Das Orchester
Das Landesjugendorchester Baden-Württemberg
Das Landesjugendorchester Baden-Württemberg (LJO) wurde 1972 von Klaus Matakas und Dietmar Mantel gegründet. Für die erste Besetzung nahmen sie junge Musiker des seinerzeit bereits mit ausgewählten Spielern aus der Region besetzten Symphonieorchesters der Städtischen Musikschule Lahr auf und beriefen Christoph Wyneken als Dirigenten, der dem Orchester seitdem ununterbrochen als künstlerischer Leiter vorsteht.

Diese Kontinuität ist ein Novum in der Jugendorchesterlandschaft in Deutschland und zugleich ein Qualitätsmerkmal, welches als Garant für das immer wieder bestätigte außergewöhnlich hohe künstlerische Niveau des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg gelten kann.

Bereits nach kurzer Zeit bewarben sich in den Anfängen des LJO ausgewählte Spielerinnen und Spieler sowie Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs "Jugend musiziert" im Alter von 15 - 22 Jahren aus allen Teilen Baden-Württembergs, um an den zweimal jährlich stattfindenden Arbeitsphasen teilzunehmen. Die jugendliche Spielfreude ist fortan geprägt durch das intensive gemeinsame Erleben des Miteinander-Musizierens. Das LJO erspielte sich schnell einen festen Platz im Konzertleben Baden-Württembergs.

Der Arbeit mit dem LJO lag folgendes Konzept zugrunde: Frühzeitige Orchestererfahrung, Kennenlernen der großen Werke klassisch-romantischer Orchesterliteratur und die pädagogische Einheit von Erarbeitung und anschließender Erprobung auf dem Konzertpodium. Es zeigte sich, dass trotz der hohen Fluktuation von ca. 30% der etwa 90 Orchestermitglieder jeder Arbeitsphase ein Niveau erreicht werden kann, das den Vergleich mit der professionellen Leistung vieler Berufsorchester nicht zu scheuen braucht. Heute spielen zahlreiche ehemalige LJO´ler selbst bei den Berliner, Münchner und Wiener Philharmonikern oder haben sich einen Namen als Professoren an Musikhochschulen gemacht.

An mehr als 80 Konzertorten allein in Baden-Württemberg traten die von Berufsmusikern und Hochschuldozenten angeleiteten LJO´ler bisher auf. Daneben unternimmt das LJO immer wieder Konzertreisen auch außerhalb Deutschlands. Oftmals hat das LJO im Kontakt zu anderen Jugendorchestern in Italien, Spanien, Polen, England, Russland und Frankreich Austauschprogramme der Musikschulen angeregt und gemeinsame Konzerte gegeben.

Die Konzerte des LJO werden regelmäßig vom SWR mitgeschnitten. Zahlreiche CDs dokumentieren die verschiedenen Programme der Herbst- und Frühjahrskonzerte. Aufgrund seiner herausragenden Stellung und künstlerischen Erfolge wurden das Orchester und sein künstlerischer Leiter am 2.11.2008 in Colmar mit dem Europäischen Jugendorchesterpreis und am 3.11.2009 zum 26. Mal in Folge mit dem Leonberger Jugendmusikpreis ausgezeichnet.

Das LJO arbeitete mit zahlreichen namhaften Solisten zusammen, u.a. mit: Wolfgang Bauer, Reinhold Friedrich (Trompete), Tabea Zimmermann, Boris Faust (Viola), Christoph Henkel, Claudio Bohórquez (Violoncello), Aaron Rosand, Alexander Sitkovetsky, Alexander Zeiher, Koh-Gabriel Kameda, Ulrike-Anima Mathé (Violine), Markus Frank (Horn), Kersten McCall (Flöte) u.v.m. Zu den Tourneen des LJO werden regelmäßig herausragende baden-württembergische Preisträger des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert" als Solisten eingeladen. Sie stellen sich in fünf bis sechs Konzerten dem Publikum und sammeln so in kürzester Zeit wertvolle Bühnenerfahrung für ihre künftige Karriere.

Neben Christoph Wyneken als künstlerischem Leiter wirkten u.a. als Gastdirigenten mit: Anna-Sophie Brüning, Larry Livingston, Thomas Ungar, Wolf-Dieter Hauschild, Nicolas Pasquet und Patrick Strub.

Träger des Landesjugendorchesters ist der Landesverband der Musikschulen Baden-Württembergs e.V.
Bericht über das LJO von Euro 3:
Impressionen Konzert Heidenheim Frühjahr 2010
Aufnahmen Impressionen Konzert Heidenheim Frühjahr 2010: (c) Karl-Heinz Schuster, Heidenheim
Impressionen Frühjahrs-Arbeitsphase 2010
Fotos von Frühjahrs-Arbeitsphase 2009
Interviews mit Spielern und Betreuern des LJO (Herbst 2007):
Anne Stüble (Bratsche):
Edzard Locher (Schlagzeug):
Franziska Lässle (Querflöte):
Lars Bausch (Horn):
Luca Bogner (Geige):
Markus Thalheimer (Harfe):
Ming Schumacher (Cello):
Zoltan Kovacs (Fagott/Betreuer):




Christoph Wyneken
Das Erlebnis Landesjugendorchester
Einblicke...

