sendung Klassik Kids. Nach der Pause spielt das Landesjugendorchester Baden-Württemberg die Ouvertüre "Der Silbersee" von Kurt Weill und Debussys "La Mer". Ein interessantes und abwechslungsreiches Programm, das sich Freunde der klassischen Musik nicht entgehen lassen sollten. Das Landesjugendorchester Baden-Württemberg wurde 1972 von Christoph Wyneken und Lehrern der städtischen Musikschule Lahr gegründet. Ausgewählte Spieler und Preisträger des Wettbewerbs "Jugend musiziert" im Alter von 15 -22 Jahren aus allen Teilen Baden-Württembergs kommen zusammen um an den zweimal jährlich stattfindenden Arbeitsphasen teilzunehmen. Jugendliche Spielfreude und das intensive Erlebnis gemeinsamen Musizierens führt zu hervorragenden Leistungen und stilistisch ausgefeilten Interpretationen. Damit erspielte sich das Landesjugendorchester schnell einen festen Platz im Konzertleben des Landes Baden-Württemberg. Die jungen Musiker bekommen frühzeitig Orchestererfahrung; lernen die großen Werke klassisch-romantischer Orchesterliteratur kennen und erarbeiten diese unter Anleitung von Berufsmusikern und Hochschuldozenten bis zum Auftritt auf dem Konzertpodium. Trotz der hohen Fluktuation von ca. 30% erreichen die ca. 90 Orchestermitglieder jeder Arbeitsphase ein Niveau, das den Vergleich mit der Professionellen Leistung vieler Berufsorchestern besteht. Zahlreiche Ehemalige spielen heute bei den Berliner, Münchner und Wiener Philharmonikern oder haben sich einen Namen als Professoren an Musikhochschulen gemacht. Die Konzerte des Landesjugendorchesters werden regelmäßig vom SWR mitgeschnitten. Zahlreiche CDs dokumentieren die Verschiedenen Programme der Herbst und Osterkonzerte. Namhafte Solisten -teilweise selbst früher LJO Mitglieder traten zusammen mit dem Landesjugendorchester auf, darunter der gebürtige Böblinger Wolfgang Bauer (Trompete), Tabea Zimmermann (Viola), Alexander Sitkovetsky (Violine), Markus Frank (Horn) und Kersten McCall (Flote). (...)
27.04.2001 Fulminanter Auftritt von rund hundert jungen Musikern (Weiler Zeitung)
Weiler Zeitung

WEIL AM RHEIN. Zu schwelgen gab es während und nach diesem fulminanten Auftritt der rund hundert jungen Musiker des Landesjugendorchesters in Märkt einiges. Der "schwelgerische Klang". Von dem Eberhard Busch aus Staufen über Miguel de Cervantes sprach, galt für die Realisierung des Richard Straußschen Orchesterklangs (Don Quijote, Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters. op. 35, 1897) sowie für den hinreißenden Auftritt des 14-lahrigen Wunder-"Kinds" Jie-Hua, geboren in Peking. seit 1995 in Stuttgart lebend mit dem Klavierkonzert in G-Dur von Maurice Ravel. Und dies galt auch für den Gesamteindruck eines exzeptionellen Auftritts junger Musiker.

Schon der Verdl (La forza dei destino) zum 100. Todestag des Komponisten packte mit der Macht des Streicherklangteppichs, mit den Harfenarpeggien zur Klarinette, mit der Präzision der Blasereinsätze und essentiellen Details.

Hingedonnert wurde beim Ravel schon der Beginn. als die beiden Holzhälften bedient durch den Schlagzeuger aufeinanderschlugen. Der junge Mann am Klavier, Jie-Hua Zhu lieferte einen Klavierpart ab der dem Ravel nichts schuldig blieb. Leichtigkeit der Läufe. weichgefederte Motorik, eine expressiv gestaltete Kadenz. Ein feinnuanciertes. postromantisch gewirktes Solospiel zu Beginn des langsamen Satzes. Dazu ein phantastisches Solospiel des Englischhornisten Dennis Jäckel aus Freiburg, und später das Spiel des Lörrachers Philipp Schwerdtfeger (Kontrabass). Das sprühte, sparte nicht mit Kraft - bei dem handwerklichen Können war es eine Lust. den Gesamtklang zu goutieren. Bei Lichte betrachtet, hätte da manches Provinzorchester ganz schon alt ausgesehen.

Chrlstoph Wyneken. der lange. schlaksige Dirigent. dem die Jungprofis -

allesamt Preisträger aller Sparten und die Zierde unseres Landes - sichtlich aus der Hand aßen; vollbrachte mit dem Rlchard Strauss dann die orchestrale Glanztat. Der Quijote, .dem man die "didaktische" erläuternde Werkeinführung vor der kurzen Pause noch vorangestellt hatte. Sorgte für einen vielbeklatschten Auftritt des Schauspielers aus der Fauststadt Staufen (Auerbachs Kellertheater ist sein Domizil). Die Szenen aus dem Roman über den "Ritter von der traurigen Gestalt" hatten Kolorit, man meinte die 30 Ritter zu sehen, die sich als Windmühlen in der Mancha entpuppen. Der Dirigent gibt dem Publikum vertraulich-verschmitzt den Hinweis, dass man jetzt sinnigerweise ein Ave Maria zu hören bekommt. Wie dann der dem Ensemble schon entwachsene Tim Ströbele den Cello-Erzahlpart spielte, das war nicht nur musikalisch ein Genuss. Zusammenwirken mit dem ersten Geiger (Fabian Wettstein), süperb, souverän, mit feinem, elegantem Ton; mit der Bratschistin Simone Jandl, filigran, mit großem klarem Ton - das zeigte in dieser Tripelbesetzung den Maßstab, den man hier anlegen durfte: Das war professionell - auch die duettierenden Fagotte, die Hörnergruppe mit Timo Steininger aus Eimeldingen. Bleibt die Frage. warum so ein Konzert, dessen Niveau man nicht künstlich herbeischreiben muss nicht restlos ausverkauft ist.

Für Kulturpessimisten ist so ein Event, das der Bekanntschaft von Dieter Fahrner mit dem in Staufen wohnhaften Dirigenten zu verdanken ist, Balsam. Hat doch Kurt Masur jüngst beklagt, dass 80 Prozent der Musikhochschüler in Deutschland gar nicht aus Deutschland kommen und die deutsche Klassik für immer mehr Menschen kein Muss mehr sind. Möge mit solchen Großtaten der Frust im Musikunterrichtsalltag und der Finanzschwund der Kulturhaushalte kleiner werden. Den Glauben daran konnte man am Dienstagabend wieder bekommen - dem Landesjugendorchester sei Dank.



Otto Müller-Girard
27.04.2001 Symbiose von Können und Spielfreude (Badische Zeitung)
Badische Zeitung, 27.04.01

WEIL AM RHEIN-MÄRKT. Ein lustig Völklein sind sie, die Jungen Musiker vom Landesjugendorchester. Und sie haben Spaß an der Musik, die sie machen, vom ersten bis zum letzten Ton. Sich davon zu Überzeugen hatte das Publikum in der Altrheinhalle Märkt ausgiebig die Gelegenheit, denn das Landesjugendorchester machte dort am Dienstag mit seinem Frühjahrsprogramm Station.

Das Ensemble, bestehend aus jungen Musikerinnen und Musiker zwischen 15 und 22 Jahren (fast alles Preisträger beim Wettbewerb "Jugend musiziert") hatte in der jüngsten Arbeitsphase ein umfangreiches Programm erarbeitet und dazu noch Verstärkung geholt: Den nur vierzehnjährige Planist Jie-Hua Zhu, Schauspieler und Sprecher Eberhard Busch und den Cellisten Tim Ströbele.

