Apollo 18! -
Oper im Jugendknast
JVA - 16.12.11 Opernprojekt
Himmelsgeigen und Höllenfeuer
MUSIKTHEATER in der JVA Adelsheim 16.12.2011
Das Konzept
Ein gemeinsames Projekt der JVA Adelsheim und des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg.

Wir stellen eine kurze Suite aus Musikstücken des Komponisten H. I. F. Biber und venezianischer Renaissance-Musik zusammen. Diese sehr originelle und zum Teil ausgesprochen schlagzeugreiche Musik halten wir für absolut geeignet, um die Jugendlichen der JVA mit den Jugendlichen des LJO tatsächlich gemeinsam musizieren zu lassen. Als Fabelgerüst dient uns eine historische Gestalt, die in dem gleichen Jahr geboren wurde, in dem der Dreißigjährige Krieg ausbrach: Der Geigenbaumeister Jakobus Stainer (1618-1683).

Stainer galt als "das" deutsche Geigenbaugenie; er geriet jedoch in Konflikt mit den Obrigkeiten, kam hochverschuldet aus einem Angestelltenvertrag als Geigenbauer heraus, wurde von der Inquisition verfolgt und schließlich wegen des Besitzes einer Lutherbibel als Ketzer ins Gefängnis geworfen. Eingerahmt in diesen historischen Kontext zeichnen wir einige Szenen aus seiner bewegten und bewegenden Lebensgeschichte nach.

Im Vorfeld entwickeln wir eine Dramaturgie und erarbeiten mit den Jugendlichen Szenen, in denen verschiedene Affekte wie Wut, Angst, Ausgelassenheit und Zärtlichkeit musikalisch, pantomimisch und mit Worten dargestellt werden.
"Der Geigenbauer Stainer ist als mögliche Identifikationsfigur für dieses Projekt in vielfacher Weise geeignet":

- Stainer war ein sozialer Außenseiter aus der Zeit des Frühbarocks, der ebenfalls im Gefängnis saß. Gleichzeitig war er genial begabt, als Geiger "und" als Geigenbauer.

- Die Geschichte liegt fast 400 Jahre zurück und erleichtert das Eintauchen in einen völlig anderen Zusammenhang.

- Es geht um das zentrale Thema Handwerk -in diesem Fall den Geigenbau- und um seine über das rein Handwerkliche hinausgehende Dimension: "Das Entstehen von Kunst und Schönheit".

- Das Thema Freiheit wird thematisiert, insbesondere die Gedankenfreiheit an Hand Stainers Konflikts mit der Inquisition, einer öffentliche Bußzeremonie und eine Bücherverbrennung.

"Die Insassen können eine Fülle von Erfahrungen machen und werden mit neuen Anforderungen konfrontiert":

-Sie werden durch die aktive Beteiligung an der Musik mit Schlaginstrumenten gemeinsames Musizieren erfahren.

-Sie werden während des Workshops jeden Tag mit einem Stimmtraining ("Stimmsport") beginnen. Dieses dient als Aufwärmen für chorisches Rezitieren, für Wortchoreographien, Experimente im Zwischenfeld von Sprechen und Singen sowie im Idealfall auch zum gemeinsamen Singen.

-Das Fabelgerüst um den Geigenbaumeister Jakobus Stainer gibt die Möglichkeit, in die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges einzutauchen. Dass nach drei Jahrzehnten mit dem "Weltwunder" des Westfälischen Friedens dem Grauen des Krieges ein Ende gemacht werden konnte, gibt Gelegenheit, über Diplomatie als Mittel zur Lösung von Konflikten und die Errungenschaft der relativen Religionsfreiheit und gegenseitigen Toleranz zu sprechen.

-Sie werden eigene Texte erarbeiten, die in die Aufführung mit einbezogen werden sollen.
Die JVA-eigene Filmcrew wird den Workshop begleiten. Andere Insassen, die nicht direkt auf der Bühne beteiligt sind, werden unter Aufsicht und Anleitung als "Stage Manager" arbeiten und in der Herstellung von Plakaten und Requisiten zum Projekt beitragen.

Für die Mitglieder des LJOs besteht die Möglichkeit, gemeinsam in die Klangwelt der Renaissance und des Frühbarocks einzutauchen. Auch sie werden teilweise in die szenische Arbeit mit einbezogen.
Das gemeinsame Arbeiten mit den Insassen aus dem "Paralleluniversum" JVA Adelsheim möchten wir weniger als "Sozialprojekt" verstanden wissen, sondern als Möglichkeit, die Wahrnehmung für die Realitäten am jeweils anderen Ende des gesellschaftlichen Spektrums zu erweitern. Herr Goderbauer, Leiter der JVA, hob die starke Symbolkraft dieser ungewöhnlichen Kooperation heraus:

Alle Beteiligten sind junge Bürger Baden-Württembergs; junge Menschen mit jungen Lebensläufen, wie sie gegensätzlicher nicht sein können.
Sie werden an "einem" Projekt arbeiten. Ob es ein "gemeinsames" werden wird, hängt von ihrer aller Bereitschaft ab, Ängste, Vorbehalte zu überwinden und im künstlerischen Ausdruck nach gemeinsamen Wegen zu suchen.
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