Ein Konzert mit dem Landesjugendorchester Baden-Württemberg ist das mitreißende Ergebnis einer erlebnisreichen 7-tägigen Probenphase.

Zwei- bis dreimal im Jahr treffen sich ca. 90 qualifizierte jugendliche Musiker aus Baden-Württemberg zwischen 13 und 23 Jahren, die sich als Preisträger beim Wettbewerb "Jugend musiziert" oder durch ein Probespiel ausgezeichnet haben. Die Probenphasen selbst finden an verschiedenen Orten Baden-Württembergs statt, die eine geeignete Atmosphäre und möglichst optimale organisatorische Bedingungen aufweisen sollten.

Das Programm wird nach musikalischen und pädagogischen Gesichtspunkten ausgewählt. Hierbei werden nicht nur sinnvolle dramaturgische Zusammenhänge berücksichtigt, sondern auch die Intention, dass sich Inhalt und Gehalt der Werke auf die Interessen- und Stimmungslage der jungen Musiker und damit auf eine begünstigte Durchführbarkeit einer Arbeitsphase auswirken. Der Schwierigkeitsgrad der zu erarbeitenden Werke muss dem durch Fluktuation (etwa ein Drittel pro Arbeitsphase) bestimmten Gesamtniveau angepasst werden. Exponierte Solopartien werden gezielt mit sorgfältig ausgewählten Spielern besetzt.

Am ersten Abend trifft sich das Landesjugendorchester zu einer Gesamtprobe. Ein buntes, lustiges Gemisch aus jugendlichen Persönlichkeiten und Temperamenten aus allen Teilen des "Ländles" lässt nicht erahnen, in welchem Maße dieses vielseitig besetzte Orchester in kürzester Zeit den hohen Anforderungen an Technik, Musikalität, Spiel- und Gruppendisziplin, Aufeinanderhören, sensiblem Reagieren auf interpretatorische Feinheiten und vielem mehr entspricht, die für das "Funktionieren" eines Sinfonieorchesters notwendig sind.

Es ist bewundernswert, mit welchem Elan sich die jugendlichen Musiker dieser umfangreichen Arbeit unterwerfen.

Zweifellos bedarf es einer feinfühligen Führung durch kompetente Dirigenten, die die Fähigkeiten, aber auch die Schwachpunkte positiv zu kanalisieren und einzusetzen wissen. Um die ersten technischen Hürden eines sinfonischen Werkes zu überwinden, stehen in den ersten drei Tagen die Gruppenproben im Mittelpunkt.

Das Landesjugendorchester ist in der glücklichen Lage, auf einen Stamm von fähigen und pädagogisch geschickten Dozenten zurückgreifen zu können, die mit Fachwissen und Begeisterung die einzelnen Streicher- und Bläsergruppen auf die Gesamtproben vorbereiten. In den Gruppenproben bleibt genügend Zeit, um aus den verschiedenen Talenten mit ihren individuellen und instrumentalen Besonderheiten eine homogene Gruppe entstehen zu lassen.

Natürlich fordert ein Tag mit konzentrierter Probenarbeit entspannende Pausen. Diese werden - und das besonders in den Abendstunden - zu unterschiedlichen, oft überschäumenden Freizeitgestaltungen genutzt. Die ganz vitalen und passionierten jungen Musiker widmen sich der Kammermusik oder üben für sich.

Ein Spaziergang im Wald, ein Fußballspiel oder ein gemeinsam verbrachter Abend im Aufenthaltsraum oder Discokeller sind Beispiele ausgleichender Betätigungen.

Als verbindendes Element bildet die Musik das ideale Umfeld, das Kontakte und Freundschaften leichter entstehen lässt. Spiel und Spaß kommen keinesfalls zu kurz und es brillieren nicht selten "hochkarätige Talente" in allerlei anderen Gattungen der Künste. Komplementäre Begabungen unglaublicher Art kommen an den berühmt gewordenen "Bunten Abenden" besonders zur Geltung. So wird ein graues Geigenmäuschen zur exzentrischen Diva oder ein stiller Bassist zum ausdrucksvollen Pantomimen.

Durch eine ad hoc zusammengestellte LJO-Band ertönt die ganze Musikpalette, von der Volksmusik aus dem tiefsten Schwarzwald bis zum aktuellsten Pop- und Discosound. Über 35 Jahre hinweg haben inzwischen legendär gewordene, längst in "Amt und Würden" stehende ehemalige Mitglieder, wie "Tarzan", "Winnetou", "H.C.", "Chief".., das Bild des Landesjugendorchesters mitgeprägt.

Am Ende jeder Probenphase stehen die Konzerte. Sie sind nicht der Mittelpunkt, aber das Ziel unserer Arbeit. Hier präsentiert sich das Ergebnis und mit ihm der Sinn eines Jugendorchesters, das seine Zuhörer durch sprühenden Enthusiasmus und begeistertes Spiel mitzureißen vermag. Nicht die artistisch perfekte Leistung steht im Vordergrund (obwohl diese immer angestrebt wird), sondern die spontane, jugendliche Erlebnisfähigkeit und die freiwillige Eingliederung in den übergeordneten Sinn einer großen Komposition, deren Ziel nur mit Hingabe und Beharrlichkeit erreicht werden kann.
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