Mit der Ouvertüre von Guiseppe Verdis "Die Macht des Schicksals" stellt sich in Weil ein flexibles Ensemble vor, dass an allen Pulten glänzend besetzt ist. Obwohl das Orchester einer starken Fluktuation unterworfen ist, hatte Dirigent Christoph Wyneken In der Vergangenheit einen Klangkörper geformt, der sich mit den großen Orchester des Landes durchaus messen kann. Ravels Klavierkonzert G-Dur stellt an die Interpreten einen gewissen Anspruch, technisch wie intellektuell - erstaunlich, wie der vierzehnjährige ]le-Hua Zhu mit gut eingespielter Technik und einer frappanten Routine diesem Anspruch gerecht wird. Der junge preisgekrönte Pianist stammt aus Peking, studiert derzeit in Stuttgart - man merkt, dass er eine ungeheuere Erfahrung in puncto Auftreten besitzt - und reist nun mit dem Landesjungendorchester durch Baden-Württemberg

Das Orchester begleitet den jungen Klavierspieler sachte und passt sich dem Jungen Musiker perfekt an, so dass dessen Läufe herrlich perlen können und die lyrischen Passage aufs Mal eine ungeheurere Tiefe erhalten. Hier treffen auf beiden Selten hohes technisches Können und riesengroße Spielfreude aufeinander, Chapeau allerseits!

Als Dank für den herzlichen Applaus der Weiler spielt Jie-Hua Zhu das "Oiseaux tristes" aus Ravels "Mirroirs", das Lust auf einen Soloabend des Jungen macht.

Richard Strauss\' "Don.Quichote"-Variationen sind schon allein ein schier abendfüllendes und sehr komplexes Werk Was liegt dabei näher, dieses Werk In seiner Herkunft und Entstehungsweise genauer zu beleuchten? Der Freiburger Schauspieler und Sprecher Eberhard Busch schlüpft für einen kurzen Moment in die Haut von Miguel de Cervantes und berichtet aus dem Buch des berühmten Spaniers. Die einzelnen Szenen untermalt das Orchester mit Zitaten aus Strauss\' Werk. Eine herrliche Idee und das Publikum zeigt sich begeistert, denn so schließen sich einige Passagen dem Hörer besser auf. Zumal Eberhard Busch permanent seine komödiantische Ader aufblitzen lässt und streckenweise selbst noch das Orchester mit seinen Sprüchen überrascht. Nach dieser Einführung ist es dann ein richtiges Vergnügen, das ganze Werk anzuhören. Tim Ströbele als Solocellist, Fabian Wettstein als Konzertmeister und Solo-Violinist und Solobratschistin Simone Jandl setzen dem Werk, das viele Szenen aus dem Leben Don Quichotes musikalisch erzählt, noch kleine Sahnehäubchen auf. Einmal mehr sollte sich zeigen, was förderungswürdiger Nachwuchs Erstaunliches zu leisten im Stande ist.



Michael Herrmann
27.04.2001 Blökendes Blech (Badische Zeitung)
Das Landesjugendorchester mit Ravel und Strauss

Das Blech blökt. Dümmlich glotzen Posaunen ins Publikum und tönen: Mäh. Wunder nimmt das nicht - schließlich stehen wir gemeinsam mit Don Quixotte mitten in einer Schafherde, und wer weiß, was noch alles passiert wäre, hätte Richard Strauss\' Stück über den Ritter von der traurigen Gestalt nicht irgend wann mit einem Abwärts-Gilssando des Solocellos, also mit dem Ableben des Helden, geendet.

Dass Strauss hier als Pendant zu Cervantes\' "Don Quijote", der ein Abgesang auf den historischen Ritterroman ist, einen Abgesang auf die überkommene Variationsform schuf, stand beim Auftritt des Landesjugendorchesters Baden Württemberg im Freiburger Konzerthaus nicht vorrangig zur Diskussion. Was der Dirigent Christoph Wyneken hier dominieren ließ, war vielmehr die drastisch-derbe Bildlichkeit des Stücks.

Hinreißend, dass man nur schwärmen kann
Ihr galt zuvor auch Eberhard Buschs launiger Schnelldurchlauf durch Cervantes\' Romanvorlage, die sich zum plastischen Hör-Führer auswuchs. Wobei in Strauss\' Tondichtung vor allem Konzertmeister Fabian Wettstein an der Solo-Violine, Simone Jandl an der Solo-Bratsche und vor allem Tim Ströble am Solo-Cello deutlich machten, dass des Ritters Irrsinn durchaus auch ganz anders gesehen werden kann: nämlich als Leiden an einer entzauberten Welt. Er­neut spielte das Landesjugendorchester so punktgenau, so hingerissen und hinreißend, dass wir einfach davon schwärmen müssen. Als es um den langsamen Satz von Ravels Klavierkonzert ging, meinten wir gar bereits so etwas wie eine eigene Klang-Kultur ausma­chen zu können: ein zart abgetöntes Bild aus feinen, satten Streicherklängen, dem Träumerisches entwuchs und so viel Poesie. Dabei hatte man, als sich der 15-jährige Pianist Jie-Hua Zhu im ersten Satz dieses Stücks anschickte, den kämp­ferischen Dialog mit dem Orchester aufzunehmen, zunächst einmal am Gelin­gen zweifeln müssen: Da stimmte die Ba­lance nicht ganz, was teils dem Orches­ter, teils aber auch dem Solisten selbst anzulasten war. Denn der spielte zwar sehr präzise, doch (noch) nicht mit jener Kraft, die man hier wie auch im Finalsatz braucht, will man dem angejazzten, mit folkloristischen Ideen angereicherten virtuosen Wirbel der Elemente irgend Kontur verleihen.

Susanne Benda / Badische Zeitung, 27.04.2001
25.04.2001 Ohne Scheu vor großen Werken (Kirchheimer Bote)
KIRCHHEIM / Hätte das Landesjugendorchester Baden-Württemberg beim Konzert in der Stadthalle hinter einem geschlossenen Vorhang gespielt - die Zuhörer wären der Mei­nung gewesen, da spiele ein profes­sionelles Orchester mit vollausgebildeten studierten Musikern. Doch nein, keine Profis saßen an den Pulten, sondern Jugendliche im Alter von zwölf bis zwanzig Jahren. Bedenkt man noch dazu, dass das Landesjugendorchester kein festes Or­chester mit wöchentlichen Proben ist, sondern ein Orchester, dass sich nur zwei- bis dreimal im Jahr zu zwölftägigen Arbeitsphasen trifft und zudem eine Fluktuationsrate von je­weils etwa 30 Prozent pro Arbeitsphase aufweist, erscheint der hohe Anspruch, der bei der Auswahl an die jungen Musiker gestellt wird, ver­ständlich.

Das Orchester rekrutiert sich hauptsächlich aus Preisträgern des Wettbewerbes "Jugend musiziert", die solistisch hervortretenden jugendlichen Künstler können mehrfache Auszeichnungen, zum Teil auf internationalem Parkett, vorweisen. Unter der Leitung von Christoph Wyneken, der das Landesjugendorchester seit seiner Gründung vor 27 Jahren leitet, hatte das Orchester ein Programm erarbeitet, das hohe Ansprüche an die Ausführenden stellte.

Für den Beginn des Konzertes hatte Christoph Wyneken die Ouvertüre zu der Oper "Die Macht des Schicksals" von Guiseppe Verdi (1813 -1901) ausgesucht. Die fanfarenmäßige Eröffnung durch die Blechbläser, der präzise Einsatz der Streicher, harmonische Crescendi, die mit überzeugendem Klang den Saal füllten und schöne Soli von Klarinette, Oboe, Flöte und Harfe überzeugten das Publikum von Anfang an von dem hohen Niveau des Orchesters.

Bemerkenswert war die absolute Präsenz der Ausführenden die nach den häufigen Generalpausen exakt und mit voller Konzentration einsetzten Es folgte in kleinerer Besetzung das Klavierkonzert G-Dur von Maurice Ravel (1875-1937).

