JVA - 04.08.13 Konzert
Metamorphosen - LJO Konzert am 04.08.2013
Konzert 04.08.2013:



Video zu "Metamorphosen"
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Mit JVA und Landesjugendorchester durch den Adelsheimer Schlosspark
Landesjugendorchester und JVA harmonierten prächtig beim Wandelkonzert am Sonntag.
Das Landesjugendorchester und Anna Sophie Brüning (Foto) nutzten für \'Pan und Narzissmus\' von Benjamin Britten auch den Fluss im Adelsheimer Schlosspark. Fotos: Nadine Heck
Der Kreislauf des Lebens war das musikalisch-schauspielerische Thema des beeindruckenden Wandelkonzerts am Sonntag im Adelsheimer Schlosspark.
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Gelungenes Tête-à-tête von Natur und Kultur
PRESSEARTIKEL VON NADINE HECK (06.08.2013, 06:00)

Adelsheim. Den ewigen Kreislauf des Lebens durchläuft die Menschheit seit jeher. Geburt, Leben, Tod und Auferstehung scheinen unwiderruflich mit der Existenz den Menschen verknüpft. Faszinierend und zugleich ungewiss, stellen diese Säulen den Menschen jedes Mal vor neue Herausforderungen. Doch welchen Platz hat die Gattung Mensch in der Natur? Und welche Rolle spielt Mutter Natur im ewigen Kreislauf des Lebens?

Um jene Fragen kreiste am Sonntag die Darbietung des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg in Kooperation mit dem "Apollo-18"-Chor der Jugendvollzugsanstalt Adelsheim zusammen mit Anna Sophie Brüning, erste Kapellmeisterin am Coburger Landestheater und Opernsängerin, Autorin und Regisseurin Paula Fünfeck. Auch Mitarbeiter der Strafanstalt gesellten sich unter die Schauspieler. Schon zum dritten Jahr in Folge taten sich die Institutionen zusammen, um im Rahmenprogramm von "Adelsheim leuchtet" ein Konzert der besonderen Art zu bieten. Doch wer beim Wort "Konzert" an eine Vorstellung mit akkurater Bestuhlung gedacht hatte, wurde eines Besseren belehrt.

Denn erstmals zeigte das Ensemble seine Aufführung in Form eines Wandelkonzertes - mit großem Erfolg. Die Abschnitte dieses Konzertes waren dabei auf verschiedene Plätze im malerischen Schlosspark verteilt. Die Schauplätze reichten vom Flusslauf über den Rosengarten bis hin zum Schlossgraben.

Das Publikum folgte den Darstellern und Musikern von Station zu Station. Bei strahlendem Sonnenschein im idyllischen Park führte Anna Sophie Brüning charmant durch das Programm. Natur und Musik seien untrennbar miteinander verbunden, betonte sie.

Der Garten des Schlosses schien wie geschaffen für das Motiv "Mensch und Natur", das sich durch das gesamte Konzert zog. Mit klassischer Chor- und Orchestermusik, beeindruckenden Gesangseinlagen von Paula Fünfeck und spaßigen sketchartigen Theaterpassagen schaffte das Ensemble gekonnt den Spagat zwischen Klassik und Moderne. Die Texte der kleinen Szenen wurden von Paula Fünfeck geschrieben.

Hier eine Auswahl einiger beeindruckender Stationen: Die erste Darbietung thematisierte die Geburt des Menschen und damit den Beginn des Kreislaufs. Das Ensemble versammelte sich dazu am kleinen Fluss des Parks. Mit Benjamin Brittens "Pan und Narzissmus" für Solo-Oboe und Monteverdis "Klagelied der Nymphe" wurde das Element "Wasser" aufgegriffen. Eindrucksvoll untermalte Paula Fünfeck die Szene, indem sie langsam und stimmungsvoll durch den Fluss watete. Eine schauspielerische Darbietung auf höchstem Niveau.

Eine weitere Station bildete eine Trommeleinlage mit "Prim" von Askell Masson und ein lautmalerischer Sprechgesang eines JVA-Häftlings, der die Auseinandersetzung der Natur und des Menschen mit der Großstadt aufgriff. Ein Schauspiel weiterer Chormitglieder verdeutlichte die Anonymität in Metropolen. Weitere Darsteller hielten Schilder, mit Aufschriften wie "Herzschmerz? Nein danke", die verrieten, dass sich der Mensch hier mitten im Leben befindet.

In einer Ansprache dankte Rainer Goderbauer, Leiter der Jugendvollzugsanstalt Adelsheim, für die erfolgreiche Zusammenarbeit. Wenn Adelsheim leuchte, sei die JVA ein Teil davon. Bei Choreinlagen u.a. von Schuberts "Die Forelle" und Brahms "Mein Mädel hat nen Rosenmund" konnten die Häftlinge zeigen, was sie gelernt hatten, und dass hinter dem ein oder anderen eine schöne, unentdeckte Gesangsstimme steckt. Eine Erfahrung, die sie ohne die Zusammenarbeit mit dem Landesjugendorchester möglicherweise nie gemacht hätten.

Weiter ging es mit "Der Tod und das Mädchen". Erst als Volkslied von F. Mendelssohn, dann als Streichquartett von F. Schubert. Überraschend und mitreißend war die Szene im Anschluss, als eine der Violinistinnen symbolisch vom Tod, gespielt von einem JVA-Insassen, mitgenommen wurde. Der Kreislauf des Lebens schien geschlossen.

Die Veranstaltung ging jedoch erst zu Ende, als sich das Ensemble zunächst unter den Bäumen und später im Schlossgraben versammelte, um die Wiedergeburt zu feiern. Gespielt wurden "Down by the Sally Garden" und in ausgelassener Stimmung zwei Schlager aus den 20ern - "Tante Paula liegt im Bett und isst Tomaten" und "Heute Nacht oder nie".

Doch nicht nur das Programm sorgte für gute Stimmung im Schlossgarten. Durch die Ungezwungenheit der Veranstaltung herrschte trotz der zahlreichen Besucher eine wunderbar angenehme Atmosphäre. Schlossherr Baron Louis von Adelsheim sorgte persönlich für weitere Sitzgelegenheiten, um den Gästen bei den sommerlichen Temperaturen ein schattiges Plätzchen zu verschaffen.

Honoriert wurde die gelungene Kooperation nicht nur von den Zuschauern, sondern auch aktuell von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der das Projekt für den Preis "Kulturelle Bildung 2013" des Bundesministeriums nominiert hat.

Insgesamt eine rundum gelungene Darbietung mit einer guten Mischung aus gefühlsbetonten und amüsanten Szenen und Musik auf höchstem Niveau. Adelsheim wird sich auch in Zukunft über weitere Projekte des Landesjugendorchesters und der Jugendvollzugsanstalt freuen dürfen.
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Mitwirkende:
1. VIOLINE
Soraya Weber
Thu Ha Tran
Stefanie Leitz
Jakob Paul

VIOLA
Claire Holder

VIOLONCELLO
Ludwig Kollmar
Christopher Werner

KONTRABASS
Christoph Haaß

FLöTE
Martha Flamm

OBOE
Sarah Elbe

1. OBOE
Simon Doll

1. KLARINETTE
Tobias Späth

FAGOTT
Jan-Niklas Doll

HORN
Landwehr Victoria

1. POSAUNE
Ferdinand Frey

SCHLAGZEUG
Jannik Fröhlich

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künstlerische Leitung: Anna-Sophie Brüning

Dramaturgie/Regie: Paula Fünfeck
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Virtuose Musik in schöne Bilder umgesetzt
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