Solist des Konzertes war der 14-jährige Pianist Jie-Hua Zhu. 1986 in Peking geboren, lebt er in der Zwischenzeit mit seinen Eltern in Stuttgart, wo er in der Begabtenklasse der Stuttgarter Musikschule Klavierunterricht erhält. Zahlreiche Preise, Fernseh- und Radioreportagen und ein Artikel über ihn in der Musikzeitschrift "Amadeo" machten den jungen Künstler bekannt. Das Klavierkonzert von Maurice Ravel stellt sowohl an den Solisten als auch an das Orchester höchste Ansprüche. Nach dem faszinierenden ersten Klangeindruck des Allegramente fügte sich das Klavier zum Orchester, nicht ein 14-jähriger Junge, sondern ein Künstler tanzte mit den Fingern über die Tasten des Konzertflügels.

Beim zweiten Thema beginnt das Klavier solistisch, zur verträumten Melodie gesellte sich, zart wie Spinnweben, die Harfe. Das Orchester ergänzte die zwei Instrumente und es entstand ein Klangzauber von großem Charme. Im Adagio wird das Thema zunächst vom Klavier allein vorgetragen, tief empfunden und nicht angelernt klang das Spiel von Jie-Hua Zhu. Über diesen Klavierklang legten sich nacheinander Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott, bis das Klavier souverän wieder die Füh­rung übernahm. Im abschließenden Presto hatte der Pianist Gelegenheit, sein technisches Können zu präsentieren: auch hochvirtuose Passagen spielt er mit Selbstverständlichkeit. Nach dem verdienten Applaus gab Jie-Hua Zhu als Zugabe noch die "Träumerei" von Schumann.

Für das nächste Stück musste umgebaut werden, damit die etwa 100 Musiker für "Don Quichotte" von Ri­chard Strauss (op. 35) auch alle einen Platz auf der Bühne bekamen. Doch gab es vor der Aufführung noch eine schauspielerische Einführung in das Werk und die Musik von Richard Strauss. Eberhard Busch, gelernter Schauspieler und Regisseur, führte das Publikum in die Komposition "Don Quichotte" ein. Während er Passagen aus dem Werk las und dadurch lebendig werden ließ, spielte das Orchester die entsprechenden Themen der Musik.

Don Quichottes Thema, meist vom Solocello vorgetragen, die schwärmerische Melodie, die Dulcinea gewidmet ist und die Bratschenpassagen, mit denen der Knappe Sancho Pansa "die größten Banalitäten plappert, als wären es die tiefsten Wahr­heiten"" auch ganze Szenen wurden den Zuhörern vorneweg vorgestellt, eine Vorgehensweise, die den Abend durch das schauspielerische Talent Eberhard Buschs auflockerte und dem Verständnis des folgenden Werkes überaus dienlich war.

"Don Quichotte" von Richard Strauss ist geprägt von ruhigen Pas­sagen und immer wieder aufbrechender Dramatik, bei der der ver­meintliche Ritter gegen die ihn umgebenden "Feinde" kämpft. Solo-Violine, gespielt von Fabian Wettstein, Solo-Bratsche, gespielt von Simone Jandl, und vor allem das Solo-Cello, gespielt von Tim Ströbele, überzeugten mit wunderschönem Klang und professionellem Können. Die Bratsche mit ihrem warmen, satten Ton ergänzte den Klang des Cellos, der mit seinem kräftigen, aber auch wehmütig sinnlichen Ton den Charakter des "Ritters von der traurigen Gestalt" hervorragend traf.
Viel wäre zu sagen über dieses einfallsreiche Stück, bei dem die Blechbläser das ängstliche Blöken einer Schafherde nachmachen, der windige Ritt auf einem Zauberpferd durch Glissandi der Flöten und Arpeggien der Streicher dargestellt wird und durch das Zupfen der Celli höhnische Tropfen nach einem Bad im Bach zu hören sind. Doch wichtiger als das Stück sei an dieser Stelle die Leistung des jungen Orchesters unter der Leitung seines Dirigenten Christoph Wyneken, die dem Kirchheimer Publikum die Freude eines gelungenen Konzertes machten, bei dem auf höchstem Niveau musiziert wurde.

Gabriele Rolfs/Kirchheimer Bote, 25.04.2001
23.04.2001 Freude am üppigen Klang (Reutlinger Generalanzeiger)
Beeindruckendes Frühjahrskonzert des Landesjugendorchesters in Metzingen

Nachdem das Landesjugendorchester seine einwöchige Probenphase in Ochsenhausen abgeschlossen hatte, war es am Samstag in der Stadthalle Metzingen zu Gast. Das Orchester bietet 90 ausgewählten Musikern im Alter von 15-22 Jahren die Möglichkeit, sich in zwei bis drei achttägigen Arbeitsphasen mit der Orchestermusik vom Barock bis zur Moderne vertraut zu machen und diese in Konzerten im In-und Ausland aufzuführen. Christoph Wyneken leitet dieses Orchester seit seiner Gründung 1972.

Den Auftakt des Konzertes bildetet die Ouvertüre zu Giuseppe Verdis Oper "Die Macht des Schicksals". Die jugendlichen Musiker verstanden es meisterhaft, diese Werk zu spielen. Das Orchester ließ sich Zeit und harmonierte wunderschön. Es überzeugte hier bereits mit geschmeidiger Technik und stabiler Tongebung.

Es folgte Maurice Ravels Klavierkonzert G-Dur mit dem Solisten Jie-Hua Zhu am Flügel. Der 13-jährige, zurückhaltend wirkende Pianist ist Gewinner nationaler und internationaler Wettbewerbe und spielte mit apart geführtem Anschlag und technischer Virtuosität das anspruchsvolle Klavierkonzert. Sein Spielweise war aufgelockert brilliant, verzichtete aber weder auf Tiefe noch auf Dramatik.

Das Orchester agierte unterstützend und blieb mit seinem virtuosen Spiel im Hintergrund, so daß beide, das Orchester und Zhu hier eine grandiose Gesamtleistung erbrachten. Die Zuhörer waren begeistert und erklatschten von Jie-Hua Zhu eine Zugabe, die, ohne Orchesterbe­gleitung, sein Talent noch besser zur Gel­tung brachte. Er spielte hochkonzentriert, geschmeidig, leicht und seine Finger schwebten förmlich über den Tasten des Flügels, um die richtige Anschlags­tärke zu treffen.

Es folgte die Einführung zu Richard Strauss` "Don Quichotte-Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters" op. 35. Der Schauspieler und Regisseur Eberhard Busch, der in Staufen bei Freiburg das Auerbach Kellertheater leitet, sprach die Einführung und stellte die Hauptfiguren vor. Tim Ströbele vertrat Don Quichottes Seele und Simone Jandl übernahm mit der Solo-Bratsche den Part seines treuen Gefährten Sancho Pansa. Als weiterer Solist wirkte Fabian Wettstein (Violine) mit. Die Untermalung der einzelnen Figuren war Aufgabe der Ensemblemitglieder.

Nach der Pause wurde die Tondichtung aufgeführt, bei der es sich um zehn Variationen des Themas handelt, aber nicht im üblichen Sinne. Die Variationen sind als zehn Bilder in der Phantasie des Ritters Don Quichotte zu verstehen.

Tim Ströbele, Solo-Cellist am Basler Kammerorchester, verstand es meisterhaft, diesen Ritter der traurigen Gestalt mit seinem Cello darzustellen, der in der realen Welt versagt und nur in der Phantasie leben kann. Seine Spielweise begeisterte das Publikum. Mit solchem Spieleifer passierte es, daß ihm während des Konzertes eine Saite riß und er diese erneuern mußte.

Die weiteren Solisten spielten ihren Part im Einklang mit Ströbele und dem Orchester. Die Variationen lebten von der Leichtigkeit des Spiels, besaßen Schwungkraft und Unbekümmertheit in der Tonsprache bis hin zu gelegentlicher Naivität, und das Orchester und die Solisten brachten ihre Freude an üppigem Klang dem Auditorium nahe.

Auch dieses Stück, wie die beiden anderen zuvor, geriet zu einer Gesamtleistung, die höchste Anerkennung verdient. Sichtlich gelöst wirkte am Schluss auch Christoph Wyneken. Er und seine Mitstreiter haben wieder einmal gezeigt, dass Jugendliche in der Lage sind, die inneren Werte der Werke zu erfassen und sie durch die entsprechende Anleitung auch musikalisch auf höchstem Niveau umzusetzen.
Sauberste Instrumententechnik und leidenschaftliches Engagement der Musi­ker beeindruckten die Zuhörer zutiefst und mit Bravorufen verabschiedeten sie die Mitwirkenden. Die Vorfreude auf die nächsten Konzerte des LJO ist geweckt und es bleibt zu hoffen, dass es der Musikschule und dem Veranstaltungsring wieder gelingen wird, die Musiker für ein Konzert in Metzingen zu verpflichten.

Ute Weber / Reutlinger GA, 23.04.2001
23.04.2001 Überzeugende Solisten mit Ausdauer (Metzinger Tageblatt)
Metzinger Volksblatt, 23.04.01

Das Landesjugendorchester Baden-Württemberg gastierte mit seinen jugendlichen Musikern in der Stadthalle. Das junge Sinfonieorchester - mit hervorragenden jungen Solisten besetzt - zeigte auch im zweiten Konzert seiner Tournee sein außergewöhnliches Können.

METZINGEN. Trotz winterlichem Wetter mit Schneefall ließen sich etliche Metzinger nicht davon abhalten, das Sinfoniekonzert des Landesjugendorchesters am Samstagabend in der Stadthalle zu besuchen. Der Veranstaltungsring Metzingen, in Zusammenarbeit mit der Musikschule Metzingen, konnte dieses junge Orchester für diesen Abend gewinnen.

Etwa einhundert junge, engagierte Musiker begaben sich unter dem Beifall des Publikums rasch auf ihre Plätze und begannen ihren konzertanten Abend mit der großen sinfonischen Ouvertüre zu "Die Macht des Schicksals" von GuiseppeVerdi (1813-1901). Lose aneinandergereiht, hatte Verdi musikalische Szenen in diesem Werk verarbeitet, das die jungen Musiker kontrastreich und farbig zu spielen wussten.

Das Landesjugendorchester Baden-Württemberg bot dem Publikum mit diesem Einstandsstück wahren Musikgenuss. Unverfälscht wurde das sensible Meisterwerk von Guiseppe Verdi klangvoll in seinen Piano und Forte Passagen vor geführt.

Als solistischen Beitrag stand das Klavierkonzert G-dur von Maurice Ravel (1875-1937) auf dem Programm. Der junge Solist, Jie-Hua Zhu, zur Zeit wohnhaft in Stuttgart und gerade erst vierzehn Jahre alt, war zweifelsohne der Höhepunkt dieses Abends. Mit bereits unzähligen Preisen ausgestattet schien für ihn das Klavierkonzert eine leichte Aufgabe zu sein. Die gebrochene Heiterkeit der "blue-notes" von Ravel wurde von Jie-Hua Zhu am Klavier und dem Orchester mit rhythmischen Schmiss, der an den Jazz der 20-er Jahre erinnerte, dargeboten. Die baskischen und spanischen Elemente waren mit großer Liebe erarbeitet und gingen in ein übergreifendes Konzertieren auf die einzelnen Instrumente des Orchesters über, die dennoch dem Solisten den Rang nicht streitig machten. Unstrittig sein wahres Können konnte Jie-Hua Zhu erst bei seiner Zugabe zeigen in dem technisch anspruchsvollen "Orage" aus "Annees de pelerinage" (Wanderjahre) von Franz Liszt.

Recht humorvoll führte Eberhard Busch, vom "Auerbachs Kellertheater", Staufen, in die Tondichtung "Don Quichotte" von Richard Strauss (1864-1949) ein. Solistisch trug Tim Ströble mit seinem Cellospiel, trotz gerissener Saite, brillant zum Gelingen dieser Tondichtung bei. Sein überaus gefühlvolles und der Handlung angepasstes Spiel - mit stets hervorragendem Kontakt zu seinen Mitspielern - riss auch die Orchestermusiker sichtlich mit.

Mit jugendlicher, leichter Souveränität, der noch in der Ausbildungstehenden 15 bis 22-jährigen Musiker, wurden auch schwierige Passagen recht sicher bewältigt. Das über dreistündige Konzert verlangte allerdings von den Zuhörern und sicherlich auch von den jungen Musikern einiges an Ausdauer.

Dirigent Christoph Wyneken hätte sich über den zeitlichen Rahmen besser informieren müssen. Trotzdem: Für die jugendlichen Orchestermusiker war es ein gelungenes Konzert in dieser Veranstaltungsreihe, das der musikalischen Ausbildung der Preisträger, die sich zu einem großen Orchester zusammengefunden haben, welches jährlich mit einem Drittel Fluktuation zurechtkommen muss, sicherlich weitere Impulse geben konnte.

Margarete Mai
23.04.2001 Sie streichen Verdi und Ravel (Südwestpresse)
Alle zwei Jahre ein Konzert - Horst Laubner: "Großartige Sache"

Wieder ein Bonbon aus der Hand der Kulturmacher um Dr. Horst Laubner: Das Landesjugendorchester unter Christoph Wyneken konzertiert am 21. April in der Metzinger Stadthalle. Werke von Verdi, Ravel und Strauss versprechen Orchesterkunst

METZINGEN / Dem Metzinger Veranstaltungsring und der Musikschule Metzingen ist es gelungen, das Landesjugendorchester Baden-Württemberg (LJO) auf seiner Frühjahrstournee am 21. April in die heimische Stadthalle zu verpflichten.

Damit wird eine langjährige Tradition der beliebten LJO-Konzerte In Metzingen wiederaufgegriffen.

Alle zwei Jahre wollen die Nachwuchs-Musiker aus dem Land künftig in Metzingen spielen, so Dr. Horst Laubner, der 1. Vorsitzende des Metzinger Veranstaltungsrings.

Die Zusammenarbeit mit der hei­mischen Musikschule und ihrem Leiter Heinrich Großmann sei laut Laubner "eine großartige Sache".
Das vom Sparkassenverband und dem Land Baden-Württemberg finanzierte LJO ist neben dem Bundesjugendorchester Württemberg das "bestbesetzte Jugendorchester Deutschlands", so Reiner Mussler vom Landesverband der Musikschu­len Baden-Württemberg. Die rund 90 Mitglieder sind meist Preisträger der "Jugend-musiziert"-Wettbewerbe - etwa ein Drittel der Bundessieger stammt aus Baden-Württemberg. Die Instrumentalisten im Al­ter zwischen 13 und 18 Jahren können sich aber auch durch Vorspiele für dieses Auswahlsinfonieorchester des Landes qualifizieren. Den besten jungen Musikern möchte Mussler mit dem Orchester eine "musikalische Heimat" bieten und sie durch frühzeitige Erfahrungen im Orchesterspiel auf ein Musikstudium vorbereiten können...

Südwestpresse
10.11.2000 Ein enormer sinfonischer Kraftbeweis (Kreiszeitung Böblingen)
LEONBERG / Als sechste und letzte Station auf der Herbstreise des Landesjugendorchesters stand am Mittwochabend die Leonberger Stadthalle. Zum 17. Mal wurden Nachwuchsmusiker mit einem Geldpreis bedacht, die beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" die höchste Punktzahl von 25 erreichten.

(...) Auch das vom Musikschulverband gemanagte Orchester bekommt für seine Reisetätigkeit jeweils einen Scheck überreicht. Ein kraftvolles Ringen um die endgültige Form ging der 1. Sinfonie von Johannes Brahms voraus. Keines seiner Werke nahm soviel Zeit in Anspruch, fast schicksalhaft hat ihn diese c-Moll Sinfonie durch die jungen Jahre begleitet und er war bereits 43, als die Uraufführung 1876 in Karlsruhe stattfinden konnte. Ein gewaltiges Ringen muß auch der Einstudierung durch Christoph Wyneken und seinem Dozententeam vorausgegangen sein: das Klangergebnis des groß besetzten Landesjugendorchesters war ein enormer sinfonischer Kraftbeweis. Natürlich wurde hier viel mit dem Kopf gearbeitet, eine solch strömende Klangrede und Textdeutung gelingt nur durch einen gedanklich gesteuerten Deutungswillen. Der leidenschaftliche Elan aber, daß musikantische Moment, diese grandiosen Steigerungen, das kam aus dem Bauch...

Wolfgang Teubner/Kreiszeitung Böblingen
09.11.2000 Das begeisternde Spiel weckte Emotionen (Fränkische Nachrichten)
Fränkische Nachrichten 09.11.2000



Ein Heerwurm von Autos und Fußgängern zog sich den Eckenberg hinauf. Und wer bis dahin auf Grund der Besucherzahlen der vergangenen Jahre geglaubt hatte, das Besucherreservoir der Konzerte des Landesjugendorchesters sei erschöpft, wurde in Adelsheim eines anderen belehrt. So voll hatte man die große Aula des Eckenberg-Gymnasiums bei den vorangegangenen Konzerten des Landesjugendorchesters noch nie gesehen. Die Leistungsstärke des Orchesters ist ja seit langem bekannt. Das scheint sich mittlerweile auch über den Adelsheimer Bereich hinaus herumgesprochen zu haben, wie unschwer an den Kennzeichen der parkenden Wagen abzulesen war.

Seine große Klasse stellte das Landesjugendorchester erneut unter Beweis. Es ist einfach phänomenal, was dieser aus 95 jungen Musikern im Alter zwischen 13 und 22 Jahren, Schülern und Studenten, bestehende Klangkörper, der noch dazu einer hohen Fluktuation von 30 Prozent von Arbeitsphase zu Arbeitsphase unterworfen ist. leistet. Da kann man wirklich nur staunen und der hinter dieser Leistung stehenden und ihre Grundlage schaffenden pädagogischen Arbeit, vor allem derjenigen des Dirigenten, höchste Anerkennung zollen.

Mit dem Programm des Konzerts hatte man sich sehr viel vorgenommen; es stellte hohe Anforderungen an Orchester und Dirigenten. Doch diese diffizile Aufgabe wurde mit Bravour und hohem musikalischen Einfühlungsvermögen gelöst. Den Auftakt bildete das 1804 entstandene "Konzert für Violine. Violoncello, Klavier und Orchester, "Tripelkonzert D-Dur, op 56" von Ludwig van Beethoven, das der Komponist selbst als "Grand Concerto Concertante" bezeichnet hat, womit er auf die klassische Konzertform, zugleich aber auch auf die Spielfreudigkeit des Werkes hinweisen wollte. Doch hinter der scheinbaren Leichtigkeit und Spielfreude verbirgt sich ein äußerst kunstvoller kompositorischer Aufbau: Allen drei Sätzen ist eine auffallende Genrebindung eigen, dem ersten an den festlichen Marsch, dem zweiten an das lyrische Menuett und dem dritten an die Polonaise. Ferner hat Beethoven nicht einfach das Klaviertrio dem Orchester gegenübergestellt, sondern drei Solisten, deren Musizieren ohne das Orchester "unerfüllt" bliebe. Das zeigt sich bereits bei ihrem ersten Einsatz: zunächst steigt der Cellist in die Thematik ein, aus der heraus das Orchester zuvor den 1. Satz eröffnet hat, dann folgt der Geiger, nach kurzem schließlich die Pianistin, welche die Melodie des Themas mit der rechten Hand in Oktavgriffen und mit der linken nochmals eine weitere Oktav tiefer spielt. Das Orchester steuert den Begleitsatz für die Themenmelodie bei, wenn diese von Cello und Geige gespielt wird, und hat damit fortzufahren, wenn das Klavier ebenfalls als Melodieinstrument hervortritt.

Im weiteren Verlauf gibt es Stellen, wo der Solistenverbund als Klaviertrio in Erscheinung tritt. Schließlich kann das Klavier seine Melodiefunktionen noch potenzieren, indem es nicht nur einen Melodieinstrumentenpart übernimmt, sondern je einen in den beiden Händen der Pianistin. Auf diese Weise musizieren die beiden Solostreicher und die Pianistin stellenweise untereinander "paarweise" im Wechsel. Hier vollbrachte das gesamte Ensemble eine hervorragende Leistung, indem es die dem Werk innewohnende Freude musikalisch gefühlvoll zum Ausdruck brachte.

Den jungen Solisten gelang eine wahre Meisterleistung in der Herausarbeitung der Feinheiten des angedeuteten komplizierten kompositorischen Geflechts der Dialoge. Was sie dabei an technischer Perfektion und musikalischem Feingefühl, an Hingabe an das Werk im Einzelnen zeigten, sucht wahrlich seinesgleichen - und das in dem Alter, sie sind ja alle drei erst 17. Kein Wunder, dass sie in den letzten Jahren mit Preisen und Auszeichnungen im In und Ausland geradezu überhäuft worden sind. Sie wurden denn auch vom hingerissenen Publikum entsprechend gefeiert

Nach der Pause dann die "Sinfonie Nr. I c-Moll, op. 68" von Johannes Brahms, die 1876 entstand, nachdem der Komponist eineinhalb Jahrzehnte darum gerungen hatte und die Hans von Bülow als "Beethovens Zehnte" bezeichnet hat. Unruhig und nach Klärung ringend ist der 1. Satz und kommt damit der "Schicksalssinfonie" Beethovens nahe. Fast drohend nähert sich das Thema, dem sich ein folgendes Allegro entgegenstellt. Erbittert setzt die Durchführung ein, in der Coda scheint der Konflikt unlösbar zu sein; doch die Hoffnung erlischt nicht ganz. Der zweite, sehr kurze Satz, ein Andante sostenuto, ist ein Ruhepunkt voller lyrischer Melodik, romantisch und verklärt. Der dritte, ebenso kurze Satz bringt anstelle eines Scherzos ein fröhliches Poco Allegretto.

Das Trio hat dieser Sinfonie schließlich die Bezeichnung "Beethovens Zehnte" verliehen. Sein einleitendes Adagio bringt mehrere musikalische Gestalten, die aber nicht voneinander gelöst werden können.

Sie münden mit einem Paukenwirbel in den zweiten Teil, der von einem Hornthema beherrscht wird. Das "Allegro non troppo. ma con brio". ist nach Beethovens Vorbild gestaltet. Sein von den Violinen feurig angestimmtes Thema erinnert an die Freudenmelodie der 9 Sinfonie Beethovens. Mit diesem Thema wird das Finale zu sieghaftem Glanz gesteigert. Hornthema und Choral kehren in der Reprise noch einmal wieder, ehe eine jubelnde Stretta das Ganze effektvoll beschließt.

In der Interpretation dieses wirklich schwergewichtigen Werkes vollbrachte das Landesjugendorchester wahrlich eine reife Leistung Hut ab vor diesen mit Leib und Seele spielenden jungen Menschen, vor allem vor den Solisten. Hier gebührt besonders dem Hornsolisten ein Sonderlob. Eine solche überzeugende Leistung aber ist nur möglich dank der vorausgegangenen intensiven einwöchigen Probenphase. Sie ist auch nur möglich, wenn jedes einzelne Mitglied des Ensembles den inneren Geist des Werkes erfasst und verarbeitet hat. Selbstverständlich muss eine saubere Instrumentaltechnik hinzukommen als handwerkliche Voraussetzung. Hier kann man dem gesamten Orchester eine geradezu frappierende Perfektion attestieren. Wenn man das leidenschaftliche Engagement im Finale, dieses hinreißend vitale Spiel erlebt hat, kann man verstehen, dass ein Mann wie Placido Domingo zutiefst beeindruckt war von der Musikalität und dem hohen technischen Niveau dieses Orchesters. Christoph Wyneken. unter dessen Leitung das Orchester spielte, hat eine hervorragende Vorarbeit zusammen mit seinen Mitarbeitern geleistet. Und wie er dann im Konzert selbst die jungen Musiker mitriss, sie intensiv führte, sucht seinesgleichen.

Ganz gebannt von dieser exzellenten musikalischen Darbietung war das Publikum, das begeisternde Spiel weckte Emotionen, die sich Bahn brachen in einem geradezu frenetischen Beifallgewitter, das losbrach, nachdem die letzte Note verklungen war. Die ganze Aula geriet in Bewegung, Bravorufe klangen, die Leute sprangen von den Stühlen auf und spendeten stehend Beifall. Immer wieder wurde der Dirigent hereingeklatscht. Und auf besonderen Wunsch des Publikums mussten auch die drei jungen Solisten Michael Hsu (Violine), Jakob Spahn (Violoncello) und Marie-Luise Bodendorf (Klavier) zum Schlussapplaus noch einmal erscheinen, was sonst nicht üblich ist. Von so viel Applaus und der darin zum Ausdruck gebrachten Anerkennung war selbst der sonst abgeklärte Christoph Wyneken sichtlich gerührt.

pa
09.11.2000 Aus Chaos wurde sinfonisches Glück (Waiblinger Kreiszeitung)
Mit unbewegter Miene sitzt es da, das Bärle auf dem Notenpult. Das Landesjugendorchester hat sich ein Maskottchen angeschafft. Nein, nicht eines, das ihnen Glück bringen soll, sondern eines; das all die Kritik, die "Schimpfe" von leitender Stelle abfangen, abwehren soll.

Zum zweiten Mal trat das LJO im Remstal auf. Hatte es zum Neujahr in Endersbach mächtig zum neuen Jahrtausend aufgespielt, so besann es sich bei seinem Auftreten im Bürgerzentrum auf seine eigentlichen sinfonischen Pflichten.

Schon erstaunlich, was bei einer siebentägigen Arbeitsphase alles erreicht werden kann. Nach der Devise "Am Anfang war das Chaos" steht am Ende glückhafte, ausgewogene Musik der Spitzenklasse. Zwei Mitglieder des Ensembles (Daniel Auder und Katharina Brade) stammen aus dem Remstal, während Michael Davis von der Musikschule Unteres Remstal als Dozent für die Bratschen in Weikersheim verantwortlich zeichnete.

Christoph Wyneken ist unter den Dirigenten ein global player, und trotzdem leitet er seit Bestehen des Ensembles, also seit 27 Jahren, das LJO. Sein künstlerischer Leiter und Mentor. Ein Kontinuum, das bei der (notwendigen) Fluktuation auch vonnöten ist. Wyneken, Jahrgang 41, hat immer noch einen fantastischen Zugang zu seinen jugendlichen Mitstreitern.

Zwei der drei großen "B"s hatten die LJO-ler im Reisegepäck - Beethoven und Brahms. Vom ersteren sein Tripelkonzert aus dem Jahre 1805, anfangs umstritten und jetzt im Ghibellinensaal umjubelt, und dann die 1. Sinfonie von Brahms. Eine Zu­sammenstellung, die dem Bildungshunger des Waiblinger Publikums glänzend entsprach.

Drei Solisten gaben sich beim ersten Programmpunkt die Ehre - Michael Hsu aus Taiwan (Violine), Jakob Spahn (Violoncello) und Marie-Luise Bodendorff (Kla­vier). Diesem Klaviertrio gegenüber das Plenum der Bundespreisträger. Man konnte abtauchen in ihr enthusiastisches Aufspielen, die Feinarbeit in den Streichern und Bläsern bewundern und dann wieder den kammermusikalischen Kontrast im Solistentrio genießen. Der Cellist Jakob Spahn ist im LJO groß geworden und überzeugte mit seinem voluminösen Ton, ergänzt von den virtuosen Passagen des Violinisten Michael Hsu.

Der Klavierpart war ursprünglich für den Beethovenschüler Erzherzog Rudolf bestimmt, so dass Marie-Luise Bodendorff erst in der zündenden Polonaise des Finalsatzes ihre hohen Fertigkeiten zeigen konnte.

Nach der Pause dann Brahms\' 1. Sinfonie in c-Moll, von Anlage und Tonart eng mit Beethovens 5. Sinfonie verwandt. Aber nur weitläufig. "Wo Beethoven kolossale Quader auftürmt, vertieft sich Brahms liebevoll in ihre Einzelheiten", das könnte den Unterschied treffen. Jetzt hatte sich das Or­chester zu seiner vollen Größe auf dem Podium postiert, flankiert von der mächtigen Kontrabassgruppe bis zu den Bläsern im Hintergrund. Gewaltig drängend erhebt sich das Halbtonmotiv in den tiefen Streichern, um schließlich das ganze Orchester ertönen zu lassen. Immer wieder schön anzuhören, welch großen Raum der Dirigent dem solistischen Kontrast im Wechsel der Themen einräumte. Fast eine Erlösung aus der Moll-Düsternis, als die Streicher im ab­schließenden Satz ihren Freudentaumel in C-Dur anstimmten, der auch die begeisterten Zuhörer mitriss. Selten hat man solch donnernden Applaus im Bürgerzentrum gehört, selten solch einen Überschwang der Gefühle, der den jungen Landesmusikern auf ihrer weiteren Tournee eine willkommene Aufmunterung sein wird.

Ulrich Gerlinger/Waiblinger Kreiszeitung

08.11.2000 Nachwuchs trumpft mit viel Können auf (Aalener Nachrichten)
AALEN / Um den musikalischen Nachwuchs ist es bestens bestellt, davon konnten sich am Montagabend in der Stadthalle die Zuhörer im sehr gut besuchten Konzert des Landesjugendorchesters Bad.-Württ. unter der Leitung seines Dirgenten Christoph Wyneken überzeugen.

Auf dem Programm standen zwar "nur" zwei Werke, die jedoch hatten es in sich, zählen doch Beethovens Konzert für Violine, Cello, Klavier und Orchester, das "Tripelkonzert op. 56", und die 1. Sinfonie op. 68 von Johannes Brahms zu den Schwergewichten der klassischen Musik.

Wobei allerdings das Tripelkonzert innerhalb Beethovens Schaffen eher zu den seltenen heiteren, lyrischen und lichtdurchfluteten Kompositionen zählt. Vor allem das Motiv im Mittelsatz, im Adagio strahlt eine so klare Schönheit, eine Heiterkeit aus, die man dem alten Griesgram gar nicht zutrauen würde.

Die drei jungen Solisten, Marie-Luise Bodendorff (Klavier), Michael Hsu (Violine) und Jakob Johannes Spahn (Violoncello) - alle 17 Jahre alt - interpretierten den Satz superb, ließen sich Zeit und harmonierten wunderschön. Auch in den beiden lebhaften Ecksätzen überzeugten die Solisten: Spahn mit sonorem Ton und behender Grifftechnik, Hsu mit elegantem Strich, geschmeidiger, filigraner Technik und stabiler Tongebung auch in höchsten Lagen und Marie-Luise Bodendorff mit virtuoser Technik und apartem Anschlag.

Diese technische Virtuosität der mehrfach ausgezeichneten jungen lnterpreten kam vor allem in den langen, technisch anspruchsvollen Passagen des Rondos mit furiosem Finale eindrucksvoll zur Geltung, wobei man allerdings nie den Eindruck hatte, dass die Fertigkeiten eitlem Selbstzweck dienten. Das Orchester agierte aufmerksam, begleitete sensibel und hielt sich bei den Solopassagen vorbildlich zurück; so dass sich die Solisten, ohne übermäßig forcieren zu müssen, problemlos behaupten konnten.

Wyneken, der das Orchester im 27. Jahr leitet, konnte sich im Tripelkonzert auf ein präzises, rationelles Dirigat beschränken, das Orchester reagierte auch auf sparsamste Gesten.

Deutlich stärker wurde die fordernde Hand des Dirigenten in der 1. Sinfonie von Johannes Brahms gebraucht. Der erste Satz wird nicht so sehr von der Bewegung, sondern eher von den wechselnden Klangstrukturen geprägt. Das verführt zu schleppenden Tempi, was Wyneken unverzüglich bekämpfte. Genauso erfolgreich animierte er seine Streicher zu leidenschaftlichem Spiel. Klangreine Solopassagen aus dem Bläserbereich korrespondierten reizvoll mit dem satten Streicherklang. Auch die folgenden Sätze bestätigten den ausgezeichneten Ruf, den das Landesjugendorchester in der bundesdeutschen Musikszene genießt.

Gerhard Krehlik/Aalener Nachrichten
03.05.2000 Stilsicherheit gepaart mit Zauberei und Empfindsamkeit (BNN)
Das Landesjugendorchester Baden-Württemberg gab ein originelles Konzert im Baden-Badener Festspielhaus

Viele Menschen haben im Baden-Badener Festspielhaus etwas verpasst: das Konzert des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg. Die 500 Besucher allerdings, die nicht unterm Maibaum den Wonnemonat begrüßten, son­dern den jungen Künstlern bei "Sinfonische Zaubereien und Artistik" ihre Aufmerksam­keit schenkten, gingen beschwingter nach Hause als nach manch feucht-fröhlicher Party.

Baden-Baden war die zweite Station der kleinen Tournee, die sich traditionell an die Ar­beitsphasen des jungen Orchesters mit seinem künstlerischen Leiter Christoph Wyneken anschließt. Mit dem Programm, das auch Pantomime und Clownerie enthält, soll vor allem das Publikum von morgen angesprochen werden. Und wirklich, dieser Abend bewies die, zwar immer zitierte, von missmutigen Klaviereleven aber oft nicht aufspürbare Freude und Inspira­tion durch Musik.

Musik nicht nur zum Hören, sondern auch zurn Schauen. Die Pantomin "Giselle" spukt als züngelnder Feuergeist auf der Bühne, während das Orchester klangmalerisch mit Manuel de Fallas Ballettsuite "EI amor brujo" die Ge­schichte der liebeskranken Zigeunerin erzählt.

Die Szenen aus Leonard Bernsteins "West Side Story" bedürfen keiner Illustration. Mit selten empfundener Intensität, Frische und Farbigkeit nimmt dieses vielfach bearbeitete und oft malträtierte Musical Gestalt an. Mit Entschiedenheit und Stilsicherheit, mit zartes­ten Empfindungen und romantischer Hingabe zaubern diese jungen Menschen neuen Glanz auf abgegriffene Noten.

Und wenn schon von "Zaubern" die Rede ist. Auch Michael Hsu beherrscht die Kunst auf seiner Geige: Seit 17 Jahren in Baden, hat sich der aus Taiwan stammende Musiker eine sol­che Menge Preise eingespielt, dass sie Stoff ge­nug für eine neue Registerarie böten. Der In­tensität seines Vortrags von Pablo de Sarasates "Zigeunerweisen", seiner virtuosen und musi­kantischen Begabung kann sich kein Hörer entziehen.

Wenn die Ouvertüre zur "Fledermaus" von Johann Strauß von zwei Clowns attackiert wird, dann kann das zu Chaos führen oder zu höchstem Vergnügen. "Gogol & Mäx" schaffen es, dass beides eine höchst vergnügliche Mi­schung eingeht. Und da sich bei ihnen wie beim Orchester Können mit Temperament und feinem Humor paaren und der Dirigent dabei mit von der Partie ist, breitet sich allgemeines Entzücken aus, und kein Auge bleibt trocken.
Wer im Zusammenhang mit dem Wort "Jugendorchester" rührenden Dilettantismus und Laienmusik assoziiert, liegt falsch. Das Lan­desjugendorchester Baden-Württemberg steht als Synonym für Professionalität, unver­brauchte Frische und hohe Begabung, das un­ter fachkundiger und behutsamer Führung die musikalische Elite der Zukunft bildet.

Gib/BNN 03.05.2000
03.05.2000 Sinfonische Zaubereien mit Landesjugendorchester im Festspielhaus Musik (Badisches Tageblatt)
Sinfonische Zaubereien und Artistik versprach das Landesjugenorchester unter der Leitung seines Dirigenten und Begründers Christoph Wyneken im Baden-Badener Festspielhaus. Was verbarg sich nun hinter diesem Versprechen? Die Balletsuite aus "El amor brujo" (Liebeszauber) von Manuel de Falla eröffnete den Abend und löste das Rätsel: Die Solopantomimin Giselle tanzte zur Musik der "Espagnola" die Geschichte um eine Zigeunerin, ihren Liebhaber und das Gespenst ihres früh Ermordeten ersten Gelieb­ten, das sich zwischen das Lie­bespaar drängt.

Die in ein rot-schwarzes Trikot und eine vielseitig verwend­bare Stola gekleidete Künstlerin schaffte es, sich blitzschnell von einer Person in die andere zu verwandeln. Ihre dramatische und leidenschaftliche Geschichte setzte Giselle mit einer ungeheuren Körperberrschung in Bewegungen um. Dieser Tanz und seine Bedeutung forderten die ganze Aufmerksamkeit der Zuschauer, dabei kam das perfekt musizierende Orchester im Hintergrund etwas zu kurz.

Aber das änderte sich schnell bei den "Sinfonischen Tänzen" aus Leonard Bernsteins "West Side Story". Temperamentvoll, in rhythmischer Präzision, aufmerksam der überlegenen Führung ihres Dirigenten folgend, präsentierten die etwa achtzig Musiker mit sichtlicher Begeisterung - die Schlagzeuger teilwei­se mit Texashüten agierend - die jazzigen kontrastreichen Tänze Bernsteins und ließen keine Langeweile aufkommen.

Die Mitglieder des Orchesters sind überwiegenden Teil Preisträger des Wettbewerbs "Jugend musizert" im Alter zwi­schen 15 und 22 Jahren, die zweimal im Jahr zu projektbezogennen Arbeitsphasen zusammenkommen. Hier können sie Orchestererfahrungen sammeln. Wie weit gefächert ihr Reper­toire bereits ist, zeigte die zu

den quechsilbrigen Bernstein­Tänzen in Kontrast stehende ungarische Rhapsodie Nr 5 "Heroide-Elegiaque", von Franz Liszt: melancholische, romantische Klänge, betont durch tiefe betörende Streicherklänge.

Virtuos und rasant: Violinsolist Michael Hsu

Zu den eingangs versprochenen sinfonischen Zaubereien und zur Artistik gehörten auch die Zigeunerweisen ("Airs bohemiens" op. 20) von Pablo de Sarasate mit Michael Hsu als Vilinsolisten. Der dreifache Bundespreisträegr bei "Jugend musiziert" ist in der Tat ein Zauberer auf seinem Instrument. Hinreißend formulierte er den langsarnen Teil über der Orchesteruntermalung und rasant das abschließende Allegro molto vivace. Der Jubel der begeisterten Zuhörer entlockte dem jungen Violinvirtuosen noch eine brillant dargebotene Solozugabe, einen Satz aus einer Violinsonate von Eugène-Auguste Ysaye.

Sinfoninische Spektakel und Artistik hielt das Finale bereit.

Das Orchester stimmte die Ou­vertüre zur "Fledermaus" von Johann Strauß an. Aber nun trieben die beiden Musikclowns Gogol und Mäx ihr Unwesen und machten die Ouvertüre zu ihrem "Grande Concerto". Im­mer wieder wurde das Orchester von ihnen unterbrochen, mit den verschiedensten Instrumen­ten von der Gitarre über Kuh­glocken Harmonium. Blasin­strumenten und Pauken, die sie fast alle perfekt beherrschten, versuchten sie in naiver Respektlosigkeit mitzumischen und

Sorgten für Amusement.

Der Dirigent überließ schließ­lich scheinbar genervt den beiden Spaßvögeln den Taktstock, und das Orchester machte wohlgelaunt mit, war aber erst still zu kriegen, als Wyneken eingriff. Eine gelungene Posse, die das Publikum mit herzlichem Beifall bedachte. Die komplette "Fledermaus"-Ouvertüre noch einmal perfekt und beschwingt anstimmend, be­schloss das Landesjugendorchester seine munteren, kunstvollen Zaubereien.



Karin Streich/Badisches Tagblatt, 03.05.2000
03.05.2000 Klassik ist nicht nur knochentrocken (Donaueschingen)
Landesjugendorchesters begeistert mit Sinfonischen Zaubereien in der Donauhalle

Donaueschingen (tom). Begeistert verließen am Donnerstag Abend die Besucher die Donauhalle, verzaubert von der Spielfreude und dem Können bei der Präsentation der »Sinfonischen Zaubereien« durch das Landesjugendorchester unter der Leitung von Christoph Wyneken.

Schnell hatten die jungen Musiker an diesem, von der Gesellschaft der Musik­freunde organisierten, Abend mit ihrem begeisternden Spiel ihre Zuhörer gewon­nen, sprang der Funke über. Dabei hatte das Orchester den etwa 400 Besuchern in der Donauhalle kein klassisches Programm im üblichen Sinn geboten. Denn nicht nur die Ohren wurden bei dem mehr als zweistündigen Programm angesprochen, bei dem Auftritt von Pantomimen und Clowns wurden alle Sinne angesprochen und auch der Humor kam nicht zu kurz. Ihr erklärtes Ziel, aufzuzeigen, dass klassische Musik keine abgehobene und knochentrockene Angelegenheit ist, dürften die jungen Musiker, unter ihnen auch zwei Donaueschinger, die Schüler am Fürstenberg Gymnasium sind, damit auf jeden Fall erreicht haben.

Eröffnet wurde das abwechslungsreiche Programm dieses Abends mit »El Amor brujo« (Der Liebeszauber) von Manuel de Falla (1876 bis 1946). Begleitet wurde dieses feurige Stück von der Pantomimin »Giselle«, die als wirbelnder Feuerteufel die Musik des spanischen Kom­ponisten optisch auf der Bühne umsetzte. Es folgten bekannte Melodien aus Leonard Bernsteins »West Side Story«, dar­geboten als Sinfonische Tänze. Darunter waren die Lieder »Somewhere«, »Cool« oder auch ein Mambo, den die Schlagzeuger mit Sombreros trommelten.

Nach der kurzen Pause folgten Franz Liszts »Ungarische Rhapsodie Nr.5« und Zigeunerweisen von Pablo Sarasate (1844 bis 1908). Bei letzteren trat der Violinist Michael Hsu als Solist auf, der vom Publikum für sein Spiel mit frenetischem Beifall belohnt wurde, wofür er sich mit einer kurzen Zugabe revanchierte.

Es folgte der Höhepunkt des Abends, die Ouvertüre aus Johann Strauss\' »Fledermaus«, die allerdings mit einigen »Hindernissen« aufgeführt wurde. Dafür sorgten die beiden Clowns GOGOL & MAX, welche das Orchester zuerst auf der Gitarre, dann auch mit Flöte, Klavier und Schellenbaum begleiteten. Schließlich übernahmen die beiden Clowns von Di­rigent Christoph Wyneken Taktstock und Frack zum »Concerto Grande«, das nach dem Zerbrechen und brüderlichem Teilen des Dirigentenstabes zum piccolo Concerto wurde. Für Schrecken in den ersten Reihen des Publikums sorgte dann auch die »Tellernummer« des Duos, bei der die beiden Clowns mit Porzellantellern jonglierten, ehe ein Stapel der Teller ins Publikum segelten, die sich dort als Pappteller entpuppten.
02.05.2000 Die herrlich malträtierte Fledermaus (Reutlinger Generalanzeiger)
Ernstes und Heiteres zum Hören und Schauen im Konzert des Landesjugendorchesters

Selten macht ein Konzert solch großes Vergnügen wie dasjenige, mit dem das Landesjugendorchester seine Frühjahrstournee in der Reutlinger Listhalle begann. Erstens: weil dieses von Christoph Wyneken mit Präzision und Energie geleitete Orchester eh ein Klangkörper mit Idealmaßen ist, in dem die Besten des Landes Spielfreude und Können und höchstes Niveau nur so aus dem Ärmel schütteln; und zweitens, weil es bei diesem Konzert nicht nur Erstklassiges zu hören, sondern auch Unerwartetes und nicht minder Begeisterndes zu sehen gab.

"Giselle" etwa, die Pantomimin, die mit ihrer Mischung aus Pantomime und Tanz im "Liebeszauber" von Manuel de Falla ebenso feurig wie zärtlich und lustig auf die Bühne gebracht hat, Sinnlichkeit und Sehnsucht in einem furioso der Bewegungen und Gebärden ausgedrückt hat und mit ihrer Mimik von Gesicht und Händen dabei auch noch gezaubert hat. Das Orchester spielte mit exaktem Schliff, herrlich farbig und mit schmelzender, klarster Süße. Die reine Wonne.

Alle kennen die Ouvertüre zur "Fledermaus" von Johann Strauß. Aber bestimmt hat sie noch niemand so hinreißend und Zwerchfell erschütternd schräg und verrupft vernommen wie das an diesem Nachmittag geschah, als sich die beiden Musik-Clowns "Gogel & Mäx" über dieses Stück hermachten. Sie pfuschen Christoph Wyneken permanent ins Handwerk und kramen dabei ein Riesen-Instrumentarium aus mit Klappharmonium, Tuba, Geigentrompete, Kuhglocken, großer Tonnen-Trommel und noch vielem anderen, das sie mit Witz und schönster Musikalität hand- und mundhaben, bis es Christoph Wyneken zu bunt wird und er seinen Frack hinschmeißt und die Flucht ergreift - was "Gogol & Mäx" die Gelegenheit gibt, selbst zum Taktstock zu greifen. Neue Runde. Neuer Spaß.

Als Zugabe erklang die "Fledermaus" dann ungestört an einem Stück - prächtig schwungvoll, hochmusikalisch, kein bisschen angestaubt.

Für Pablo de Sarasates "Zigeunerweisen" ist Michael Hsu der richtige Mann. Nicht nur ein Teufelsgeiger, was die perfekte Technik anbelangt, sondern dazu noch ein Musiker mit Stil und Geschmack. Er spielt diesen Zigeuner-Schinken mit Grandezza. Mit großem, samtigen Ton, mit stolzem Gesang und mit rassiger, lupenreiner Virtuosität - ein geigerischer Hochgenuss, von dem auch das Orchester entzückt ist und seinen Solisten wie auf Händen durch diese Musik trägt. Riesenbeifall.

Die fünfte Ungarische Rhapsodie von Franz Liszt darf bei Christoph Wyneken und seinen jungen Musikerinnen und Musikern ihren dunklen Grundton entfalten. Die Celli legen ernsten Gesang und Sonorität auf. Die gesamte Wiedergabe hat nichts Koloristisches, sondern wirkt geschlossen und verbindlich im Ausdruck. An manchen Stellen blüht das Melos in feinem Schmelz wie eine Ahnung von Strauss\'scher Seligkeit - man sieht, wie perspektivenreich hier musiziert wurde.

Glanzstück des Orchesters sind die Tänze aus der "West Side Story" von Leonard Bemstein gewesen. An sie ging die Jugend des Landes wie entfesselt ran. Heiß und aggressiv und rockig wild wie im "Mambo", sodass die Klänge und Farben wie die Fetzen fliegen und man förmlich sehen konnte, wie die beiden Banden aufeinander losgehen. Solch messerscharfe Brillanz und solch szenisch aufgeladener direkter Klang - es war die bebende Wucht. Solcher Hochspannung standen die zärtlichen Liebesszenen gegenüber. Sie wurden mild und weich musiziert - ganz auf Gestalt und Motiv der Maria hin. Bernsteins Musik erklang an diesem Tag hinreißend jung und impulsiv und auf einer technischen Höhe, von der manch anderes Orchester im Lande nur träumen kann.

hdw Reutlinger Generalanzeiger, 2.Mai 2000
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